McKesson greift bei Celesio nach der Dreiviertel-Mehrheit.

Celesio

06.12.13
Deals

M&A-Deals: Celesio, Merck, ThyssenKrupp

McKesson legt den Celesio-Aktionären das angekündigte Übernahmeangebot vor, Merck will die ehemalige Hoechst-Tochter AZ Electronic Materials übernehmen, ThyssenKrupp verpasst den erhofften Befreiungsschlag. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie hier im FINANCE-Wochenrückblick.

Celesio: McKesson legt Angebot vor

Im Oktober hat der US-amerikanische Pharmahändler McKesson sich bereits mit dem Kauf der Haniel-Beteiligung die Mehrheit an Celesio gesichert, nun machen die Amerikaner den nächsten Schritt: Nachdem der US-Konzern von Anfang an als Ziel eine Mehrheit von 75 Prozent vorgegeben hatte, hat McKesson jetzt ein offizielles Angebot unterbreitet. Unverändert gegenüber der ersten Ankündigung im Oktober bietet McKesson den Celesio-Aktionären 23 Euro pro Aktie. Inklusive des Rückkaufs von Wandelschuldverschreibungen hat der Deal damit ein Volumen von etwa 6,1 Milliarden Euro.
 
Die Anteilseigner haben bis zum 9. Januar Zeit, das Angebot anzunehmen. Nachdem der US-Milliardär Paul Singer in den vergangenen Wochen die Beteiligung seines Hedgefonds Elliott an Celesio Schritt für Schritt aufgestockt hatte, dürfte es für McKesson allerdings schwierig werden, die Dreiviertel-Mehrheit zu erreichen. Nach dem letzten Stand ist Singer mittlerweile mit 25,16 Prozent an Celesio beteiligt, weitere Aktienkäufe in unbekannter Höhe innerhalb der nächsten zwölf Monate hat er bereits angekündigt. Welche Strategie der Investor verfolgt, ist dabei noch unklar.

Merck plant Milliardenzukauf

Merck liebäugelt mit einer Übernahme der früheren Hoechst-Tochter AZ Electronic Materials und hat deren Aktionären ein Angebot vorgelegt. Pro Aktie sollen die Anteilseigner des britischen Unternehmens demnach 403,5 Britische Pence erhalten, was einem Aufschlag von über 40 Prozent gegenüber dem durchschnittlichen Kurs der vergangenen drei Monate entspricht. Analysten stufen das Angebot Berichten zufolge zwar als hoch ein, beurteilten es angesichts der von Merck festgelegten Mindestannahmeschwelle von 95 Prozent aber nicht als unangemessen. Die Merck-Aktie reagierte auf die Ankündigung prompt und legte um 3,6 Prozent zu.

Der Deal hätte damit ein Gesamtvolumen von 1,9 Milliarden Euro. Folgen die AZ-Aktionäre der Empfehlung des Boards und nehmen die Offerte an, könnte die Transaktion im zweiten Quartal 2014 abgeschlossen werden.

AZ ist auf hochreine Spezialchemikalien für die Elektronikbranche spezialisiert und beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 584 Millionen Euro, das EBITDA lag bei 193 Millionen Euro. Merck erhofft sich von dem Zukauf ab dem Jahr 2016 Synergieeffekte von 25 Millionen Euro.

Kein Befreiungsschlag für ThyssenKrupp

Nach zähen Verhandlungen ist ThyssenKrupp endlich der Verkauf des Stahlwerks in Alabama gelungen. Der Essener Konzern hatte sich anderthalb Jahre lang um einen Käufer des defizitären US-Werks bemüht und hat sich nun mit einem Konsortium aus den Stahlkonzernen ArcelorMittal und Nippon Steel geeinigt. Der M&A-Deal umfasst auch einen langfristigen Liefervertrag mit einem weiteren Thyssen-Sorgenkind in Übersee, dem Stahlwerk in Brasilien.

Die Transaktion spült dem deutschen Konzern 1,55 Milliarden US-Dollar in die Kassen – der endgültige Preis blieb damit deutlich unter den Erwartungen von Marktbeobachtern. Analysten hatten zuvor mit einem Verkaufspreis von mindestens 2 Milliarden US-Dollar gerechnet.

