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M&A-Deals: E-Plus, Equistone, GSW

Idylle mit Zentrale: O2-Mutter Telefonica Deutschland will sich E-Plus einverleiben.
O2

KPN-Großaktionär stimmt E-Plus-Verkauf an O2-Mutter zu

Der geplante Verkauf von E-Plus an die O2-Mutter Telefónica Deutschland wird zu leicht veränderten Bedingungen weitergeführt. Der niederländische E-Plus-Mutterkonzern KPN, der die Verkaufspläne Ende Juli angekündigt hatte, musste dazu Großaktionär América Móvil vom Verkauf überzeugen, eine Gesellschaft des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim. In dieser Woche nun teilte KPN mit, dass sich América Móvil „unwiderruflich“ verpflichtet habe, dem Verkauf auf der Hauptversammlung am 2. Oktober zuzustimmen. Zuvor waren die Bedingungen des M&A-Deals zu Gunsten der Niederländer verbessert worden: KPN erhält zunächst im Rahmen des Verkaufs wie geplant 24,9 Prozent an Telefónica Deutschland und 3,7 Mrd. Euro in bar. Im  zweiten Teil des M&A-Deals kassiert KPN weitere 1,3 Milliarden Euro, zudem erhält Telefónica an der Tochter Telefónica Deutschland nur 4,4 Prozent statt ursprünglich geplanten 7,3 Prozent. Weitere 2,9 Prozent an Telefónica Deutschland können die Spanier KPN binnen eines Jahres über eine Option für 510 Mio. Euro abkaufen. Aufgrund der verbesserten Konditionen beläuft sich der Gesamterlös der Transaktion auf 8,55 Mrd. Euro. Nach wie vor offen ist, ob die Transaktion vor den Kartellbehörden bestehen wird. KPN-Großaktionär Slim hat unterdessen beim Versuch der Komplettübernahme von KPN einen Dämpfer bekommen. Eine Stiftung hat fast 50 Prozent der Stimmrechte eingesammelt und blockiert seine Übernahme.

Equistone verkauft Computerlinks Group

Der PE-Investor Equistone Partners Europe hat die Münchener Computerlinks Group für 230 Mio. Euro an das US-amerikanische Unternehmen Arrow Electronics verkauft. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Equistone war 2008 gemeinsam mit dem Management mehrheitlich beim IT-Security-Anbieter Computerlinks eingestiegen. Ein Jahr später folgte das Delisting. Dem PE-Investor zufolge steigerte das Unternehmen den Umsatz in den Folgejahren von 540 Mio. Euro im Jahr 2008 auf rund 940 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2012. Im laufenden Jahr soll der Umsatz erstmals die Milliardenmarke überspringen, Computerlinks rechnet 1,1 Mrd. Euro. Michael H. Bork, Senior Partner bei Equistone Partners Europe, sagte, die zur Kaufpreisfinanzierung aufgenommenen Kredite seien vollständig zurückgeführt worden. Bork verantwortete den Exit auf Seiten von Equistone gemeinsam mit Oskar Schilcher und Marc Arens. Der PE-Investor hat Computerlinks in den vergangenen Jahren auch international breiter aufgestellt und zehn neue Büros in sechs Ländern eröffnet. Computerlinks hat heute Niederlassungen in 22 Ländern und beschäftigt 720 Mitarbeiter. Equistone, das zuvor als Barclays Private Equity firmierte, hat unlängst das Ziel ausgegeben, einer der aktivsten PE-Investoren im deutschen Mittelstand zu werden. Erst vor rund drei Wochen war Equistone mehrheitlich beim Hersteller von Schneideanlagen Karl Eugen Fischer eingestiegen. Beim Verkauf von Computerlinks wurden die Verkäufer exklusiv von der US-Investmentbank Excel Partners als Financial Advisor sowie von Ashurts als Legal Advisor beraten.

GSW: Zusammenschluss kann „grundsätzlich sinnvoll“ sein

Der Immobilienkonzern GSW will ein Übernahmeangebot des Wettbewerbers Deutsche Wohnen intensiv prüfen. Die Deutsche Wohnen hatte in der vergangenen Woche Interesse an der GSW bekundet. Voraussetzung für einen M&A-Deal ist, dass die außerordentliche Hauptversammlung der Deutsche Wohnen am 30. September einer dafür erforderlichen Kapitalerhöhung zustimmt. Die GSW teilte nun mit, man stelle „fortwährend“ Überlegungen zur Entwicklung im Wohnimmobiliensektor und seiner möglichen Konsolidierung an. Vor diesem Hintergrund könne ein Zusammenschluss der GSW mit der Deutschen Wohnen „operativ und industrielogisch grundsätzlich sinnvoll“ sein. Für die Prüfung hat das Unternehmen Goldman Sachs, Citigroup und Kempen & Co als Finanzberater sowie Hengeler Mueller als Rechtsberater mandatiert.

