Fresenius kauft für seine Krankenhaussparte zu und übernimmt im größten Deal der Firmengeschichte die spanische Klinikgruppe Quirónsalud.

Fresenius Helios

06.09.16
Deals

Fresenius wagt Rekordzukauf in Spanien

Fresenius kauft den spanischen Krankenhausbetreiber Quirónsalud vom PE-Investor CVC Capital Partners. Neu-Chef Stephan Sturm stemmt damit nur zwei Monate nach seinem Amtsantritt den größten Deal der Firmengeschichte.

Nach längerer Abstinenz wagt der Gesundheitskonzern Fresenius wieder einmal einen Zukauf. Die Rückkehr an den M&A-Markt ist gleich ein Paukenschlag: Fresenius plant den bisher größten Zukauf der Unternehmensgeschichte.

Der Dax-Konzern kauft den größten spanischen Krankenhausbetreiber Quirónsalud. Der Kaufpreis liegt frei von Netto-Finanzverbindlichkeiten bei 5,76 Milliarden Euro. Das entspricht auf Grundlage des erwarteten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für 2017 einem Kaufpreis-Multiple von 10,8x Ebitda. Für dieses Jahr erwarten die Spanier einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Das organische Wachstum der Klinikkette liegt laut Angaben von Fresenius seit Jahren bei über 5 Prozent pro Jahr.

Der Neuerwerb vergrößert das Fresenius-Klinikgeschäft um die Hälfte: die Fresenius-Krankenhausgruppe Helios erzielte 2015 einen Umsatz von rund 5,6 Milliarden Euro. Noch steht die Freigabe der Kartellbehörden aus. Fresenius rechnet mit einem Abschluss der Transaktion Ende dieses Jahres oder im ersten Quartal 2017.

CVC macht Quirónsalud durch Buy-and-Build groß

Verkäufer ist der PE-Investor CVC Capital Partners, der die spanische Klinikgruppe IDC Salud 2011 übernommen hat. 2014 baute CVC die Gruppe im Rahmen einer Buy-and-Build-Strategie durch einen Merger mit dem Rivalen Quirón zum größten Player im spanischen Kliniksegment auf. Weitere Anteile an dem Unternehmen halten Víctor Madera, Mitgründer und Vorsitzender von Quirónsalud sowie weitere Mitglieder des Managements.

Madera erhält als Gegenleistung Fresenius-Aktien im Wert von 400 Millionen Euro, die er mindestens zwei Jahre halten wird. Er soll auch im neuen Unternehmen eine aktive Rolle übernehmen. Den Rest des milliardenschweren Kaufpreises will Fresenius-Chef Stephan Sturm, der erst vor zwei Monaten vom CFO zum CEO aufgestiegen ist, durch Fremdkapital finanzieren. So ging Fresenius bislang bei den meisten Akquisitionen vor.

Die Finanzierung des neusten Coups dürfte dem Crossover-Emittenten nicht schwer fallen. Neben allgemein guten Konditionen am Bondmarkt ist Fresenius bei Investoren beliebt, die Konditionen der Anleihen ähneln teilweise denen von Investmentgrade-Papieren. Die neuen Fremdmittel werden den Verschuldungsgrad zeitweise auf rund 3,1x Ebitda ansteigen lassen. Sturm will den Leverage allerdings schon Mitte 2017 wieder in den Zielbereich von 2,5x bis 3x Ebitda senken.

Fresenius-Chef Stephan Sturm will neue Mittelfristziele ausgeben

Sturm erwartet durch den Mega-Deal Synergien für die Fresenius-Krankenhaussparte Helios in Höhe von 50 Millionen Euro pro Jahr. Aus eigener Kraft will Quirónsalud das Ebitda von 460 bis 480 Millionen Euro in diesem Jahr auf 520 bis 550 Millionen Euro im nächsten Jahr steigern.

Mit dem Milliarden-Zukauf bleibt der ehemalige Investmentbanker der Strategie treu, die er seit seinem Fresenius-Einstieg 2005 verfolgt hat. Für die gezielten Übernahmen, mit denen er das Wachstum des Konzerns voran treibt, wurde Sturm 2014 als CFO des Jahres  gekürt. Der Konzernumsatz von Fresenius könnte 2016 erstmals die 30-Milliarden-Euro-Marke knacken. Wie groß Sturms Hoffnungen in den Effekt des Milliardenzukauf wirklich sind, dürfte bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen 2016 klar werden. Dann will Sturm eine neue Mittelfristprognose abgeben.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Mehr über  Sturms zahlreiche M&A-Deals und seinen Werdegang vor Fresenius erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Stephan Sturm.