Zeitgleich mit der Meldung des M&A-Deals überraschte die Konzernführung auf der vorgezogenen Bilanzpressekonferenz zudem mit der Nachricht, dass der Verkauf der Edelstahltochter Inoxum an Outokumpu teilweise rückgängig gemacht werden soll. Thyssen hatte für den Verkauf knapp 30 Prozent der Anteile an dem finnischen Unternehmen erhalten und diesem zudem einen Kredit über 1,25 Milliarden Euro eingeräumt. Der Deal hatte einen Gesamtwert von etwa 2,7 Milliarden Euro. Nun nimmt der Konzern allerdings ein vom Deal betroffenes Werk in Italien und die frühere Tochter ThyssenKrupp VDM zurück. Bei VDM gilt ein erneuter Verkaufsversuch Kreisen zufolge allerdings als wahrscheinlich.

Sky Deutschland will zukaufen

Der Bezahlsender Sky Deutschland will Constantin Media die Produktionsgesellschaft Plazamedia abkaufen. Neben der vollständigen Übernahme des Unternehmens, das bereits seit Jahren die wichtigsten Sportsendungen von Sky produziert, möchte Sky von Constantin zudem jeweils 25,1 Prozent der Anteile an Constantin Sport Marketing und dem Sender Sport1 übernehmen.

Sky will den Kaufpreis von 57,5 Millionen Euro über eine neue Kreditvereinbarung mit dem bestehenden Bankenkonsortium finanzieren, für die Mehrheitsaktionär 21st Century Fox garantieren möchte. Sollten die Banken dem neuen Darlehen nicht zustimmen, springt 21st Century Fox nach offiziellen Angaben mit einem unbesicherten Gesellschafterdarlehen ein.

Thalia plant Komplett-Übernahme von buch.de

Thalia will den Online-Buchhändler buch.de vollständig übernehmen. In dieser Woche stockte die Douglas-Tochter ihre Beteiligung um 15,1 Prozent auf und hält nun 95,1 Prozent der Anteile an der buch.de internetstores AG. Damit hat das Unternehmen gleichzeitig die Voraussetzungen geschaffen, um die übrigen Aktionäre per Squeeze out gegen eine Abfindung aus der Gesellschaft auszuschließen. Der entsprechende Beschluss soll auf der nächsten ordentlichen Hauptversammlung von buch.de im März gefällt werden.

Thalia war als Filialhändler durch die Konkurrenz im Online-Buchhandel in den vergangenen Jahren massiv unter Druck geraten. Douglas hatte seiner schwächelnden Tochtergesellschaft aber das Vertrauen ausgesprochen und vor rund anderthalb Jahren angefangen, das Geschäft unter anderem durch geänderte Sortimente und Filialschließungen neu auszurichten.

Hapag Lloyd verhandelt erneut über Fusion

Die Reederei Hapag Lloyd prüft einen Zusammenschluss mit dem chilenischen Konkurrenten Companie Sud Americana de Vapores (CSAV). Entsprechende Gespräche haben Unternehmenssprecher gegenüber Nachrichtenagenturen bestätigt. Geprüft würden verschiedene Formen der Zusammenarbeit, schriftliche Vereinbarungen seien bislang aber nicht getroffen worden.

Hapag Lloyd sucht seit Längerem einen Partner, um sich im gegen die größeren Konkurrenten wie Maersk und MSC zu behaupten. Im Frühjahr waren die langwierigen Fusionsverhandlungen mit der Hamburg Süd gescheitert.

Targobank übernimmt Privatkundengeschäft von Valovis

Die frühere KarstadtQuelle-Bank Valovis gibt ihr Retailgeschäft an die Targobank ab. Offizielle Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht, in Medienberichten ist jedoch von einem zweistelligen Millionenbetrag die Rede. Für Valovis ist der Verkauf ein „Meilenstein im Prozess der Stabilisierung und dem geordneten Rückbau der Bank“, wie CEO Axel Wieandt betonte.

Die Targobank möchte das Privatkundengeschäft unverändert unter ihrem Dach weiterführen, ein Großteil der Mitarbeiter am Standort in Neu-Isenburg soll übernommen werden. Die Angestellten in der Essener Niederlassung seien von dem Deal nicht betroffen, hieß es in einer Mitteilung. Die Targobank wird nach dem Vollzug der Transaktion nach eigenen Angaben mit 1,5 Millionen Kreditkarten zu den drei größten Emittenten in Deutschland gehören.

