Brenntag mit M&A-Deal in Brasilien
Brenntag kauft in Brasilien zu: Der Chemiedistributor übernimmt die beiden Mitbewerber PIC Química e Farmacêutica sowie PharmaSpecial Especialidades Químicas e Farmacêuticas und baut damit das Life-Sciences-Geschäft in Brasilien aus. Die beiden Familienunternehmen sind laut Brenntag auf Großkunden und nationale Apotheken in den Bereichen Pharma und Körperpflege spezialisiert.
Das kombinierte Unternehmen wurde 1991 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Itapevi und erzielte 2023 einen Umsatz in Höhe von 11 Millionen Euro. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht bekanntgegeben, verglichen mit Brenntags Jahresumsatz von knapp 17 Milliarden Euro sind die Zukäufe jedoch eher kleinere Add-ons. Den Deal will Brenntag im vierten Quartal dieses Jahres abschließen.
Hedgefonds kaufen sich bei Hellofresh ein
Hedgefonds positionieren sich bei Hellofresh: Active Ownership Capital (AOC) hält laut einer aktuellen Mitteilung 4,7 Prozent der Anteile an dem Kochboxenversender aus Berlin. Über weitere Instrumente kommt AOC sogar auf insgesamt 6,7 Prozent. „Hellofresh befindet sich in einer herausfordernden Phase und ist mit einem schrumpfenden Kerngeschäft konfrontiert, hat aber ein attraktives Geschäftsmodell“, wird Active Ownership Capital zitiert. Der Investor habe „volles Vertrauen“ in Konzernchef Dominik Richter.
Hellman & Friedman übernimmt Add-on für Autoscout24
Add-on-Akquisition bei Autoscout24: Hellman & Friedman übernimmt für das Portfoliounternehmen Trader Canada, selbst wiederum eine Beteiligung des Finanzinvestors Thoma Bravo. Mit dem Deal will Autoscout24 die Präsenz außerhalb Europas erhöhen. Zudem verspricht sich das Unternehmen von dem Zukauf eine Erweiterung des Portfolios um Software-Lösungen für Autohändler sowie Kreditlösungen, die Trader Canada anbietet. Den Deal wollen die Parteien im vierten Quartal abschließen.
An der Transaktion war eine ganze Heerschar an Beratern beteiligt: RBC Capital Markets, Deutsche Bank, Simpson Thacher & Bartlett, Davies Ward Philipps & Vineberg, Freshfields Bruckhaus Deringer, Goldman Sachs & Co. LLC, BofA Securities, HSBC Securities (USA), Kirkland & Ellis, McMillan sowie Goodmans. Der Private-Equity-Investor Hellman & Friedman hatte Autoscout24 nach monatelangem Ringen Ende 2019 aus dem Scout24-Konzern herausgekauft.
Porsche steigt bei Varta ein
Atempause für Varta: Der kriselnde Batteriekonzern hat sich mit den Gläubigern auf einen Restrukturierungsplan einigen können. Dieser sieht vor, dass Aufsichtsratschef Michael Tojner und der Autobauer Porsche nach Abschluss aller Kapitalmaßnahmen zu je 32 Prozent an Varta beteiligt sind. Die Anteile halten beide über ihre Investitionsvehikel.
Zu den Kapitalmaßnahmen gehören eine Kapitalspritze in Höhe von 100 Millionen Euro, ein Haircut über 285 Millionen Euro sowie eine Herabsetzung des Grundkapitals auf null. Die Kleinaktionäre gehen in diesem Szenario leer aus, sie wollen nun rechtliche Schritte gegen den Sanierungsplan einleiten.
Darüber hinaus übernimmt Porsche das Autobatteriegeschäft von Varta, V4Drive Battery. Die Hochleistungszellen sind im 911 Carrera GTS verbaut.
Meyer Werft wird verstaatlicht
Meyer Werft steht eine Staatsbeteiligung bevor. „Eines kann ich heute klar zusagen: Der Bund trägt seinen Teil der Lösung bei“, zitierten am gestrigen Donnerstag verschiedene Medien, darunter die FAZ, Bundeskanzler Olaf Scholz. Details seien allerdings noch zu klären. Gestern kündigte auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck an, eine Lösung für die in eine Krise geratene Meyer Werft sei in eine „greifbare Nähe“ gekommen.
Im Kern geht es um folgende Eckpunkte: Eine Übernahme von 80 bis 90 Prozent der Anteile durch den Bund und das Land Niedersachsen, eine Erhöhung des Eigenkapitals um 400 Millionen Euro sowie um die Übernahme von Bürgschaften für das Projektgeschäft. Bis 2027 soll sich die benötigte Summe auf knapp 2,8 Milliarden Euro belaufen. Akut könnten Land und Bund mit jeweils rund 900 Millionen Euro bürgen.
