Conti macht einen Deal mit Mutares
Der Autozulieferer Continental stellt weiter die Weichen für seine geplante Aufspaltung und trennt sich von weiteren Teilen. Wie der Konzern bekanntgab, wird das Trommelbremsenwerk in der Nähe von Genua an den Münchener Finanzinvestor Mutares veräußert. Alle 400 Mitarbeiter und Aktivitäten des Werks werden von Mutares übernommen. Das Werk soll im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro erzielen.
Die finanziellen Details der Transaktion wurden nicht bekannt gegeben. Der Turnaround-Investor Mutares investiert jedoch ausschließlich in Distressed-Assets. Den Abschluss des Deals peilt Conti für das vierte Quartal 2025 an, also nach der geplanten Börsennotierung der künftig als Aumovio firmierenden Automotive-Sparte. Continental verfolgt mit dieser Veräußerung die Strategie, seine europäischen Fertigungsstandorte zu konsolidieren und sich stärker auf Zukunftstechnologien wie elektrische Bremsen zu konzentrieren.
Daimler Truck und Volvo gründen Joint Venture
Daimler Truck und Volvo haben ein Joint Venture gegründet, das eine softwarebasierte Fahrzeugplattform für schwere Nutzfahrzeuge entwickeln soll. Das neue Unternehmen mit Sitz im schwedischen Göteborg zielt darauf ab, einen Industriestandard zu setzen und ein Lkw-Betriebssystem zu schaffen, das auch anderen Nutzfahrzeugherstellern angeboten werden kann, teilten die Konzerne mit. Beide Unternehmen bleiben in anderen Geschäftsfeldern Wettbewerber und bieten weiterhin eigenständige Produkte und Dienstleistungen an.
Das Joint Venture wird sich auf die Spezifikation und Beschaffung zentralisierter Hochleistungssteuergeräte konzentrieren, die große Datenmengen verarbeiten können. Zudem wird ein Betriebssystem entwickelt, das es Fahrzeugherstellern ermöglicht, eigenständige digitale Fahrzeug-Features zu entwickeln. DLA Piper hat Daimler Truck bei dem Joint Venture beraten.
Geht Dallmayr an Lavazza?
Ein vollendeter, veredelter Spitzen-Deal bahnt sich an: Der italienische Kaffeekonzern Lavazza prüft nach Informationen des „Handelsblatts“ die Übernahme des Münchener Traditionsunternehmens Dallmayr. Die Verhandlungen, für die die Investmentbank Goldman Sachs mandatiert worden sein soll, sollen sich in einem frühen Stadium befinden.
Ein möglicher Merger solle hauptsächlich durch einen Aktientausch erfolgen, bei dem Lavazza die Mehrheit an Dallmayr übernehmen würde. Lavazza erzielte im Jahr 2024 einen Umsatz von 3,35 Milliarden Euro, was dreimal so viel ist wie der Umsatz von Dallmayr. Das italienische Unternehmen beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter und ist seit vier Generationen in Familienbesitz.
Sollte der Deal zustande kommen, wäre dies für Lavazza die zweite Akquisition innerhalb weniger Jahre. Bereits 2024 hatte Lavazza knapp die Hälfte der Anteile an IVS (49 Prozent) übernommen, dem italienischen Marktführer im Bereich des automatischen Vertriebs von Kaffee und Getränken. Zwischen 2027 und 2034 haben die Italiener außerdem die Option, IVS komplett zu übernehmen.
Weitere M&A-Deals
Das ist mal ein kurioser Deal: Der Landkreis Harz hat die Brockenkuppe gekauft – also die Spitze des Berges im Harz. 3,5 Millionen Euro bekommt der bisherige Besitzer, die Brockenverwaltungs- und Vermarktungs-GmbH & Co. KG, für die Bergspitze. Ab dem 1. Juli 2025 wird die 12.937 Quadratmeter große Fläche mit Gebäuden wie dem Brockenturm und dem Touristensaal in den Besitz des Landkreises übergehen. Ziel der Übernahme ist es, die touristische Infrastruktur zu verbessern, um mehr Besucher anzuziehen. Geplante Investitionen umfassen einen neuen Mehrzwecksaal und barrierefreie Zugänge.
Neues vom ProSiebenSat.1-Vorstand: Nachdem der Medienkonzern bereits deutlich machte, wie wenig er vom Übernahmeangebot des Großaktionärs MFE hält, äußert er sich zu dem Konkurrenzangebot von PPF nun etwas milder. Der Vorstand begrüße das verstärkte Engagement von PPF, gab das Medienhaus nun bekannt. Eine Kritik bleibt allerdings bestehen, denn den Angebotspreis von 7 Euro je Aktie sieht das Management als finanziell unangemessen. Der Preis bietet einen Aufschlag von 17,4 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vor der Ankündigung, spiegele jedoch nicht das langfristige Potential wider, heißt es. Daher wollen Vorstand und Aufsichtsrat ihren Aktionären keine explizite Empfehlung zur Annahme des Angebots geben und bleiben neutral.
