Deal unter Deal-Plattformen
Die Deal-Plattformen Dealcircle und dessen Tochter Amber kaufen die Deutsche Unternehmerbörse, bekannt als DUB.de. Die Ambitionen von Dealcircle und Amber sind groß: Durch die Akquisition soll die erste vollintegrierte Technologielösung für Unternehmensnachfolgen in Deutschland entstehen.
Die Übernahme erfolgt aus Marktsicht zu einem guten Zeitpunkt, denn bis 2028 werden etwa 532.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolgelösung suchen müssen. Dealcircle, gegründet von Kai Hesselmann und Graig Gröbli, bringt datengetriebenes Matching in die Fusion ein, während Amber als nutzerfreundlicher Onlinemarktplatz fungiert und DUB.de Reichweite und Marktpräsenz mitbringt. Alle drei Plattformen bleiben eigenständig, profitieren jedoch von Synergien.
Nach einer Finanzierungsrunde über 5 Millionen Euro beschleunigt Dealcircle nun die Expansion. Das Unternehmen plant, bis 2025 mehr als 2.000 M&A-Projekte zu vermarkten. Die Plattformen Dealcircle, Amber und DUB.de wollen durch die Kombination ihrer Technologien effizientere und transparentere Transaktionen ermöglichen. Besonders für Unternehmen mit weniger als 1 Million Euro Ebitda bietet die neue Lösung nach eigener Aussage verbesserten Käuferzugang.
Covestro baut Spezialfolien-Portfolio durch Pontacol-Kauf auf
Covestro hat eine Vereinbarung zur Übernahme des Schweizer Klebefilmherstellers Pontacol unterzeichnet, um das Foliengeschäft zu stärken. Mit der Akquisition ergänzt der Chemiekonzern, der gerade selbst in der Übernahme durch das staatliche Öl- und Gasunternehmen aus Abu Dhabi Adnoc steckt, sein Portfolio um hochspezialisierte Flach- und Blasfolien, die in wachstumsstarken Märkten wie der Medizintechnik und Mobilität gefragt sind.
Die Übernahme umfasst zwei spezialisierte Produktionsstandorte in der Schweiz und Deutschland, die sich auf unterschiedliche Folientechnologien konzentrieren. Diese strategische Entscheidung ermöglicht Covestro nach eigenen Angaben, das globale Fertigungsnetzwerk zu stärken, die regionale Verfügbarkeit von Klebefolien zu verbessern und zusätzliche Wertschöpfungspotentiale durch Synergien in zentralen Funktionen und der Beschaffung zu erschließen.
Die LAS Gruppe, zu der Pontacol gehört, hat sich aus strategischen Gründen entschieden, sich auf flüssige Klebstoffe und Schmelzklebstoffe zu konzentrieren. Die Inhaber Adrian Leumann und Stefan Leumann betonen, dass Pontacol über ein starkes Produktportfolio und Innovationspotential verfügt, jedoch Investitionskraft benötigt, die über die Möglichkeiten der Familien-Holding hinausgeht. Der Kaufpreis bleibt vertraulich.
Tierfuttervertriebler Tales & Tails geht an die Petsnova Group
Tales & Tails, eine deutsche Premium-Direktvertriebsmarke für Tiernahrung, wird an die Petsnova Group verkauft. Tales & Tails, gegründet im Jahr 2018, bietet ein breites Sortiment an Trocken- und Nassfutter sowie funktionellen Snacks und Nahrungsergänzungsmitteln für Hunde und Katzen an.
Die Produkte werden hauptsächlich über den eigenen Webshop vertrieben, wobei viele Kunden Abonnements nutzen. Die Marke hebt sich nach eigenen Angaben durch die Verwendung nachhaltig beschaffter Zutaten hervor, die für hypoallergene und andere gesundheitliche Belange geeignet sind. Der Verkauf an den Branchenkollegen Petsnova soll die Wachstumsstrategie von Tales & Tails unterstützen.
Ziel sei es, durch Synergien in Beschaffung und Vertrieb die Produktentwicklung zu beschleunigen und die Marktpräsenz zu erweitern. Die Akquisition soll die Direktvertriebskompetenz der Gruppe stärken. Tales & Tails wird von den Gründerinnen Stella Mohr, Kaja Ringert und Cathrin Wellens geleitet. Carlsquare fungierte als Berater für die Gesellschafter von Tales & Tails.
Weitere M&A-Deals
Der Düsseldorfer Versicherungskonzern Ergo plant, seine Marktpräsenz in Nordeuropa zu stärken, indem er seine dänische und norwegische Tochtergesellschaft unter dem Namen Ergo Forsikring fusioniert. Diese Fusion zielt darauf ab, das Geschäft in Dänemark, Norwegen und Schweden auszubauen und bietet Potential für zukünftige Übernahmen. Durch die Nutzung gemeinsamer Vertriebsnetzwerke und bestehender Geschäftsbeziehungen erwartet Ergo erhebliche Wachstumschancen in der nordischen Region.
Holcim hat das Nordamerika-Geschäft abgespalten. Der Spin-off von Amrize, einem Partner für professionelle Bauunternehmen in Nordamerika, wurde mit einer Sachdividende abgeschlossen. Aktionäre erhielten eine Amrize-Aktie für jede Holcim-Aktie, die sie am 20. Juni 2025 noch besaßen. Holcim und Amrize agieren nun als unabhängige börsennotierte Unternehmen mit klarem strategischem Fokus.