HRE stellt Depfa zum Verkauf

Die Hypo Real Estate (HRE) hat in dieser Woche den Verkaufsprozess für ihre irische Tochter Depfa Bank gestartet. Potentielle Käufer haben bis zum 12. September Zeit, ihr Interesse schriftlich zu bekunden. Zu einem M&A-Deal wird es nach Einschätzungen der HRE wohl nicht vor 2014 kommen. Die Depfa Bank hatte wesentlichen Anteil daran, dass die HRE in der Bankenkrise verstaatlicht werden musste. Große nicht-strategische Teile des Portfolios liegen bereits zur Abwicklung in der 2010 gegründeten Bad Bank FMS Wertmanagement. Als mögliche Käufer gelten PE-Investoren oder Banken mit Interesse am Pfandbriefgeschäft.

Holcim und Cemex sortieren Portfolio neu

Der Baustoffanbieter Holcim will sein Portfolio in Europa umbauen. Mehrere in dieser Woche angekündigte M&A-Deals mit Wettbewerber Cemex sollen ein zusätzliches operatives EBITDA von mindestens 20 Mio. Euro bringen. In Deutschland will Holcim seine Präsenz ausbauen: Das Unternehmen übernimmt Geschäftsbereiche im Westen des Landes von Cemex, diese werden mit dem bestehenden Geschäft in Norddeutschland verbunden. Durch eine Verknüpfung der Geschäfte in Norddeutschland und in France Benelux will Holcim Synergien in der Lieferkette heben. Die Aktivitäten der tschechischen Holcim Česko gehen im Gegenzug an Cemex. In Spanien wollen beide Unternehmen ihre Aktivitäten bei Zement, Transportbeton und Zuschlagstoffen zusammenlegen. Holcim soll 25 Prozent an der kombinierten Einheit halten und für mindestens fünf Jahre beteiligt bleiben. Die M&A-Deals sind miteinander verknüpft, im Rahmen der Gesamttransaktion zahlt Holcim an Cemex 70 Mio. Euro in bar. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Der Abschluss der Transaktion, der für das vierte Quartal 2013 vorgesehen ist, hängt zudem noch vom Ergebnis der Due-Diligence-Prüfungen ab.

Ströer kauft erneut im Onlinesektor zu

Der Werbevermarkter Ströer Media hat sein Portfolio im Bereich Onlinewerbung weiter ausgebaut. Über die 100-prozentige Tochter Ströer Digital Group haben die Kölner das Berliner Startup mbr Targeting übernommen. Der M&A-Deal soll zusätzliche Möglichkeiten für genaue Zielgruppenansprache in der Onlinevermarktung eröffnen und zur Internationalisierung des Onlinegeschäfts beitragen. Ströer-CEO Udo Müller sprach von einem „strategischen Landmark Deal“. Ströer übernimmt zunächst 79,1 Prozent des Startups von bmp Media Investors, der Vollzug des M&A-Deals wird für Anfang Oktober erwartet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Verkäufer bmp hatte sich erst im Juni 2012 gemeinsam mit dem VC Fonds Technologie Berlin und einer Gruppe von Business Angels um Dirk Freytag an der mbr beteiligt. Ströer baut den Bereich Onlinewerbung seit Ende des vergangenen Jahres massiv aus, zuletzt durch die mehrheitliche Übernahme von Ballroom und den Einstieg bei vier Online-Werbevermarktern.

Carlyle übernimmt Klenk Holz

Der PE-Investor The Carlyle Group hat von den Kartellbehörden grünes Licht für die Übernahme des deutschen Holzverarbeiters Klenk Holz (Umsatz 2011 ca. 386 Mio. Euro) bekommen. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt. Klenk Holz lag zuletzt noch zu 78 Prozent in Familienbesitz, die übrigen 22 Prozent hielt die West-LB-nachfolgegesellschaft Portigon. Ein Team der Kanzlei Latham & Watkins unter Federführung von Stefan Widder und Frank Grell hat Carlyle bei dem M&A-Deal beraten. Der PE-Investor hat in Deutschland erst vor wenigen Tagen den Pflegeheimbetreiber Alloheim übernommen.

