Newsletter

Abonnements

M&A-Deals: DMK Group, Rheinmetall, Infineon 

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Arla übernimmt den deutschen Molkereibetrieb DMK. Der neue Molkereiriese soll auf einen Pro-forma-Umsatz von 19 Milliarden Euro kommen. Foto: Clara – stock.adobe.com
Arla übernimmt den deutschen Molkereibetrieb DMK. Der neue Molkereiriese soll auf einen Pro-forma-Umsatz von 19 Milliarden Euro kommen. Foto: Clara – stock.adobe.com

Buko trifft Milram bei Molkereifusion

Die deutsche DMK Group und die dänische Arla Foods planen eine Fusion, um Europas größte Molkereigenossenschaft zu formen. Diese Vereinigung soll über 12.000 Landwirte zusammenbringen und einen gemeinsamen Pro-forma-Umsatz von 19 Milliarden Euro erzielen. Während der Name DMK Group vom Markt verschwinden soll, bleibt die Marke Arla bestehen.  

Arla Foods, bekannt für Marken wie Buko und Skyr, ist eine der größten Molkereifirmen weltweit und vereint 7.600 Landwirte. Die DMK Group, hinter der neben Babynahrung und Gesundheitsprodukten auch die Marke Milram steckt, erzielt einen Jahresumsatz von 5 Milliarden Euro. Der Zusammenschluss soll die Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Reichweite der Milchprodukte vergrößern. Die fusionierte Gruppe wird unter dem Namen Arla firmieren und ihren Hauptsitz in Viby, Dänemark, haben.  

Rheinmetall erweitert Produktion von Schießbaumwolle

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat den Osnabrücker Zulieferer Hagedorn-NC geschluckt, der auf die Herstellung von Nitrozellulose spezialisiert ist. Dieses Material, auch als Schießbaumwolle bekannt, ist ein wesentlicher Bestandteil von Treibladungspulvern für Artilleriemunition. Mit der Akquisition sichert sich Rheinmetall nach eigener Aussage einen strategisch wichtigen Standort in Deutschland, der die bestehenden Produktionsstätten in der Schweiz, Spanien und Südafrika ergänzt. Der Zukauf soll zudem einen Engpass in der Treibladungsherstellung schließen. 

Für Hagedorn-NC wiederum eröffnen sich neue, wertvolle Wachstumschancen, insbesondere angesichts der gestiegenen Nachfrage nach Artilleriemunition seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Auch nach einem möglichen Ende des Konflikts wird eine anhaltend hohe Nachfrage erwartet, da die Ukraine und die Nato-Staaten ihre Bestände auffüllen müssen. Herbert Smith Freehills hat Rheinmetall bei der Übernahme von Hagedorn-NC beraten.

Infineon stärkt US-Geschäft mit milliardenschwerem Zukauf

Der Münchener Chiphersteller Infineon erweitert sein Engagement in der Automobilindustrie mit dem Erwerb des autobezogenen Ethernet-Geschäfts von Marvell Technology für 2,5 Milliarden US-Dollar. Die Transaktion finanziert Infineon mit vorhandenen liquiden Mitteln sowie mit zusätzlichem Fremdkapital.  

Die Marvell-Sparte erwartet für 2025 einen Umsatz von 225 bis 250 Millionen US-Dollar und eine Bruttomarge von rund 60 Prozent. Infineon plant, die Erlöse bis 2030 jährlich um etwa 25 Prozent zu steigern und sieht Potential in der Design-Win-Pipeline von 4 Milliarden US-Dollar. Trotz der strategischen Bedeutung des Deals verlor die Infineon-Aktie nach Bekanntgabe der Akquisition aufgrund von Unsicherheiten in der US-Zollpolitik 1,2 Prozent. 

Die Übernahme eröffnet Infineon nach eigenen Angaben neue Möglichkeiten im Bereich der physischen künstlichen Intelligenz (KI), einschließlich humanoider Roboter. Ethernet ist entscheidend für Kommunikationslösungen mit hoher Bandbreite, die für moderne Fahrzeugnetzwerke unerlässlich sind.  

Grenke gibt Factoring-Geschäft an Schweizer Fintech ab

Der Leasingfinanzierer Grenke verkauft sein Factoring-Geschäft an das Schweizer Fintech Teylor. Dabei handelt es sich zunächst um die Ländergesellschaften in Deutschland, Großbritannien, Irland, Polen und Ungarn, in einem zweiten Schritt auch in Italien und Portugal. Das teilte Teylor Anfang April mit. Das Unternehmen nehme damit Aktivitäten in sechs weiteren Ländern auf. In Deutschland ist Teylor bereits seit Juni 2023 über eine Partnerschaft mit Grenke am Markt.  

