Hat Jack Wolfskin den beschwerlichen Aufstieg hinter sich? Der neue Eigner Callaway will mit dem Outdoorausrüster aus Hessen in die Vereinigten Staaten und Japan.

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30.11.18
Deals

Jack Wolfskin an US-Golfkonzern Callaway verkauft

Bain Capital, H.I.G. und CQS verkaufen den Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin an den US-Konzern Callaway. Die Finanzinvestoren dürften mit mit ihrer Turnaround-Spekulation bei Wolfskin einen guten Schnitt machen.

Der Golfkonzern Callaway kauft den Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin. Wie das börsennotierte US-Unternehmen mitteilt, habe man mit den Gesellschaftern um die Finanzinvestoren Bain Capital, H.I.G., Bayside Capital und CQS eine Übernahmevereinbarung geschlossen.

Das Closing des M&A-Deals wird für das erste Quartal 2019 erwartet. Der US-Konzern wird nach dem Abschluss der Transaktion dann alleiniger Eigentümer von Jack Wolfskin sein. Der Kaufpreis beträgt unter Vorbehalt abschließender Kaufpreisanpassungen 418 Millionen Euro.

Finanzinvestoren stiegen günstig bei Jack Wolfskin ein

Für die Gläubiger und Gesellschafter von Jack Wolfskin dürfte der M&A-Deal ein Grund zur Freude sein. Bain, H.I.G., CQS und weitere Private-Equity- und Hedgefonds stiegen 2017 bei Jack Wolfskin ein – in erster Linie über die Debt-Seite.

Diese Transaktion reduzierte die drückende Schuldenlast der Idsteiner, unter anderem indem die Investoren die Verbindlichkeiten in eine operative Einheit (OpCo) und in eine Holding aufteilten. In der OpCo blieben 110 Millionen Euro, und Jack Wolfskin erhielt zusätzlich 25 Millionen Euro frisches Kapital. Auf der Holding verblieben Schulden von 220 Millionen Euro. 

Diese komplexe Transaktion wurde nötig, nachdem sich der Schuldenberg, den Blackstone Jack Wolfskin nach dem Einstieg 2012 auferlegt hatte, als existenzgefährdend erwies. Grund war, dass sich das operative Geschäft nicht so gut entwickelte wie erhofft, insbesondere weil das jahrelange Wachstum im europäischen Outdoor-Markt zum Erliegen kam.

Das Investorenkonsortium um Bain, H.I.G. und CQS nutzte die finanzielle Schieflage, um Jack-Wolfskin-Kredite nach und nach unter ihrem Buchwert aufzukaufen. Daher dürften sie nun eine ordentliche Rendite einstreichen. Nicht nur, weil Jack Wolfskins Darlehen nun zu par abgelöst werden, sondern weil darüber hinaus auch noch ein positiver Verkaufserlös von vermutlich deutlich mehr als 100 Millionen Euro anfällt.

Bain, H.I.G. und CQS nutzten die finanzielle Schieflage, um Jack-Wolfskin-Kredite unter ihrem Buchwert aufzukaufen.

Callaway will Jack Wolfskin in Japan etablieren

Die von den Finanzinvestoren neu strukturierte Passivseite hat es der Führung von Jack Wolfskin in den vergangenen Monaten ermöglicht, sich wieder stärker der Entwicklung des operativen Geschäfts zuzuwenden. Im Geschäftsjahr 2018 haben die Hessen einen Umsatz von 334 Millionen Euro erwirtschaftet. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um fast ein Fünftel auf 42 Millionen Euro.

Callaway-Präsenz in den USA und Japan soll Jack Wolfskin weitere Chancen für internationales Wachstum ermöglichen.

Der neue Eigner Callaway hat nun große Pläne mit der Marke Jack Wolfskin. Die Übernahme sei Teil des Eintritts von Callaway in den „Premium-Active-Lifestyle-Bereich“, schreiben die US-Amerikaner.

Im vergangenen Jahr hatte der Golfkonzern im Zuge der neuen Strategie den Bekleidungshersteller Travis Mathew und den Rucksackproduzenten Ogio gekauft. Callaway hat laut eigenen Angaben eine starke Marktpräsenz in den Vereinigten Staaten und in Japan, was Jack Wolfskin weitere Chancen für internationales Wachstum ermöglichen könnte, so die Hoffnung.

CFO Jörg Wahlers bleibt an Bord

Entsprechend positiv äußerte sich Jack-Wolfskin-Chefin Melody Harris-Jensbach zu der Übernahme: „Die Transaktion ist ein wichtiger Schritt für unsere Marke, und wir sind sehr froh, mit Callaway einen strategischen und langfristigen Eigentümer zu bekommen.“ Laut Aussagen von Callaway-CEO Chip Brewer soll die Führungsmannschaft von Jack Wolfskin um Chefin Harris-Jensbach, CFO Jörg Wahlers und Chief Sales Officer Markus Bötsch im Unternehmen bleiben, um gemeinsam das „Wachstumspotential dieser Marke zu maximieren“.

Rechtsberater bei dem M&A-Deal auf Seiten der Jack-Wolfskin-Gesellschafter war die Kanzlei Kirkland & Ellis, Houlihan Lokey agierte als Finanzberater. THM Partners hat die Jack-Wolfskin-Gruppe bei der Transaktion beraten. Latham & Watkins fungierte als Rechtsberater und JP Morgan Securities als Finanzberater für Callaway.

jakob.eich[at]finance-magazin.de