Kawa übernimmt Conergy-Teile in zwei Schritten

Der US-amerikanische PE-Investor Kawa Capital Management hat Details zur geplanten Übernahme der globalen Vertriebseinheiten von Conergy bekannt gegeben. Der M&A-Deal wird in einem zweistufigen Prozess abgewickelt. Bereits erworben hat Kawa die Vertriebseinheiten in den
USA, Kanada, Singapur und Thailand. Diese Tochtergesellschaften hatten wegen der starken Auftragslage im Großkraftwerksbau erhöhten Finanzierungsbedarf angemeldet. Die Marke „Conergy“ und die weiteren globalen Vertriebseinheiten will Kawa in einem zweiten Schritt bis spätestens Anfang Oktober übernehmen. Bereits im Juli hatte der Conergy-Vorstand mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Sven-Holger UndritzKawa als Investor vorgestellt.

M&A-News: Personalie

M&A-Experte Markus Schackmann wird vom 1. Oktober an als Partner für Tax & Legal Services den Bereich Mergers & Acquisitions bei Deloitte verstärken. Der 49-Jährige wechselt von Luther, wo er über mehrere Jahre als Partner den Bereich M&A-Services geleitet hat. Zudem war er verantwortlich für den Aufbau des Londoner Büros von Luther. Er betreut vorwiegend Konzerne und großen mittelständische Unternehmen bei M&A-Deals. Mit Schackmann kommt Christofer Mellert als Partner an Bord, er ist M&A-Lehrbeauftragter an der Universität Münster.

Weitere M&A-Deals

Die RTL Group verabschiedet sich Berichten zufolge nach acht Jahren aus dem russischen Fernsehmarkt. Ein Unternehmenssprecher hat demnach dem Handelsblatt bestätigt, dass der Konzern seine Beteiligung an der russischen National Media Group verkaufen wolle, eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Seinen Anspruch, Nummer eins oder zwei im Ländermarkt zu werden, könne RTL in Russland auf absehbare Zeit nicht erreichen. Berichten zufolge besitzt RTL eine Put-Option, die der Konzern bis zum 16. September ziehen müsste. Der Verkaufserlös wird auf 80 Mio. Euro geschätzt. Wegen hoher Verluste hatte RTL sich im vergangenen Jahr auch von seiner griechischen Beteiligung getrennt.

Die Commerz Real hat das Erbbaurecht für die Sky-Konzernzentrale in Unterföhring für 50 Millionen Euro an eine Objektgesellschaft des schweizerischen Investors Gold Tree verkauft. Die Transaktion bildet den Abschluss der 2008 begonnenen Projektentwicklung. Im Rahmen des Verkaufs strukturierte Continuum Capital gemeinsam mit Gold Tree das bestehende Erbbaurecht neu und platzierte das Grundstück, auf dem das Erbbaurecht basiert, parallel bei einer deutschen Pensionskasse. Über die Höhe dieser Teiltransaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

Das Wohnimmobilienunternehmen Buwog, eine 100-prozentige Tochter der Immofinanz Group, hat für 45,8 Mio. Euro ein Portfolio mit 1.190 Wohnungen in Kassel übernommen. Der Wohnungsbestand in Deutschland wächst damit auf 6.300 Einheiten.

Für einen Kaufpreis von rund 72 Mio. US-Dollar will Lexmark International alle Aktien des deutschen Anbieters von Content-Management-Lösungen Saperion übernehmen. Zurzeit ist ViewPoint Capital Partners Hauptinvestor von Saperion. Die Zustimmung des Bundeskartellamts zum M&A-Deal wird für das dritte Quartal 2013 erwartet. Ein Team der Kanzlei Bird & Bird unter Federführung der Partner Stefan Münch und Fabian Niemann hat Lexmark beraten.

Der Aufzughersteller Otis hat das Unternehmen Hütter im Rahmen einer Nachfolgeregelung komplett übernommen. Das Bundeskartellamt hat die Transaktion bereits genehmigt. Der US-Konzern Otis erzielt weltweit einen Umsatz von 12,1 Mrd. US-Dollar und hat in Deutschland rund 2.400 Beschäftigte.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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