Die zum Verkauf stehende Factoring-Sparte kam im ersten Quartal 2025 auf ein Neugeschäft von 194,7 Millionen Euro, ein Minus von 8,5 Prozent verglichen mit dem ersten Quartal des Vorjahres. Ab kommender Woche sollen die einzelnen Ländergesellschaften schrittweise an Grenke übergehen. Dieser Prozess soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. Als Rechtsberater für Grenke ist Hengeler Mueller tätig, Teylor mandatierte White & Case und A&O Shearman 

Weitere M&A-Deals

Der Maschinenbauer Deutz hat einen Kaufvertrag zur Übernahme von UMS Holding aus den Niederlanden unterzeichnet. UMS entwickelt Elektrifizierungslösungen für Off-Highway-Fahrzeuge und steht kurz vor der Industrialisierung seiner Produkte. Der Auftragsbestand von UMS liegt nach eigenen Angaben im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Deutz plant, die Technologie von UMS zu skalieren und erwartet Synergien im Bereich New Technology.  

Der norwegische Software-Konzern Visma übernimmt Finmatics, einen Anbieter von Pre-Accounting-Software, der über 1.200 Kunden in Österreich und Deutschland betreut und unter anderem Prozesse der Buchhaltung mittels KI erleichtert. Die Akquisition stärkt Vismas Angebot in der DACH-Region, indem sie die Automatisierung von Finanzprozessen durch KI-basierte Lösungen vorantreibt. Das bestehende Management von Finmatics bleibt aktiv, auch die Marke soll erhalten bleiben. Dies ist Vismas fünfte Akquisition in der Region in vier Jahren. 

Deal unter Schweizer Gesundheitskonzernen: Die Uroviva-Gruppe geht an den Gesundheitsdienstleister Affidea Gruppe. Die Uroviva-Gruppe ist ein Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten, das auf die Bereiche Urologie, Gynäkologie und Onkologie spezialisiert ist. Affidea ist ein europaweiter Anbieter von spezialisierten Gesundheitsdienstleistungen, darunter Krebsbehandlung, mit 389 Standorten in 15 Ländern. Verkäufer sind der ECM-Beteiligungsfonds German Equity Partners IV und die Gründungsärzte. Milbank, Advestra und Bratschi haben Uroviva bei der Transaktion rechtlich beraten, KPMG war für die Bereiche Fusion, Handel, Finanzen und Steuern zuständig. Für Affidea waren die Anwaltskanzleien Niederer Kraft Frey und Friedrich Graf von Westphalen tätig. EY beriet die Käuferin zu Finanz- und Steuerthemen und Alantra zur Fusion. 

Der Life-Science-Konzern Sartorius hat eine Vereinbarung zur Übernahme von Mattek von der schwedischen Bico Group unterzeichnet. Für die Übernahme nimmt Sartorius 80 Millionen US-Dollar in die Hand. Der Deal soll im zweiten Quartal 2025 abgeschlossen werden. Mattek, ein führender Entwickler von 3D-Mikrogewebemodellen, wird in die Sparte Lab Products & Services integriert. Matteks Portfolio ergänzt Sartorius‘ Angebot an zellanalytischen Instrumenten und zielt darauf ab, die Medikamentenentwicklung zu beschleunigen. Beraten wurde Sartorius von Milbank. 

Der Baukonzern Porr hat 74,97 Prozent der Knape Bahnbau erworben, um seine Präsenz im deutschen Bahnbau zu stärken. Knape Bahnbau, ein mittelständisches Unternehmen mit 86 Mitarbeitern, ist auf Bahnbau, Kabeltiefbau und Instandhaltung spezialisiert und operiert von Dorfen in Bayern aus. Die restlichen 25,03 Prozent verbleiben bei der Knape Gruppe Holding. Diese Akquisition ermöglicht es Porr, seine Marktanteile in Süddeutschland auszubauen und neue Projekte zu realisieren. 

M&A-Berater-News

Wayes erweitert sein Team im Transaktionsbereich mit Silvan Drasch, der seit dem 1. April 2025 als Director tätig ist. Drasch bringt Erfahrung aus seiner Zeit bei One Square Advisors mit, wo er das M&A-Geschäft mit Fokus auf Distressed Deals und Immobilientransaktionen weiterentwickelt hat. Zuvor war er bei Hübner Schlösser & Cie. und Baker Tilly tätig.  

Bei Wayes soll Drasch seine Expertise nutzen, um den Wachstumskurs des Unternehmens im Bereich Unternehmensnachfolgen und Distressed M&A fortzusetzen. Wayes-Partner Falk Schnurbusch und Stefan Wechsung betonen die strategische Bedeutung von Draschs Eintritt, insbesondere für die Stärkung der Präsenz im Süden Deutschlands.  

M&A-Gerüchteküche

Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 setzt sich offenbar aktiv gegen die Übernahme durch die Berlusconi-Holding Media For Europe (MFE) zur Wehr. Insidern zufolge hat der Vorstand des Unternehmens die Investmentbank Morgan Stanley beauftragt, um Unterstützung im Abwehrkampf zu erhalten. MFE, bereits mit knapp 30 Prozent an ProSiebenSat.1 beteiligt, plant ein niedriges Übernahmeangebot, das es ermöglichen würde, den Holding-Anteil am Medienkonzern schrittweise zu erhöhen. Der vorgeschriebene Mindestpreis liegt bei 5,74 Euro, während die Aktie zuletzt bei 5,66 Euro notierte.  

Info

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.

Themen