Auto Teile Unger kämpft seit Jahren mit hohen Mieten für die Filialen und hat turbulente Zeiten hinter sich. Nun wird ATU an den französischen Marktführer Mobivia verkauft. Doch die hohen Mieten könnten den Deal noch platzen lassen.

A.T.U

21.09.16
Deals

Hedgefonds verkaufen ATU nach Frankreich

ATU wird französisch. Die Hedgefonds Centerbridge, Babson Capital und Goldman Sachs verkaufen den deutschen Werkstattbetreiber an die Mobivia Gruppe. Doch eine Klausel lässt den Franzosen ein Hintertürchen offen, das den Deal noch aushebeln könnte.

Die US-Hedgefonds Centerbridge und Babson Capital haben zusammen mit der Investmentbank Goldman Sachs einen Käufer für die seit Jahren kriselnde Werkstattkette Auto Teile Unger (ATU) gefunden. Wie das Unternehmen heute bekannt gab, wird Mobivia, der Betreiber der größten Werkstattkette in Frankreich, das deutsche Pendant übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung sei bereits unterzeichnet worden.

Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Laut übereinstimmenden Presseberichten bezahlen die Franzosen einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag für ATU, was den gewaltigen Wertverlust belegt, den das einstige Familienunternehmen erlitten hat. Noch Mitte des vergangenen Jahrzehnts wurde ATU mit mehr als 1 Milliarde Euro bewertet. Zwischenzeitlich türmte sich auch der Wert des Fremdkapitals auf dieses Niveau auf. Selbst bei dem tiefen Schuldenschnitt im Jahr 2014 dürfte der Unternehmenswert von ATU höher angesetzt worden sein als jetzt beim Exit der Finanzinvestoren. 

Mobivia lässt sich bei ATU ein Hintertürchen offen

Durch die Übernahme von ATU – das weiterhin als selbständige Marke auftreten soll und seinen Hauptsitz in Weiden in der Oberpfalz erst einmal behalten darf – entsteht ein europäischer Werkstattchampion, der mit rund 2.000 Werkstätten und mehr als 20.000 Mitarbeitern rund 2,7 Milliarden Euro umsetzt. ATU steuert dazu 577 Werkstätten und rund 1 Milliarde Euro Umsatz bei. Die Mitarbeiteranzahl beider Unternehmen ist ungefähr gleich, was zeigt, um wie viel produktiver das französische Familienunternehmen arbeitet.

Der Deal unterliegt neben den üblichen kartellrechtlichen Zustimmungen einer weiteren witchitgen Restriktion, die es Mobivia ermöglicht, vom Kaufvertrag zurückzutreten: Sollte es dem ATU-Management um CEO Jörn Werner, CRO Hans-Joachim Ziems und Interim-CFO Jan Kantowsky nicht gelingen, die viel zu hohen Mieten für ATU-Filialen auf „marktübliche Niveaus“ zu senken, könnte der Deal noch platzen. Die Nachverhandlungen der Mietkonditionen gilt als Schlüssel zur nachhaltigen Überlebensfähigkeit von ATU (mehr dazu in der Juli/August-Ausgabe des FINANCE-Magazins).

Ehemaliger ATU-Besitzer KKR biss sich bei Mietpreisen die Zähne aus

Doch die Mietpreissenkung ist knifflig. Bisher ist dieses Kunststück weder den drei aktuellen Eigentümern Centerbridge, Goldman Sachs Asset Management und Babson Capital noch deren Vorgänger – dem Private-Equity-Investor KKR – gelungen. Die hohen Mieten lasten schwer auf dem weit unter Plan liegenden operativen Ergebnis. ATU befindet sich seit Jahren in der Sanierung, die im Jahr 2014 in einem Schuldenschnitt gipfelte

Im Rahmen dieser Transaktion übernahmen die Hedgefonds das Ruder, die Schulden wurden um mehr als 600 Millionen Euro gesenkt, und die Gläubiger einer Highyield-Anleihe stimmten einem Hair-Cut zu. Außerdem erhielt ATU 100 Millionen Euro frisches Eigenkapital. Weitere 75 Millionen Euro stellte der Debt-Fonds Hayfin über eine 2018 fällig werdende Kreditlinie zur Verfügung.

Die Umbauarbeiten bei ATU zeigten sich auch immer wieder in Managementwechseln. Im Mai diesen Jahres ist mit Hans-Joachim Ziems ein erfahrener Restrukturierer als CRO in den Vorstand eingetreten. Parallel wechselte der langjährige Finanzchef Christian Sailer zum Versandhändler Walz, dessen Aufgaben interimsweise von dem früheren Alix-Partners-Berater Jan Kantowsky übernommen hat. Beide Personalwechsel wurden von ATU nicht groß kommuniziert, da Ziems üblicherweise immer dann in Erscheinung tritt, wenn es um die finanzielle Lage eines Unternehmens nicht zum besten steht.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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