M&A-Deals: Für Kuka könnt es noch weitere Interessenten geben. Inzwischen hat Midea das offizielle Übernahmeangebot veröffentlicht.

Kuka

17.06.16
Deals

M&A-Deals: Kuka, PJT Partners, Bayer

Midea hat sein Angebot für die Kuka-Übernahme veröffentlicht, PJT Partners steigt in den deutschen M&A-Markt ein und Bayer kommt beim Monsanto-Deal nicht voran. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Spekulationen um Kuka: Mögliche weitere Bieter

Im Zuge der möglichen Übernahme des Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea gibt es laut der Nachrichtenagentur Dow Jones offenbar Spekulationen über weitere potenzielle Bieter. Nach Angaben von informierten Personen soll der Konzern ABB demnach ein Gegenangebot erwägen, sofern Kuka die Schweizer dazu auffordere. Ein Händler beurteilte dies allerdings als unrealistisch. Ein solcher M&A-Deal passe weder ins Konzept von ABB noch habe der Konzern die nötigen Mittel. Analysten von Goldman Sachs beurteilen das Szenario jedoch als strategisch sinnvoll.

Midea hat inzwischen ein offizielles Angebot abgegeben und bietet 115 Euro je Aktie, wie Reuters berichtete. Die Aktionäre können das Angebot bis zum 15. Juli annehmen. Der Konzern habe auch bekräftigt, dass kein Beherrschungsvertrag mit Kuka geplant sei. Nach Informationen von Reuters will Midea nicht mehr als 49 Prozent erwerben.

Die Politik sucht derzeit nach einer Alternativlösung für die chinesische Übernahme. Siemens zumindest hat offenbar kein Interesse an einer rettenden Übernahme von Kuka. Dow Jones zufolge hat Siemens-CEO Joe Kaeser einen Einstieg bei Kuka ausgeschlossen. Kaeser sieht den möglichen Verkauf von Kuka an Midea offenbar gelassen, wie die Agentur berichtete.

PJT Partners steigt in deutschen M&A-Markt ein

Das M&A-Beratungshaus PJT Partners hat erstmals eine Transaktion in Deutschland begleitet. Die Investmentboutique hat für den PE-Investor Blackstone den Verkauf des Offshore-Windkraftbetreibers WindMW strukturiert. Käufer ist der chinesische Stromkonzern Three Gorges. Der Kaufpreis wurde jedoch nicht bekanntgegeben.

PJT Partners wurde 2013 von Paul J. Taubman gegründet, der fast 30 Jahre lang bei Morgan Stanley tätig war. Im vergangenen Jahr legte er seine Investmentboutique mit dem Beratungsgeschäft von Blackstone zusammen. Das Deutschlandgeschäft leitet Johannes Gröller, der ebenfalls von Morgan Stanley gewechselt ist.

Bayer: Übernahme von Monsanto stockt

Die Übernahmepläne des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer für den Saatgutriesen Monsanto kommen offenbar nicht voran. Wie Reuters unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtete, habe Monsanto seine Bücher noch nicht geöffnet. Ende Mai hatte Monsanto das Angebot von Bayer als finanziell unangemessen abgelehnt. Eigentlich habe der US-Konzern allerdings erklärt, zu weiteren Gesprächen bereit zu sein.

Die Leverkusener hingegen wollen den Informationen von Reuters zufolge jedoch ihr Angebot nicht erhöhen, sofern sie keinen Zugang zu weiteren vertraulichen Monsanto-Informationen erhalten. Bislang steht die Offerte bei rund 55 Milliarden Euro.

BASF kauft Chemetall

Der Chemiekonzern BASF hat vom US-Konzern Albemarle die Tochter Chemetall, einen Anbieter von Oberflächentechnik, gekauft. Der Kaufpreis beträgt 3,2 Milliarden Dollar. Chemetall hat seinen Hauptsitz in Frankfurt und hat im vergangenen Jahr mit rund 2.500 Mitarbeitern 845 Millionen Dollar umgesetzt. Nach Zustimmung der Kartellbehörden soll der Deal bis Ende 2016 abgeschlossen sein. BASF will dem Kauf von Chemetall sein Geschäft für Oberflächenbehandlung ergänzen. Albemarle hatte die Kanzlei Shearman & Sterling als Berater mandatiert. Das Team leiteten John Marzulli, Daniel Litzowitz und Alfred Kossmann.

