Deutsche Post kauft australischen Logistiker Glen Cameron
Die Deutsche Post macht ihre Ankündigung wahr und schlägt am M&A-Markt zu: Über die Einheit DHL Supply Chain kauft der Dax-Konzern die Glen Cameron Group. Die australische Logistikfirma ist auf Straßengüterverkehr und Kontraktlogistik spezialisiert und beschäftigt nach eigenen Angaben über 820 Mitarbeiter in Australien.
Durch die Transaktion entsteht laut der Deutschen Post eines der größten Logistikunternehmen in Australien mit einem Gesamtumsatz von mehr als 1 Milliarde Australische Dollar (umgerechnet rund 670 Millionen Euro). Die Post will dabei vor allem von der Expertise der Australier im Bereich Konsumgüter und Lebensmittel profitieren. Glen Cameron hingegen bekommt durch den Deal Zugriff auf das internationale Netzwerk der Deutschen Post sowie das „globale Speditions-Know-how in der Luft-, See- und Straßenfracht“.
Theo Müller schnappt sich Landliebe und Co.
Der Lebensmittelriese Theo Müller kauft Teile des deutschen Verbrauchergeschäfts des niederländischen Wettbewerbers Royal Friesland Campina. Teil der Transaktion sind die Marken Landliebe, Tuffi, Südmilch, Puddis, Mondelice sowie die in Deutschland produzierten Handelsmarken in der Weißen Linie. Darüber hinaus schnappt sich der Müllermilch-Produzent die Foodservice-Marke Gastro sowie die Standorte in Heilbronn, Köln und Schefflenz.
Frieslang Campina will sich künftig unter anderem auf das Geschäft mit internationalen Marken – darunter Chocomel und Valess – sowie das Professionals-Geschäft konzentrieren. Friesland Campina beschäftigt in Deutschland rund 1.000 Mitarbeiter. Die Transaktion wollen die Unternehmen bis Ende dieses Jahres abschließen. Allen & Overy (Federführung: Nicolaus Ascherfeld und Marie-Luise von Buchwaldt) hat die Niederländer bei der Transaktion begleitet.
Metro verabschiedet sich aus Belgien
Metro trennt sich von den Aktivitäten in Belgien: Das Handelsunternehmen verkauft das operative Geschäft bestehend aus Metro Belgien und Makro Cash & Carry Belgien an den Investor Bronze Properties. Durch den Verkauf entstehen bei Metro einmalige Kosten von rund 150 Millionen Euro, langfristig soll sich das Ebitda dafür „wiederkehrend“ um rund 20 Millionen Euro verbessern. Ein Immobilienportfolio von elf Märkten verbleibt dabei bei den Düsseldorfern.
Metro war seit den Siebzigerjahren in Belgien aktiv und beschäftigte dort bis zum Verkauf rund 2.000 Mitarbeiter. Mit dem Rückzug aus Belgien verabschiedet sich Metro von einem Verlustschreiber. Die Landeseinheit steht „seit mehreren Jahren unter erheblichem wirtschaftlichen Druck“ und der Konzern musste das Geschäft in Summe mit einem „relevanten dreistelligen Millionen-Euro-Betrag“ stützen, um die Marktperformance zu verbessern. Dennoch erzielte Metro Belgien im Geschäftsjahr 2020/21 bei einem Umsatz von 646 Millionen Euro ein negatives Ebitda.
Weitere M&A-Deals
Siemens Energy gründet ein Wasserstoff-Joint-Venture mit Air Liquide. Das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen soll an der industriellen Serienfertigung von Elektrolyseuren für erneuerbaren Wasserstoff in Europa arbeiten. Auf Siemens Energy entfallen demnach künftig 74,9 Prozent der Anteile an dem Joint Venture, Air Liquide wird dementsprechend 25,1 Prozent halten. Der Hauptsitz des Unternehmens wird in Berlin sein. Mit der Produktion wollen die Firmen in der zweiten Jahreshälfte 2023 beginnen.