Blick in den M&A-Markt
Alvarez & Marsal rechnet im zweiten Halbjahr 2025 mit einem Wiederaufleben aktivistischer Kampagnen in Europa. Nach einem Rückgang, bedingt durch die US-Zollpolitik, sank die Zahl der Kampagnen im Mai 2025 um 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Laut dem aktuellen „Activist Alert“ von Alvarez & Marsal (AAA) ist auch in Deutschland ein signifikanter Rückgang zu verzeichnen. Waren es im Vorjahr für den Zeitraum zwischen Januar und Mai noch 20 Kampagnen, liegt die Zahl für 2025 bei 11, ein Rückgang von 45 Prozent. Damit machen Kampagnen gegen deutsche Unternehmen nur noch 16 Prozent aller Angriffe in Europa aus – im gesamten Jahr 2024 waren es noch 23 Prozent.
Kampagnen zu Corporate Governance nehmen zu, während solche zu Nachhaltigkeit und sozialen Themen stagnieren. Der AAA zeigt, dass nach Phasen hoher Marktvolatilität die Aktivitäten der Investoren meist nach einigen Monaten wieder zunehmen. Europäische Unternehmen haben also nur begrenzt Zeit, ihre operative Performance zu verbessern, um nicht ins Visier der Investoren zu geraten.
Ab dem vierten Quartal 2025 wird ein Anstieg der Kampagnen erwartet, insbesondere in den Sektoren Industrie, Konsumgüter, Technologie und Energie. Deutschland, Großbritannien und die Schweiz bleiben zentrale Märkte. Unternehmen sollten sich auf eine robuste Ertragslage und eine überzeugende Equity Story konzentrieren, um Shareholder Value zu maximieren, so das Fazit von Alvarez & Marsal.
M&A-Berater-News
Torsten Denker verlässt IMAP nach acht Jahren, um sich selbstständig zu machen. Der Partner der M&A-Beratung plant, sich auf kleinere Transaktionen zu konzentrieren, die unterhalb der typischen Deal-Größen von IMAP liegen. IMAP betont, dass die Expertise des Teams weiterhin gewährleistet bleibt und die Nachbesetzung von Denkers Position bereits in Planung ist.
Neuzugang bei Cancom: Silvia Kirsch hat sich dem TecDax-gelisteten Digital Business Provider als Direktorin für M&A angeschlossen. Cancom bietet mit rund 5.600 Mitarbeitern und etwa 80 Standorten in der DACH-Region sowie in Belgien, der Slowakei, Rumänien und Tschechien umfassende IT- und Cloud-Dienstleistungen an. Kirsch soll mit ihrer M&A-Expertise das Wachstum und die strategische Ausrichtung des Unternehmens weiter vorantreiben. Sie kommt vom IT-Investor Primepulse und hat davor viele Jahre im Investmentbanking bei Unicredit gearbeitet.
Das Bankhaus Metzler expandiert mit einer neuen Holding, der Metzler Japan Holdings, nach Tokio, um seine Präsenz im japanischen Markt zu stärken. Die Holding fokussiert sich auf Asset Management, Mergers and Acquisitions sowie Immobilienberatung. Nina Birke-Wiesheu leitet die neue Einheit als President und CEO. Claudius Thiell übernimmt als Managing Director bei Metzler Corporate Finance die Verantwortung für die deutsch-japanische M&A-Beratung und den Industrials-Bereich.
Deals in Verhandlung
Der Berliner Onlinehändler für Autoersatzteile Autodoc hat seinen geplanten Börsengang am Prime Standard der Frankfurter Börse kurzfristig abgesagt. Der Handelsstart war für den 25. Juni 2025 vorgesehen, doch die Nachfrage institutioneller Investoren war unzureichend. Trotz einer reduzierten Zielbewertung von 2,4 Milliarden Euro und einer Preisspanne von 58 bis 61 Euro war die Emission nur gut überzeichnet. Bereits 2021 scheiterte ein Börsengang. Die Altaktionäre, darunter die Gründerfamilie und der US-Investor Apollo, wollten Anteile im Wert von bis zu 464 Millionen Euro verkaufen.
M&A-Gerüchteküche
Der Essener Energiekonzern RWE prüft derzeit nach Informationen des „Handelsblatts“ verschiedene Optionen für seinen 25,1-Prozent-Anteil am Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Neben einem direkten Verkauf der Anteile wird auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, den Anteil in eine Tochtergesellschaft auszugliedern. Amprion plant, bis 2029 insgesamt 36,4 Milliarden Euro in den Netzausbau zu investieren, was den Kapitalbedarf der Eigentümer erhöht.
Die Beteiligungsgesellschaft M31 hält 74,9 Prozent der Anteile, während RWE die restlichen 25,1 Prozent besitzt. Der Prozess soll sich jedoch länger hinziehen als erwartet, da bisher keine bindenden Gebote eingegangen sein sollen, schreibt die Zeitung mit Bezug auf Insider. Interesse an dem Anteil soll von der Bundesregierung kommen. Derzeit hält die staatliche Förderbank KfW Anteile an zwei Betreibern: 50Hertz und TransnetBW.
Info
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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.
