Im kolumbianischen Cali hat die Fresenius-Tochter Quirónsalud erneut in den Klinikmarkt investiert und übernimmt das Centro Médico Imbanaco.

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23.12.19
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Fresenius investiert erneut in Kolumbien

Fresenius setzt weiter auf Lateinamerika und übernimmt ein weiteres großes Krankenhaus in Kolumbien. Der Deal läuft über den aktuellen Wachstumstreiber, die spanische Tochter Quirónsalud.

Der Medizinkonzern Fresenius expandiert weiter in Lateinamerika: Für rund 300 Millionen Euro übernimmt Fresenius die kolumbianische Privatklinik Centro Medico Imbanaco (CMI). Die Transaktion wird über den 2016 übernommenen spanischen Privatklinikbetreiter Quirónsalud abgewickelt, der innerhalb des Fresenius-Konzerns zur Kliniksparte Fresenius Helios gehört. Der heutige Schritt bedeutet eine Forcierung der Fresenius-M&A-Strategie in Kolumbien, ist das neue Investment doch deutlich größer als die bisherigen Klinikkäufe in dem Land.

Das nun übernommene CMI steht in Cali, einer kolumbianischen Großstadt mit etwa 2,4 Millionen Einwohnern. Zu der Klinik gehören 350 Betten, 17 Operationssäle sowie 250 Räume für Sprechstunden und ambulante Behandlungen. 2018 erzielte die Klinik einen Umsatz von umgerechnet rund 130 Millionen Euro.

Fresenius will in Lateinamerika wachsen

Fresenius schätzt den Krankenhausmarkt in Lateinamerika als attraktiv ein, da er wachse und sich zugleich konsolidiere. Die Übernahme von CMI sei „ein weiterer wichtiger Schritt“, um die Präsenz in Kolumbien zu stärken, heißt es von Fresenius. Quirónsalud werde damit „einer der führenden privaten Krankenhausbetreiber des Landes“. Die Übernahme soll nach Zustimmung der kolumbianischen Wettbewerbsbehörden im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden und bereits im Geschäftsjahr 2020 positiv zum Konzernergebnis beitragen.

In den zurückliegenden anderthalb Jahren ist Fresenius regelmäßig in Lateinamerika auf Einkaufstour gegangen: Quirónsalud war im Oktober 2018 mit der Übernahme der Clínica Medellín in den kolumbianischen Markt eingetreten, diese betreibt zwei Krankenhäuser mit insgesamt rund 185 Betten. Quirónsalud investierte damals mehr als 50 Millionen Euro, Umsatzzahlen für die Clínica Medellín wurden nicht kommuniziert.

Quirónsalud sammelt Kliniken in Kolumbien ein

Im September sicherte sich Quirónsalud dann zwei weitere private Krankenhäuser in Kolumbien: Die Clínica Las Vegas und die Clínica del Prado liegen beide in der Millionenstadt Medellín und kommen insgesamt auf rund 300 Betten. Das Transaktionsvolumen für diese beiden Kliniken lag ebenfalls bei 50 Millionen Euro. Insgesamt investierte Quirónsalud damit seit Herbst 2018 ein Transaktionsvolumen von rund 400 Millionen Euro in kolumbianische Kliniken.

Ende November steckte Helios zudem rund 40 Millionen Euro in die Übernahme der kolumbianischen Diagnostikfirma Cedimed. Wie groß der Anteil Kolumbiens an den Umsätzen der Kliniksparte künftig sein wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Ein Sprecher sagte auf FINANCE-Anfrage, der Konzern gebe keine detaillierteren Umsatzzahlen auf Länderebene bekannt. Neben Kolumbien ist Quirónsalud auch in Peru aktiv, der Markteintritt dort erfolgte 2017.

Quirónsalud wächst auch organisch stark

Die spanische Tochter Quirónsalud, über die die jüngsten Klinikübernahmen laufen, ist aktuell der Wachstumstreiber bei Helios. 2018 erzielte die Sparte Helios, zu der Helios Deutschland sowie Qirónsalud („Helios Spanien“) gehören, einen Umsatz von knapp 9 Milliarden Euro, etwa ein Drittel davon entfiel auf Helios Spanien. Die Ebit-Marge der Spanier lag mit 13,7 Prozent deutlich über der in Deutschland (10,5 Prozent).

Für 2019 erwartet Fresenius für Helios ein organisches Umsatzwachstum von 2 bis 5 Prozent, allerdings bei einem um 2 bis 5 Prozent rückläufigen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), wie der Konzern in seinem Bericht zum 3. Quartal noch einmal bestätigte. Das sinkende Ebit sei unter anderem auf Investitionen im Zuge steigender regulatorischer Anforderungen in Deutschland zurückzuführen.

Dennoch ist die Helios-Sparte zuletzt auch aus eigenem Antrieb stark gewachsen: Während der Umsatz von Helios Deutschland in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 um 4 Prozent auf knapp 4,5 Milliarden Euro zulegte, schaffte Helios Spanien im dritten Quartal 2019 ein vom Konzern als „ausgezeichnet“ gelobtes organisches Wachstum von 9 Prozent. Über die ersten neun Monate betrachtet, wuchs Quirónsalud organisch gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Inklusive Zukäufen lag das Wachstum der Spanier in den ersten neun Monaten bei 9 Prozent, im dritten Quartal sogar bei 12 Prozent.

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