Zeitfracht ist eindeutig in Kauflaune und hat schon den nächsten Deal angekündigt. Der Medienlogistiker übernimmt die Druckerei Hofmann in Nürnberg. Das Unternehmen hat Ende April ein Insolvenzverfahren angemeldet, welches zum 1. Juli wirksam wird – zum selben Zeitpunkt der Übernahme. Zu der Druckerei gehören drei Gesellschaften – Hofmann Druck Nürnberg, Hofmann Medien Nürnberg und Hofmann Infocom. Zusammen beschäftigt die Gruppe knapp 140 Mitarbeiter. Spezialisiert ist das Unternehmen auf LED-UV- und Rollen-Offset-Druck. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Gruppe 21,5 Millionen Euro Umsatz.
Länderübergreifender Deal bei Treasury Intelligence Solutions aus Heidelberg: Der Zahlungsdienstleister kauft Cashforce aus Belgien. Das in Flandern ansässige Fintech bietet Cash-Management- und Cash-Forecasting-Lösungen auf KI-Basis an. Beide Unternehmen haben sich nicht zu den Details des M&A-Deals geäußert – sie gaben lediglich an, dass die Cash-Management-Lösungen der Belgier in die SaaS-Zahlungsverkehrsplattform der Heidelberger integriert wird. Unter der Federführung von Stefan-Ulrich Müller und Jessica Mohaupt-Schneider hat die Wirtschaftskanzlei CMS Treasury Intelligence Solutions bei der Übernahme beraten.
Thyssenkrupp Automotive Body Solutions beteiligt sich minderheitlich an dem Start-up Cap-on. Das Jungunternehmen aus Bayern ist auf digitale „Pay-per-use“-Services spezialisiert. Ziel der Zusammenarbeit ist es, „neue Finanzierungs- und digitale Nutzungskonzepte im kapitalintensiven Anlagen- und Industriegütergeschäft“ zu etablieren, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Über die genaue Höhe der Beteiligung ist nichts bekannt.
M&A-Berater-News
Alvarez & Marsal ernennt Ines Berger zur neuen Managing Director in der globalen Transaktionsberatung. Sie soll Mandaten bei komplexen Transaktionen unterstützen, unter anderem bei der Due Diligence. Berger verfügt laut der Unternehmensberatung über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Beratung von Private-Equity-Mandanten. Sie kommt von Deloitte in Frankfurt, wo sie als Partnerin im Financial-Advisory-Team aktiv war. Zu ihren früheren Stationen zählen außerdem die Transaktionsberatung des Big-Four-Hauses KPMG sowie EY. Bereits im April hatte Alvarez & Marsal Hinrich Grunwaldt, Andreas Frisch und Vadym Diablo neu ins Team geholt.
M&A-Gerüchteküche
Gleich mehrere Private-Equity-Investoren sollen sich für das Funkturmgeschäft der Deutschen Telekom interessieren. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, sollen die Finanzinvestoren KKR, Global Infrastructure Partners und Stonepeak Partners gemeinsam ein verbindliches Angebot für eine Mehrheitsbeteiligung an der Telekom-Sparte abgegeben haben. Das Konsortium soll dem Bericht zufolge auch Wettbewerber haben: So sollen auch der kanadische Investor Brookfield und der spanische Wettbewerber Cellnex ein Angebot abgegeben haben, ebenso wie Vantage Towers. Die Funkturmsparte könnte mit rund 20 Milliarden Euro bewertet werden.
Wechselt Gorillas bald den Eigentümer? Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll der Lebensmittellieferdienst mit Konkurrenten über eine mögliche Fusion oder einen Verkauf diskutiert haben. Gesprächspartner sollen dem Bericht zufolge Unternehmen wie Gopuff oder Jokr gewesen sein. Auch M&A-Berater der Investmentbank JP Morgan sollen mit Gorillas zusammenarbeiten, um mögliche Optionen einzuordnen, schreibt die Agentur unter Verweis auf mit der Sache vertraute Personen.
olivia.harder[at]finance-magazin.de
Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.
