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M&A-Deals: Bayer, Glencore, TAG

Bayer hat einem Übernahmepoker um Schiff Nutrition einen Absage erteilt.
Bayer

Bayer bläst Schiff-Übernahme ab

Die geplante Übernahme von Schiff Nutrition durch Bayer ist gescheitert: Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hatte sich vor wenigen Tagen mit einem Angebot über 1,4 Mrd. US-Dollar für Schiff aus der Deckung gewagt und damit das Bayer-Angebot deutlich überboten. Bayer hatte Schiff mit 1,2 Mrd. Dollar bewertet.

Die Briten bekamen gestern den Zuschlag für Schiff. Analysten hatten schon den zuvor von Bayer gebotenen Preis als recht hoch eingeschätzt. Das Bayer-Management hatte in einer Eingabe an die US-Regulierungsbehörde SEC deutlich gemacht, dass man das Angebot nicht erhöhen wolle. Ein Bieterprozess würde in einem Preis resultieren, der nicht mehr angemessen sei. Bayer hatte zuletzt mehrere kleine Unternehmen zugekauft, darunter die Tiermedizinsparte von Teva  und das Agrarunternehmen AgraQuest.

Glencore/Xstrata: Mega-Fusion kommt voran

Nach langem Warten ist die die Mega-Fusion der Rohstoffkonzerne Glencore und Xstrata in dieser Woche einen Schritt voran gekommen. Die EU-Kommission hat gestern Nachmittag unter Auflagen grünes Licht gegeben. Als Auflage muss Glencore die Zusammenarbeit mit dem Zinkproduzenten Nyrstar in Europa drastisch zurückfahren und seine7,8-prozentige Minderheitsbeteiligung am Unternehmen abgeben.

Die mehr als 30 Milliarden US-Dollar schwere Transaktion gilt als größter M&A-Deal des Jahres und dürfte die maue M&A-Statistik gründlich aufwerten. Am Dienstag hatten bereits die Aktionäre beider Unternehmen der Transaktion zugestimmt. Ganz am Ziel sind Glencore und Xstrata allerdings immer noch nicht, die Kartellbehörden in China, Australien und Südafrika müssen noch ihre Zustimmung geben.

TAG übernimmt TLG Wohnen

TAG Immobilien hat in dieser Woche beim Bieterverfahren um die TLG Wohnen den Zuschlag erhalten. Der Kaufpreis liegt bei 471 Mio. Euro und umfasst die Übernahme von Verbindlichkeiten von etwa 256 Mio. Euro. Das Bundesfinanzministerium hatte das Bieterverfahren aufgesetzt, um die TLG Gesellschaften als Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Treuhand zu privatisieren. Auch die Verhandlungen über den Verkauf der Gewerbeimmobiliensparte TLG Immobilien sollen sich in der finalen Phase befinden.

Der TAG-Vorstand rechnet mit jährlichen Synergien im niedrigen einstelligen Millionenbereich, die man innerhalb von sechs Monaten realisieren möchte. Ein Team von White & Case unter Leitung der Berliner Partner Dr. Jörg Kraffel und Dr. Carsten Rodemann hat das Bundesfinanzministerium beim Verkauf beraten. Zur Refinanzierung des Barkaufpreisanteils über 218 Mio. Euro hat die TAG beschlossen, bis zu 30 Mio. neue Aktien auszugeben, die Angebotskonditionen sollen Anfang Dezember feststehen.

BASF will Pronova übernehmen

Der Chemiekonzern BASF will die norwegische Pronova BioPharma, einen Anbieter zur Herstellung von Omega-3-Fettsäuren, übernehmen. BASF bietet 12,50 Norwegische Kronen pro Aktie, auf Basis aller Aktien und einschließlich der Nettofinanzverbindlichkeiten ergibt das einen Unternehmenswert von 4.845 Mio. Kronen (ca. 664 Mio. Euro). Der Verwaltungsrat und das Management von Pronova unterstützen das Angebot.

Darüber hinaus hat BASF nach eigenen Angaben bereits verbindliche Zusagen für rund 60 Prozent des Aktienkapitals. Dazu zählen ein 50-prozentiger Anteil des Mehrheitsaktionärs Herkules Private Equity Fund, ein Anteil von rund 9,1 Prozent unter Kontrolle der Investmentgesellschaft Kistefos sowie 0,3 Prozent im Besitz von Mitgliedern des Verwaltungsrats und des Managements von Pronova. Den M&A-Deal finanziert BASF aus verfügbaren Mitteln, als Bedingung müssen allerdings mindestens 90 Prozent der Aktien angedient werden – eine hohe Quote. BASF erwartet einen Abschluss der Transaktion im 1. Quartal 2013.