Scholz macht Fortschritte bei Restrukturierung

Das Recyclingunternehmen Scholz hat im Rahmen seines Desinvestitionsprogramms seine Beteiligung von 50 Prozent an der Saarländische Rohprodukte GmbH verkauft. Die Anteile übernimmt der langjährige österreichische Partner Loacker Recycling, der mit der Akquisition alleiniger Eigentümer des ehemaligen Gemeinschaftsunternehmens wird. Der Verkauf ist ein wichtiger Schritt im laufenden Restrukturierungsverfahrens des Essinger Unternehmens. Danach plant Scholz, bis 2015 wieder nachhaltig profitabel zu wirtschaften und Nettofinanzschulden auf rund 700 Millionen Euro zu senken. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Auch Hagebau übernimmt Max-Bahr/Praktiker-Filialen

Nach Bauhaus hat nun auch der Konkurrent Hagebau einen Teil der verbleibenden Max-Bahr-Märkte übernehmen. Insgesamt kauft Hagebau 16 Häuser, darunter neun Praktiker-Filialen. Nicht ausgeschlossen ist, dass Hagebau noch weitere Filialen übernimmt. Nach Unternehmensangaben laufen entsprechende Gespräche mit dem Insolvenzverwalter.

Silverfleet fasst Fuß im Call-Center-Markt

Der britische PE-Investor Silverfleet Capital übernimmt das Competence Call Center (CCC) von Ardian (ehemals Axa Private Equity). Für die Transaktion ist FINANCE-Informationen zufolge ein Kaufpreis in dreistelliger Millionenhöhe geflossen. CCC positioniert sich als Premiumanbieter, dessen Portfolio nach eigenen Angaben auch komplexere Dienstleistungen wie beispielsweise im Bereich des Business Process Outsourcing umfasst. Die frühere Eigentümerin Ardian hatte CCC 2009 übernommen. Silverfleet wurde bei der Transaktion unter anderem von Clifford Chance und Shearman Sterling beraten.

M&A-News: Personalien

McDermott Will & Emery verstärkt sich ab Anfang Januar 2014 mit dem M&A-Rechtler Nikolaus von Jakobs. Der neue Partner im Münchener Büro wird neben seinem Fokus auf die Gebiete Gesellschaftsrecht/M&A die deutschen Private-Equity-Aktivitäten der Kanzlei leiten. Jakobs kommt von der Kanzlei Ashurst. Zu seinen Mandanten zählten bislang neben Private-Equity-Fonds vor allem Dax- und Mdax-Unternehmen.

Die Kanzlei SKW Schwarz hat seit Anfang Dezember mit Markus Geisler einen neuen Partner für das Düsseldorfer Büro ernannt. Geisler arbeitet schwerpunktmäßig in den Bereichen Corporate/M&A sowie im Öffentlichen Wirtschaftsrecht. Zu seinen bisherigen Karrierestationen gehören unter anderem die Kanzleien Freshfields Bruckhaus Deringer, Mayer Brown und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO.

M&A-News: Dealvolumen 2013

Das M&A-Volumen mit deutschen Targets hat nach Berechnungen von Dealogic in diesem Jahr den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Zum aktuellen Zeitpunkt liegt das Volumen bei 101,3 Milliarden US-Dollar und damit 42 Prozentpunkte höher als zum entsprechenden Zeitpunkt im Vorjahr. Gleichzeitig knackt das M&A-Volumen mit deutschen Zielen erstmals seit 2008 wieder die 100-Milliarden-Dollar-Marke. Getrieben ist der Aufschwung hauptsächlich vom Telekomsektor, auf den fast ein Viertel des Gesamtvolumens entfalle, so Dealogic.

Weitere M&A-Deals

Douglas sucht Kreisen zufolge nach einem Käufer für die Süßwarenkette Hussel. Nach Informationen der F.A.Z. sollen potentielle Käufer bereits Einblick in Dokumente mit Unternehmensinformationen erhalten haben. Eine offizielle Stellungnahme wurde bislang nicht herausgegeben, eine Douglas-Sprecherin wies darauf hin, dass man generell eine aktive Portfolio-Strategie betreibe.
 
Der österreichische Caterer Do & Co übernimmt von Eon Facility Management den Catering-Anbieter Area One. Area One ist unter anderem für die Versorgung in der Allianz-Arena verantwortlich. Eon hatte seine Tochter Mitte des Jahre zum Verkauf gestellt.

