Thomas Cook

12.07.19
Deals

Fosun und Banken wollen Thomas Cook retten

Der schwer angeschlagene Reisekonzern Thomas Cook will sich mit einem Debt-to-Equity-Swap entschulden. Der geplante Verkauf der Airline-Sparte, für die auch die Lufthansa ein Angebot abgegeben hat, ist damit vom Tisch – zumindest vorerst.

Für den chinesischen Mischkonzern Fosun, der gerade Tom Tailor mit einer Brückenfinanzierung unter die Arme greifen musste, entwickelt sich auch ein weiteres Europa-Investment zu einer teuren Angelegenheit: Bei dem Touristikkonzern Thomas Cook soll Fosun gemeinsam mit den kreditgebenden Banken frisches Kapital über 750 Millionen britische Pfund (umgerechnet 835 Millionen Euro) zuschießen. Entsprechende Pläne gab das britische Unternehmen am heutigen Freitag bekannt.

Im Gegenzug sollen Fosun und die Banken die Mehrheit an Thomas Cook übernehmen. Dafür wird der britische Konzern aufgeteilt: Gelingt der Plan, werden die Chinesen, die bisher mit 18 Prozent an der Gruppe beteiligt waren, künftig die Mehrheit des Reiseveranstaltergeschäfts halten. Die Banken übernehmen dagegen die Kontrolle über das Airline-Geschäft, zu dem auch die deutsche Condor gehört. An dieser Sparte werde Fosun einen „bedeutenden Minderheitsanteil“ halten, so Thomas Cook.

Thomas Cook wird zerschlagen

Die Zerschlagung des Konzerns in zwei Einheiten mit unterschiedlichen Eigentümerstrukturen hat regulatorische Gründe: Als chinesisches Unternehmen darf Fosun nicht die Mehrheit an einer europäischen Fluggesellschaft übernehmen – sonst verliert diese Start- und Landerechte in Europa. Einer ähnlichen Problematik sah sich die inzwischen liquidierte Air Berlin mit ihrem arabischen Großaktionär Etihad konfrontiert. Etihad hatte daher begrenzten Spielraum, Air Berlin finanziell zu unterstützen.

Der Plan für die finanzielle Restrukturierung bei Thomas Cook ist allerdings noch nicht in trockenen Tüchern. Denn der Vorschlag sieht auch vor, einen „signifikanten Anteil der externen Bank- und Anleiheschulden“ der Thomas-Cook-Gruppe in Eigenkapital zu wandeln („Debt-to-Equity-Swap“). Hierfür benötigt der Konzern die Zustimmung der Bondholder und der Banken. Die Kernbanken würde die Rekapitalisierung unterstützen, heißt es von Seiten des Unternehmens. Auch die Eigentümer von Fosun müssen der Finanzspritze noch zustimmen.

Anleihegläubiger von Thomas Cook müssen bluten

Die Summen, um die es geht, sind nicht gering: Stand März hatte Thomas Cook ausstehende Anleihen über rund 1,15 Milliarden Euro, die sich auf zwei Papiere mit Laufzeiten bis 2022 und 2023 aufteilen. Hinzu kam eine revolvierende Kreditfazilität über 600 Millionen Pfund, die im November 2022 fällig ist. Die Nettofinanzverschuldung der Briten kletterte auf zuletzt 1,25 Milliarden Pfund. Demgegenüber stand ein Verlust von 1,5 Milliarden britischen Pfund zum Halbjahr des Geschäftsjahres 2018/2019. Ende Mai, kurz nach Veröffentlichung dieser Zahlen, stufte die Ratingagentur Moody’s den Konzern auf Caa2 herunter, der Ausblick ist negativ.

Auch für die Aktionäre, die mit einer erheblichen Verwässerung ihrer Anteile rechnen müssen, ist die geplante Umschuldung bitter: „Das ist zwar nicht das, was wir für unsere Aktionäre wollten“, kommentiert Konzernchef Peter Fankhauser, „aber es ist eine pragmatische und verantwortungsvolle Lösung, um die Zukunft von Thomas Cook zu sichern.“

Mit der Finanzspritze will sich Thomas Cook nun über den Winter retten. Typischerweise erreicht die Cash-Position von Reiseveranstaltern dann ihren jährlichen Tiefpunkt. Die geplante Rekapitalisierung stelle sicher, dass es ausreichend Liquidität für die Wintersaison 2019/20 gebe und biete zugleich ausreichend Flexibilität, um Zukunftsinvestitionen anzustoßen, so Thomas Cook. Der Konzern will vor allem in Hotels und die Digitalisierung investieren.

Lufthansa muss sich bei Condor gedulden

Ursprünglich wollten die Briten dieses Geld mit dem Verkauf der Airline-Sparte reinholen: Thomas Cook hatte seine Fluggesellschaften einschließlich Condor im Februar zum Verkauf gestellt. Im Mai hatte auch die Lufthansa ein unverbindliches Gebot für Condor abgegeben und in Aussicht gestellt, dieses auf die kompletten Airlines der Gruppe zu erweitern.
 
Allerdings hatte Finanzchef Ulrik Svensson kürzlich bereits die Hoffnung gedämpft, dass der Dax-Konzern tatsächlich den Zuschlag erhalten werde. Zum einen dürfte die EU-Kommission als Wettbewerbsbehörde hohe Auflagen stellen, zum anderen sei aber auch die Integration in die Tochtergesellschaft Eurowings komplex, sagte er. Diese Erfahrung konnte die Lufthansa erst jüngst bei der Übernahme eines großen Air-Berlin Portfolios machen.

Nun liegt der Verkauf von Condor erst einmal auf Eis. Allerdings dürften die Banken wenig Interesse daran haben, langfristig Aktionäre von europäischen Fluggesellschaften zu bleiben. Es ist wahrscheinlich, dass der Verkaufsprozess nach einer erfolgreichen Umschuldung neu gestartet wird.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de