Studie: Deutsche Unternehmen als Targets

Deutsche Unternehmen werden als Übernahmekandidaten für internationale Fimren und Finanzinvestoren immer interessanter. Das ist das Ergebnis der Studie „Cross-Border M&A Insights: Investing in Germany“, für die die Commerzbank und die Anwaltssozietät Baker & McKenzie im ersten Halbjahr dieses Jahres Finanz- und M&A-Mitarbeiter von 79 Unternehmen in Europa und Asien befragt haben.

Befragt nach den Plänen zum Erwerb von Beteiligungen an deutschen Unternehmen innerhalb der kommenden 24 Monate gaben 41 Prozent der Befragten an, sich eine Akquisition vorstellen zu können. 16 Prozent arbeiten bereits an konkreten M&A-Deals. Attraktiv werden deutsche Targets in den Augen von 46 Prozent der Befragten durch attraktive Technologien und Know-How. Als größtes Hindernis bei Cross-Border-Transaktionen nannte jeder zweite Befragte kulturelle Unterschiede. Der Umfang, in dem sich die Befragten ein Engagement in Deutschland vorstellen können, variiert nach Region. Der Studie zufolge zeigen asiatische Investoren geringeres Interesse an Mehrheitsbeteiligungen, während 72 Prozent der europäischen Befragten Anteile zwischen 95 und 100 Prozent am Target übernehmen wollen.

Otto sichert sich Marke Neckermann

Der Versandhändler Otto hat sich in einem offenen Bieterverfahren die Rechte an der Marke neckermann.de in Deutschland gesichert. Die Otto Group kaufte die Rechte aus der Insolvenzmasse, Neckermann hatte Ende September den Betrieb eingestellt.

Insolvenzverwalter Joachim Kühne, Partner bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle, hatte das Bieterverfahren mit Unterstützung von Ernst & Young aufgesetzt. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen, ein Preis wurde nicht genannt. Otto hatte sich zuletzt bereits die Rechte an der Händlermarke Quelle gesichert.

GSW kauft erneut zu

Die Immobiliengesellschaft GSW hat für rund 147 Mio. Euro ein Portfolio mit rund 2.600 Wohnungen von der Zentral Boden Immobilien, einem deutschen Initiator für geschlossene Fonds, übernommen. Der Vollzug der Verträge wird bis Jahresende erwartet. Der Großteil der Wohnungen liegt in Berlin. 470 Wohneinheiten außerhalb der Hauptstadt will das Unternehmen mittelfristig weiterzuverkaufen, erklärte GSW-Vorstand Jörg Schwagenscheidt, der den Bereich Akquisition verantwortet. GSW hatte in den vergangenen Wochen mehrfach zugekauft und dafür Gelder aus einer Kapitalerhöhung im Frühjahr eingesetzt.

M&A-News: Personalien

Die Investmentbank Moelis & Company hat den früheren McKinsey-Vorsitzenden Professor Dr. Herbert Henzler zum Senior Director des Global Advisory Boards berufen. Moelis berät in den Bereichen M&A, Rekapitalisierung und Restrukturierung und unterhält seit Februar 2012 eine Niederlassung in Deutschland. Die Verpflichtung von Henzler, der 32 Jahre lang bei McKinsey tätig war, soll auch einen Popularitätsschub für die Bank mit sich bringen.

Dr. Barbara Jagersberger (37) wird zum 1. Januar 2013 Partnerin bei der internationalen Anwaltssozietät Weil, Gotshal & Manges. Jagersberger ist seit 2004 als Anwältin im Bereich M&A tätig und arbeitet seit 2011 im Münchener Büro von Weil. Ihr Fokus liegt auf der Beratung bei grenzüberschreitenden Unternehmenskäufen, insbesondere in den Bereichen Automobil, Software, IT-Dienstleistungen und Halbleiter. Jagersberger hat zuletzt unter anderem den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an 360 Treasury Systems, das Bieterverfahren um die Hochtief-Flughafensparte und den Kauf der Novem-Gruppe beraten.

Weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche

Die Europäische Kommission und die Schweizer Wettbewerbskommission haben ihre Freigabe für eine mögliche Übernahme von Douglas durch die Gründerfamilie Kreke und Advent International über das Vehikel Beauty Holding Three erteilt. Noch bis 4. Dezember können Douglas-Aktionäre ihre Aktien für 38 Euro pro Stück in bar andienen, das Angebot sieht eine Mindestannahmequote von 75 Prozent vor.