Die Funke Mediengruppe plant den Verkauf ihres 50-Prozent-Anteils an der österreichischen Kronen Zeitung an die Eigentümerfamilie Dichand. Die Kronen Zeitung ist die größte Zeitung in Österreich. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörde. Funke hatte sich 1987 in die Zeitung eingekauft, jedoch kam es im Laufe der Jahre zu Spannungen mit den österreichischen Miteigentümern.
The Platform Group steigt in den Optiker- und Hörakustikmarkt ein. Das Unternehmen übernimmt die Unternehmensgruppen Beste Aussichten und Karrasch & Nolte, die zusammen 30 Standorte in Deutschland betreiben. Der Kaufpreis liegt im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und wird durch Eigenmittel und Aktienvergütungen finanziert, vermelden die Unternehmen. Die Übernahme soll noch im Juli abgeschlossen sein. Die beiden Unternehmen werden mit der Online-Plattform Myglasses verschmolzen, um das Geschäftsfeld weiter auszubauen.
Der Generikahersteller Zentiva plant, die Aktien der Minderheitsaktionäre des Branchenkollegen Apontis Pharma im Rahmen eines verschmelzungsrechtlichen Squeeze-outs zu übernehmen. Die Barabfindung wurde auf 10,40 Euro je Aktie festgelegt. Zentiva hält derzeit rund 91,95 Prozent des Grundkapitals von Apontis. Die Hauptversammlung zur Beschlussfassung ist für den 29. Juli geplant.
Der Kunststoffhersteller Simona beabsichtigt, jeweils 100 Prozent der Anteile an Electroplast und Dutchclamp aus Dordrecht, Niederlande, vom Eigentümer Slagboom Beheer zu erwerben. Electroplast bietet Kunststofflösungen für den Kabelschutz, während Dutchclamp Kunststoff-Kabelschellen und -blöcke für die Installation von Stromkabeln entwickelt. Zusammen erzielen die Unternehmen einen Umsatz von etwa 17 Millionen Euro. Die Akquisition erweitert das Produktportfolio von Simona im Bereich Kabelschutz und unterstützt laut eigener Aussage die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens.
M&A-Berater-News
Die internationale Anwaltskanzlei Reed Smith hat Oliver K. Hahnelt zum neuen Office Managing Partner des Frankfurter Büros ernannt. Hahnelt, der 2023 zur Kanzlei stieß, verfügt über mehr als fünfzehn Jahre Erfahrung im Bereich Private Credit und Finanztransaktionen. Er übernimmt die Leitung von Octávio de Sousa und soll die weitere Expansion in Deutschland sowie weltweit mitgestalten. Die Kanzlei betont Hahnelts Führungsstärke und strategische Bedeutung für den Standort Frankfurt.
CFC Corporate Finance Contor mit Sitz in Hamburg eröffnet am 1. Juli 2025 ein Büro in Frankfurt am Main. Carmen Müller, Expertin für strukturierte Finanzierung und Firmenkundenbetreuung, wird das Geschäft in Süddeutschland leiten. Mit über 20 Jahren Erfahrung im Corporate & Investment Banking wird sie mittelständische Unternehmen bei komplexen Finanzierungen und Unternehmensverkäufen beraten. „Ich freue mich sehr darauf, den erfolgreichen Weg aus dem Norden im Süden fortzusetzen – mit einem starken Team und dem klaren Ziel, echten Mehrwert für unsere Mandanten zu schaffen“, betont Müller.
Deals in Verhandlung
Die Deutsche Pfandbriefbank befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an einem deutschen Real Estate Investment-Manager. Um wen es sich genau handelt, will die Bank nicht bekannt geben. Das verwaltete Vermögen des Zielunternehmens belaufe sich auf einen niedrigen einstelligen Milliarden-Euro-Betrag. Der Kaufpreis könnte im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen.
Die Akquisition soll den Bereich „PBB Invest“ stärken und die Ertragsströme diversifizieren. Gleichzeitig plant die Pfandbriefbank, ihr US-Geschäft vollständig einzustellen und ein Portfolio von rund 4,1 Milliarden Euro wertschonend zu veräußern, zu verbriefen oder auslaufen zu lassen. Diese Maßnahme soll Kapital freisetzen, um die Transformation der Bank zu beschleunigen.
M&A-Gerüchteküche
Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von Signavio durch SAP aus dem Jahr 2021 erneut ins Visier genommen. Die Walldorfer hatten die Berliner Firma für einen kolportierten Kaufpreis von 1 Milliarde Euro geschluckt und wollten damit ursprünglich den Abstand zum Rivalen Celonis verringern. Hintergrund sind Vorwürfe des Mitbewerbers Celonis, der SAP beschuldigt, den Wettbewerb durch die Integration von Signavio erheblich zu behindern. Celonis wirft SAP vor, Signavio-Produkte zu Dumping-Preisen anzubieten und den Datenzugriff für Celonis-Kunden zu erschweren.
Info
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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.