Insolvente Endor auf Investorensuche
Der M&A-Prozess für das insolvente Gaming-Unternehmen Endor ist gestartet. Der Anbieter von Equipment für Rennsimulationen auf Spielekonsolen und PCs soll aus der Insolvenz heraus an einen Investor verkauft werden. Dieser muss neben dem Kaufpreis „insbesondere die notwendigen finanziellen Mittel mitbringen, um Lizenzgebühren zu bezahlen und das anstehende Weihnachtsgeschäft vorzufinanzieren“, betonte Endor. Der Betrieb laufe aktuell unverändert weiter. Die umsatzstärksten Monate seien allerdings erst November und Dezember.
Den Verkaufsprozess begleitet die Corporate-Finance-Beratung Goetzpartners. „Auf unsere Ansprache von mehr als 30 internationalen Investoren gab es eine hervorragende Resonanz. Wir haben bereits sehr vielversprechende Gespräche geführt“, gibt sich Goetzpartners-Projektleiter Jan-Hendrik Röver zuversichtlich. Endor wollte sich zunächst via Starug sanieren, doch der Plan scheiterte und die Gesellschaft musste Insolvenz anmelden. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Hubert Ampferl (Dr. Beck & Partner).
Weitere M&A-Deals
Nur wenige Tage nach dem offiziellen Ende von Weltbild gibt es erste Interessenten an einzelnen Einheiten der insolventen Buchhandelskette. Wie aus einem Eintrag beim Bundeskartellamt hervorgeht, hat der Konkurrent Thalia den Erwerb von Vermögenswerten angemeldet. Konkret geht es um die Produktbereiche Bücher, E-Reader und elektronische Bücher. Die Anmeldung erfolgte Mitte vergangener Woche. Die restlichen Geschäftsteile wickelt Insolvenzverwalter Christian Plail (SGP Schneider Geiwitz) ab.
Berentzen veräußert den Standort Grüneberg sowie die Wassermarken „Märkisch Kristall“ und „Grüneberg Quelle“ an den Getränkeabfüller Refresco Deutschland. Die Transaktion wickelt Berentzen über die Tochtergesellschaft Vivaris ab. Teil der Vereinbarung ist außerdem eine Weiterführung der Produktion der Vivaris-Marke „Mio Mio“. Den Deal wollen die Parteien bis Ende Oktober abschließen.
Shore wird schwedisch: Das Software-Start-up aus München geht an Groupone. Shore bietet Mittelständlern Software-Lösungen für die Terminvereinbarung, die Kommunikation mit Kunden sowie Point-of-Sale-Bezahlungen an. Die Kunden kommen vor allem aus den Sektoren Dienstleitungen und Einzelhandel, als Testimonials führt Shore auf der eigenen Webseite zum Beispiel den Promi-Friseur Udo Walz an. Heuking (Federführung: Pär Johansson und Tim Remmel) hat die Käuferseite bei der Übernahme beraten, die sich von dem Deal eine Erweiterung des Angebots an Lösungen für Online-Präsenzen und das digitale Wachstum von Unternehmen erhofft.
M&A-Gerüchteküche
Rückzug aus Deutschland? Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge soll der Flugtaxibetreiber Lilium erwägen, sich an ausländische Investoren zu verkaufen. Mögliche Deals könnte das Unternehmen mit Investoren aus den USA oder China eingehen, wo Flugtaxiunternehmen stärker finanziell gefördert werden.
Einem Reuters-Bericht zufolge erwägen der deutsch-französische Flugzeugbauer Airbus und der französische Rüstungskonzern Thales eine Zusammenführung ihres Raumfahrtgeschäfts. Konkret soll es vor allem um die Satelliten-Sparten gehen, zitiert die Agentur zwei Insider.
Derweil sollen EnBW und RWE das Vorhaben, ihre Anteile an den deutschen Übertragungsnetzen zu verkaufen, verschoben haben. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, sollen die Energieunternehmen zunächst auf klare Signale der Bundesregierung warten. Ende Juni waren die Verhandlungen zwischen den Niederlanden und Deutschland über den Kauf der deutschen Tennet-Stromnetze gescheitert.
Der niederländische Hersteller von Gepäck- und Paketbändern Vanderlande soll den Zuschlag für Siemens Logistics erhalten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf Insider. Über die genauen Deal-Details werde noch verhandelt, auch die Zustimmung des Aufsichtsrats stehe noch aus, schreibt die Agentur. Die Logistiksparte gehört zu den Einheiten, die Siemens auf den Prüfstand gestellt hatte.
Info
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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.