Der Händlerverbund Edeka übernimmt vier Standorte des insolventen Fruchtsaftherstellers Elro-Gruppe. Zum Übernahmepaket gehören zwei Produktionsstätten, eine Bio-Obst-Plantage und ein Apfel-Presswerk. Elro hatte Anfang September Insolvenz beantragt, Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Berthold Brinkmann. Das Bundeskartellamt muss dem M&A-Deal noch zustimmen. Finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Der Verkauf des 26-prozentigen Anteils der insolventen Solar Millennium an der Projektgesellschaft für das spanische Solarkraftwerk Arenales ist abgeschlossen. Eine Tochter des Stromerzeugers Steag hat die Anteile wie geplant übernommen, der Kaufvertrag war im Sommer unterzeichnet worden. Der Kaufpreis liegt in zweistelliger Millionenhöhe.

Die Optikerkette Fielmann hat mit einer Umschichtung von Firmenanteilen den Einfluss der Familie langfristig gesichert. Gründer und CEO Günther Fielmann macht eine Familienstiftung zum Hauptaktionär. Der Familienanteil bleibt aber insgesamt unverändert bei 71,31 Prozent.

Der Autokonzern Daimler ist seit dieser Woche alleiniger Besitzer eines Formel-1-Teams. Daimler hat dem arabischen Staatsfonds Aabar einen Anteil von 40 Prozent am Unternehmen Mercedes Grand Prix abgekauft. Der Fonds war 2009 mit rund 9 Prozent bei Daimler eingestiegen und hatte in dem Zusammenhang auch 40 Prozent an dem Formel-1-Team erworben. Vor gut einem Jahr hatte Aabar seinen direkten Anteil bereits reduziert, im Oktober hat sich der Staatsfonds zurückgezogen und seine verbleibende direkte Beteiligung über 3,1 Prozent verkauft. Finanzielle Details der Transaktion nannten die Beteiligten nicht.

Das Basler Chemieunternehmen Syngenta hat das US-Unternehmen Sunfield Seeds übernommen. Sunfield war zuletzt strategischer Partner von Syngenta. Die Transaktion wird voraussichtlich bis Ende 2012 abgeschlossen. Finanzielle Details wurden nicht bekannt gegeben. Erst kürzlich hat Syngenta für 125 Mio. US-Dollar die Insektizidsparte von DuPont übernommen.

Das Unternehmen Perga-Plastic, eine Tochter von Serafin, hat sämtliche Anteile der Rein-Plastik (Umsatz: 60 Mio. Euro) zu einem nicht genannten Preis von der Gründerfamilie übernommen. Der Hersteller von Kunststoffverpackungen war im Rahmen einer ungelösten Unternehmensnachfolge auf den Markt gekommen. Durch den Zukauf will Serafin die Produktpalette erweitern und die Wertschöpfungstiefe erhöhen. Erst kürzlich hat Serafin das Unternehmen Vollmar übernommen.

Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für ein Joint Venture zwischen der SGL Group und der Lindner Group gegeben. Das neue Unternehmen, an dem SGL 51 Prozent halten wird, soll Anfang  2013 unter dem Namen SGL Lindner GmbH den operativen Betrieb aufnehmen und den Markt für energieeffiziente Gebäudeklimatechnik bedienen.

Das Unternehmen H-Bau Technik hat mehrere Assets des insolventen Bauzulieferers Kunex übernommen. H-Bau will damit seine Sparte für Abdichtungslösungen stärken. Network Corporate Finance hat den Käufer bei dem M&A-Deal beraten.

Der Vorstand des sozialen Netzwerks Xing hat den Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot von Bauer nicht anzunehmen. Der Bauer-Verlag bietet 44,00 Euro pro Xing-Aktie. Zur Begründung teilte der Xing-Vorstand mit, aus unternehmerischer Sicht sei der größere Einfluss von Burda als strategischem Investor zwar zu begrüßen, das Angebot sei aus finanzieller Sicht aber zu niedrig. Die Burda-Offerte bewertet Xing mit gut 240 Millionen Euro. Seit 2009 ist Burda Hauptaktionär bei dem sozialen Netzwerk.

Im Rahmen eines gemischten Asset- und Share-Deals hat die chinesische Zhejiang Sanhua den Haushaltsgerätehersteller Aweco-Gruppe (Umsatz ca. 110 Mio. Euro) übernommen. Neben Kundenverträgen hat Sanhua Technologie und Produktionsstätten in in Deutschland, Österreich, Polen, China und der Slowakei zu einem nicht genannten Preis erworben. Ein Team von White & Case um Partner Prof. Dr. Christoph von Einem und Local Partner Florian Hirschmannn hat Sanhua beraten. Der Kauf ist Sanhuas erste große Akquisition in Europa. 2011 hatte Sanhua bereits die Kühlgerätesparte von Aweco übernommen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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