Air Berlin

12.10.17
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Lufthansa kauft große Teile von Air Berlin

Der Kaufvertrag ist unterschrieben: Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin. Was aus den restlichen Maschinen wird und wer den Zuschlag für Air Berlin Technik erhält, ist dagegen weiterhin offen.

Die wochenlangen Verhandlungen zwischen Air Berlin und Lufthansa sind am Ziel: In den Mittagsstunden haben beide Unternehmen bei einem Notartermin den Kaufvertrag final unterzeichnet. Einer Ad-hoc-Mitteilung zufolge zahlt Lufthansa für "bestimmte Unternehmensteile" 210 Millionen Euro. Dazu gehören auch Flugzeuge der österreichischen Tochter Niki und der Regionaltochter LG Walter. 

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte in einem Interview mit „RP Online“ gesagt, dass die Kranich-Airlinie voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3.000 neue Mitarbeiter einstellen und insgesamt 1,5 Milliarden Euro investieren wolle. Lufthansa betreibt aktuell schon über 30 frühere Air-Berlin-Jets. In Medienberichten war noch die Rede von einer zusätzliche Finanzspritze von bis zu 100 Millionen Euro seitens Lufthansa für die Betriebskosten in der Übergangszeit.

Immer noch unklar ist dagegen, was mit den übrigen rund 50 Maschinen von Air Berlin passiert. Die insolvente Airline verhandelt neben Lufthansa auch mit dem britischen Billigflieger Easyjet über einen möglichen Verkauf, zu einem Abschluss ist es aber noch nicht gekommen. Die Verhandlungen mit Easyjet und anderen Bietern dauern noch an, hieß es in der Ad-hoc-Mitteilung. Laut früheren Aussagen von Air Berlin interessiert sich Easyjet für 27 bis 30 Mittelstreckenflugzeuge.

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Zeitfracht legt neues Angebot für Air Berlin Technik vor

Ebenfalls noch am Laufen ist der Verkaufsprozess für die Techniksparte von Air Berlin. Hier gibt es große Fragezeichen, ob die Sparte nach dem Abzug eines Großteils der Flugzeuge zur Lufthansa – und der dortigen Lufthansa Technik – noch die kritische Masse für ein eigenständiges Überleben hat. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge will Lufthansa mindestens 20 Maschinen künftig selbst warten.

Trotzdem zeigte die kleine Berliner Spedition Zeitfracht immer noch Interesse an der Sparte. Sie hat erst am gestrigen Mittwoch einen neuen Anlauf zur Übernahme gestartet. „Wir haben in einer Bietergemeinschaft ein angepasstes Angebot für große Teile der Air Berlin Technik und für die Leisure Cargo vorgelegt“, sagte das Unternehmen, ohne Details zu nennen. Reuters zufolge bietet Zeitfracht zusammen mit dem Kölner Wartungsunternehmen Nayak und dessen Eignern.

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Buntere Schar an Interessenten für Air Berlin

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad der Airline die finanzielle Unterstützung entzog. Die Araber hatten Air Berlin in den vergangenen Jahren mit Finanzspritzen von weit mehr als 1 Milliarde Euro über Wasser gehalten. Der Flugbetrieb ist war nur dank eines Kredits des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Ende Oktober droht die Einstellung des Flugbetriebs von Air Berlin.

Seitdem verhandelte Air Berlin mit vielen verschiedenen Parteien über einen Verkauf, neben Fluggesellschaften wie Lufthansa, Easyjet oder Thomas Cook waren auch viele branchenfremde Interessenten dabei, so zum Beispiel der Berliner Hotelbetreiber Alexander Skora, der frühere ENBW-Chef Utz Claasen, der Luftfahrunternehmer Hans Rudolf Wöhrl und der umstrittene chinesische Unternehmer Jonathan Pang.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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