Die insolvente Telefunken Semiconductors hat einen Investor gefunden. Durch den Einstieg des Geldgebers im Wege einer übertragenden Sanierung können nach offizieller Aussage 135 der früheren 320 Arbeitsplätze erhalten werden, weitere 47 Angestellte sind in eine Transfergesellschaft gewechselt Details zum Investor nannte der Insolvenzverwalter nicht. Lokalen Medien zufolge soll es sich allerdings um einen in den USA lebenden Hongkong-Chinesen handeln.

Swiss Life hat sich von seinen verbleibenden Anteilen an MPL, die sich Ende 2012 noch auf knapp 10 Prozent beliefen, getrennt. Der Lebensversicherer hatte die Beteiligung mit der Übernahme des Finanzdienstleisters AWD im Jahr 2008 erworben. Der damalige AWD-Chef Carsten Maschmeyer hatte sich mit insgesamt 25 Prozent bei MPL eingekauft und die Anteile an Swiss Life weitergegeben.

Der Bayer-Konzern prüft offenbar einen Kauf der Tiermedizin-Sparte von Novartis. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Bayer hat demnach Einblick in die Bücher von Novartis Animal Health. Exklusive Gespräche würden aber nicht geführt, neben dem Leverkusener Konzern sollen weitere Wettbewerber an der Novartis-Sparte interessiert sein.

Ein von der Transaktionsberatung Nikolaus & Co. beratenes Investmentvehikel hat sich die Mehrheitsbeteiligung an der Kölner WIS-Beteiligungs-Holding gesichert. Verkäufer der Anteile ist der PE-Investor Argantis. Weitere Details zur Transaktion wurden nicht genannt.

Der Rollstuhlhersteller Sunrise Medical hat das britische Unternehmen JCM Seating Solutions übernommen. JCM ist auf die Entwicklung und Produktion individueller Mobilitätssysteme in der Pädiatrie spezialisiert. Sunrise Medical möchte nach eigenen Angaben mit der Transaktion sein Produktportfolio bei der Versorgung von Kindern vergrößern.

Heidelberger Druck hat sich mit einer Minderheitsbeteiligung in nicht bekannter Höhe bei dem Softwarehersteller Neo7even aus Siegen eingekauft. Der Druckmaschinenhersteller verspricht sich von der Beteiligung neue Geschäftsmöglichkeiten im Segment Multi Channel Publishing.

Ben Venue, eine US-Tochter von Boehringer Ingelheim, sucht nach einem Käufer für ihre Generika-Sparte. Die Bank of America soll nun die Verkaufsmöglichkeiten für die Sparte Bedford Laboratories ausloten. Boehringer hatte seinerseits im Oktober bekannt gegeben, sich von Ben Venue trennen zu wollen, da bei dem Unternehmen Investitionen erforderlich wären, die nicht gerechtfertigt werden könnten. Ben Venue hatte unter anderem mit Qualitätsproblemen und Verstößen gegen Produktionsvorschriften zu kämpfen.

Das britische Blackhawk Network hat die den deutschen Gutscheindistributor Retailo übernommen. Mit dem Schritt möchte das britische Netzwerk aus Prepaid-Zahlungsmittelanbietern, die auf den internationalen Vertrieb von Geschenkkarten, Mobilfunkprodukte und Finanzdienstleistungen spezialisiert sind, seine Präsenz in Deutschland deutlich ausbauen. Zu Retailo gehören unter anderem die Vertriebspartner dm-drogeriemarkt, Rewe und Media-Saturn.

Die Investorengruppe Serafin hat sämtliche Anteile an Suki International übernommen. Der Deal umfasst auch die Tochtergesellschaften Facido und DBM.S des Lösungsentwicklers für die Do-it-yourself-Industrie. Verkäufer der Anteile ist der US-Konzern Illinois Tool Works.

Der französische 3D-Design-Lösungsanbieter Dassault Systèmes hat sich die Mehrheit an Realtime Technology gesichert. Dassault übernimmt insgesamt 84 Prozent der Anteile an dem Münchener Unternehmen, der Deal umfasst dessen Software-Sparte, die Marketing-Beratungedienstleistungen sowie die Tochtergesellschaft Bunkspeed.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de