Die Heizungsablese-Branche ist in Bewegung. Nun verkauft HG Capital den Geräte- und Softwarehersteller Qundis an den Ablesedienstleister Kalorimeta.

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27.04.17
Deals

HG Capital verkauft Qundis an Strategen

HG Capital verkauft den Ablesedienstleister Qundis an den strategischen Käufer Kalorimeta. Damit geht ein interessanter Deal an der Private-Equity-Branche vorbei.

Der PE-Investor HG Capital verkauft den Erfurter Geräte- und Softwarehersteller Qundis an den Hamburger Ablesedienstleister Kalorimeta. Rund 400 Millionen Euro inklusive Schulden soll der strategische Investor, der zu den fünf größten Anbietern in dem von Techem und Ista dominierten deutschen Markt gehört, nach Schätzungen aus Finanzkreisen dafür zahlen. Das entspricht bei einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebitda) von 32 Millionen Euro einem Multiple von 12,5x, berichtet der Branchendienst „Leveraged Commentary & Data“ (LCD), der zu S&P Global Market Intelligence gehört, unter Berufung auf nicht genannte Quellen.
 
HG Capital will allerdings nicht ganz aus Qundis aussteigen. Ein Teil des Kaufpreises soll nach der Transaktion in das Unternehmen reinvestiert werden. Wie hoch dieser Minderheitsanteil sein wird, ist nicht bekannt.

Marktführer Ista und Techem stehen zum Verkauf

Die Suche nach einem Käufer für Qundis, die von der Investmentbank Rothschild geleitet wurde, hatte laut LCD News sowohl bei strategischen Investoren wie auch bei Private-Equity-Häusern großes Interesse hervorgerufen. Das beste Angebot aus der PE-Branche soll Nordic Capital gemacht haben. Der Investor konnte sich mit seinem Gebot, für das er laut LCD ein Finanzierungspaket in Höhe von rund 6,5x Ebitda geschnürt hatte, jedoch nicht durchsetzen.

Dass mit Kalorimeta nun ein strategischer Investor zum Zug kommt, ist eine gewisse Überraschung, ist die Heizungsablesebranche doch fest in Private-Equity-Hand. Der Marktführer Techem gehört dem Investor Macquarie, sein härtester Konkurrent Ista ist ein Portfoliounternehmen der Beteiligungsgesellschaft CVC. Beide Unternehmen wandern praktisch seit Jahrzehnten durch die Portfolios diverser Beteiligungsgesellschaften und sollen beide derzeit erneut am Markt sein – sowohl Macquarie als auch CVC wollen Presseberichten zufolge aussteigen. Erschwert wird der Prozess allerdings durch eine Sektoruntersuchung des Bundeskartellamts. Die Behörde prüft derzeit, ob der Wettbewerb in der Branche ausreichend gut funktioniert.

HG Capital hat Investment in Qundis mehr als verdreifacht

Qundis war 2008 aus der Fusion der früheren Siemens-Sparte Qvedis mit Kundo Systemtechnik erstanden. HG Capital kaufte das Unternehmen 2012 von der Mittelstandsholding Capcellence. Nach eigenen Angaben erzielt der PE-Investor mit diesem Exit ein Investment-Multiple von 3,5x, was einer jährlichen Rendite (IRR) von fast 30 Prozent entspricht. Es ist insgesamt der zwölfte Verkauf für den sechsten HG–Capital-Fonds, der sich damit seinem Laufzeitende nähert. Vor kurzem trennte sich der britische Finanzinvestor in Deutschland auch von P&I Software – das Dienstleistungsunternehmen lag jedoch in einem anderen Fonds als Qundis.

Auch für Kalorimeta könnte sich das Investment in Qundis mittelfristig auszahlen. Der Käufer beschreibt Qundis als „hochprofitabel“, der Umsatz des Unternehmens soll sich zwischen 2014 und 2016 von 60 auf über 90 Millionen Euro gesteigert haben. Und anders als Techem und Ista positioniert sich Qundis weniger als Dienstleister, sondern mehr als Technologieanbieter und tritt dadurch mit einem eigenen Ansatz gegen die beiden Branchengrößen an. Von der Übernahme verspricht sich Kalorimeta denn auch einen Innovationsschub. Fast 95 Prozent des Umsatzes erzielen die Erfurter eigenen Angaben zufolge mit Produkten, die in den vergangenen zwei Jahren entwickelt wurden.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Mit der Verkauf von Qundis an Kalorimeta geht ein Deal an der PE-Branche vorbei. Dabei sind die Investoren händeringend auf der Suche nach guten Targets. Mehr über die Branche erfahren Sie auf unserer Themenseite Private Equity.