Hiobsbotschaft für Scholz: Der Großaktionär Toyota Tsuho will kein frisches Geld ins Unternehmen geben.

Scholz

18.09.15
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Großaktionär lässt Scholz hängen

Das angeschlagene Familienunternehmen Scholz muss bei seiner Kapitalsuche einen schweren Rückschlag wegstecken: Der Großaktionär Toyota Tsuho will kein weiteres Geld mehr in die Firma stecken. Das wird die Eigentumsverhältnisse bei Scholz kräftig durcheinanderwirbeln.

Der angeschlagene Schrottrecycler Scholz hat den offiziellen Startschuss zu seinem Investorenprozess gegeben und muss dabei gleich eine Schlappe einräumen: Der japanische Großaktionär Toyota Tsuho , der 39,9 Prozent hält und beim Einstieg Mitte vergangenen Jahres als großer Retter empfangen wurde, wird bei der erhofften Eigenkapitalstärkung nicht mitziehen. Damit fällt der naheliegende Underwriter aus. Der Eigentümerfamilie Scholz, die 60,1 Prozent der Anteile kontrolliert, ist kaum zuzutrauen, die benötigten frischen Mittel alleine aufzubringen.

Immerhin habe Toyota der Scholz-Familie mitgeteilt, dass das Unternehmen „keine Vorbehalte gegen die Aufnahme neuer Investoren hat“, teilte Scholz mit. Bei dem nun angestoßenen Investorenprozess lässt sich Scholz von KPMG beraten. Angesprochen werden „sowohl strategische Partner als auch branchenaffine Finanzinvestoren aus dem In- und Ausland“.

Firmenchef Oliver Scholz reagiert angesäuert auf die Absage aus Japan: „Die Entscheidung von Toyota Tsuho ist zu respektieren. Sie bietet jedem potentiellen Investor jetzt eine klare Perspektive über die Interessenlage der bestehenden Gesellschafter“, lässt er sich zitieren. FINANCE hatte bereits Mitte August darüber berichtet, dass Toyota Tsuho wohl kein frisches Geld zuschießen wird.  

Scholz ist mit 9x Ebitda verschuldet

Das breite Spektrum denkbarer Investoren, die jetzt angesprochen werden, verdeutlicht die prekäre finanzielle Lage, in der sich Scholz befindet – und das Problem, über keinen Großaktionär zu verfügen, der sowohl das Commitment als auch die nötige Finanzkraft aufbringt, um zügig frisches Geld ins Unternehmen zu bringen.

Scholz hat sich von seiner schweren Ertragskrise, die in den vergangenen Jahren zu immensen Verlusten geführt hat, noch immer nicht erholt. Der Umsatz, der schon 2014 – auch durch Spartenverkäufe – um fast 20 Prozent zurückgegangen war,  ist in den ersten fünf Monaten diesen Jahres um weitere 14 Prozent geschrumpft. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll in diesem Jahr jedoch über den 2014 verzeichneten 102,9 Millionen Euro liegen.

Die Bilanz ist stark angespannt: Scholz ächzt unter Nettofinanzschulden von 900 Millionen Euro – ein Leverage von fast 9x Ebitda. Das Eigenkapital ist mit über 200 Millionen Euro negativ. Zuletzt stufte die Ratingagentur Euler Hermes die Bonität des Unternehmens auf B- zurück.

Der Scholz-Familie und Toyota Tsuho droht schwere Verwässerung

Diese Eckdaten lassen darauf schließen, dass die bestehenden Aktionäre Scholz und Toyota Tsuho am Ende des Investorenprozesses mit einer starken Verwässerung ihrer Anteile rechnen müssen. Selbst wenn neue Investoren die von Oliver Scholz eingeleiteten Sanierungsschritte honorieren und dem Familienunternehmen als Bewertung ein hohes Ebitda-Multiple zugestehen, dürfte dieses zu großen Teilen auf den Wert des Fremdkapitals entfallen.

Eine Kapitalspritze in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe scheint indes nötig zu sein, um die Bilanzrelationen wieder ins Lot zu bringen. Unter diesen Prämissen wird eine Eigenkapitalspritze durch einen neuen Investor mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass dieser die Mehrheit an Scholz übernimmt. Die 150 Millionen Euro schwere Anleihe von Scholz verliert leicht an Wert und notiert aktuell bei 97 Prozent.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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