Finanzinvestor EQT will BSN verkaufen

Der PE-Investor EQT will den Medizinproduktehersteller BSN Medical verkaufen, wie Reuters unter Berufung auf Insider mitteilte. BSN stellt unter anderem „Leukoplast“-Pflaster her. EQT habe die Investmentbank JP Morgan mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Auch ein Börsengang Ende des Jahres sei möglich. Dem Bericht zufolge sei ein Verkauf an einen Finanzinvestor aber wahrscheinlicher. Es gebe schon namhafte Interessenten aus den USA.

EQT hatte 2012 für rund 1,8 Milliarden Euro 69 Prozent der Anteile an BSN erworben. Für einen Verkauf werde ein Volumen von über 2 Milliarden Euro kolportiert. Der operative Gewinn von BSN liegt bei rund 200 Millionen Euro.

Munich Re plant Exit beim Spezialversicherer GLA

Der Rückversicherer Munich Re will den australischen Spezialversicherer Great Lakes Australia (GLA) so schnell wie möglich verkaufen. Wie der Konzern bekanntgab, passt das Geschäft nicht länger zur Strategie. Munich Re will sich künftig in Australien wieder auf das Rückversicherungsgeschäft konzentrieren.

Das Nischengeschäft von GLA blieb demnach hinter den Wachstumszielen für Australien und Neuseeland zurück. Die Bruttobeiträge von GLA liegen nach Angaben von Munich Re bei rund 500 Millionen Australischen Dollar.

Offenbar Käufer für Thyssengas gefunden

Der niederländische Infrastruktur-Fonds DIF und der französische Energiekonzern EDF wollen offenbar den Gasnetzbetreiber Thyssengas kaufen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Finanzkreise. Das Konsortium will demnach rund 700 Millionen Euro für Thyssengas zahlen.

Als weitere Bieter seien Reuters zufolge der belgische Versorger Fluxys, der italienische Konzern Snam, der australische Vermögensverwalter First State Investments und ein Konsortium aus der Luxemburger Energiefirma Enovos und Swiss Life im Rennen gewesen. Thyssengas gehört seit 2011 dem australischen Investor Macquarie.

M&A-Personalien

Lars Laeger wechselt von der Kanzlei Clifford Chance zu Arqis Rechtsanwälte. Der 36-Jährige steigt dort als Salary-Partner ein. Laeger arbeitete seit 2009 im M&A-Team von Clifford Chance und berät unter anderem bei Unternehmenskäufen, Restrukturierungen und Joint Ventures.

Weitere M&A-Deals

Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore hat 10 Prozent seiner Rohstoffsparte an den Pensionsfonds British Columbia Investment Management veräußert. Der Kaufpreis beträgt 625 Millionen US-Dollar (rund 557 Millionen Euro). Bereits im April hatte Glencore ein Aktienpaket in Höhe von 40 Prozent für 2,5 Milliarden US-Dollar (rund 2,2 Milliarden Euro) an einen weiteren kanadischen Pensionsfonds veräußert. Glencore hält nun noch 50,01 Prozent an dem Geschäftsbereich. Beraten wurde Glencore bei dem Verkauf durch Barclays, Citi und Credit Suisse sowie durch die Kanzlei Linklaters.

Das hessische Kabinett hat laut dpa dem Verkauf der Anteile am Flughafen Frankfurt-Hahn an den chinesischen Investor Shanghai Yiqian Trading zugestimmt. Demnach ist auch mit der Zustimmung des Haushaltsausschusses des hessischen Landtags zu rechnen. Hessen hält bislang 17,5 Prozent an dem Flughafen. Das Land Rheinland-Pfalz, das die übrigen Anteile besitzt, hat bereits einen Kaufvertrag mit dem Investor unterzeichnet.

Der Autobauer Volkswagen will sein Komponentengeschäft bündeln, um Kosten zu sparen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Kreise. Dazu könne sich VW von Randaktivitäten trennen. Zu diesen gehören Analysten zufolge auch die MAN-Sparten „Diesel & Turbo“ sowie der Getriebehersteller Renk und der Motorradhersteller Ducati. Die Maschinenbausparte der Tochter MAN wird der Nachrichtenagentur Reuters zufolge jedoch vorerst nicht von einem Verkauf betroffen sein.

Der Versicherungskonzern Allianz Gruppe erwirbt Zurich Assurances Maroc, ein marokkanisches Tochterunternehmen des Versicherers Zurich. Der Kaufpreis beläuft sich auf 244 Millionen Euro. Die Übernahme soll Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Der Konsumgüterkonzern Henkel bereitet sich auf weitere große M&A-Deals vor, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones mitteilte. Damit will sich Henkel nach eigenen Angaben ausgewählte Marken sichern und sein Geschäft weiter digitalisieren.

Der Personaldienstleister Randstad hat Twago, eine Freelancer-Plattform, übernommen. Details des Deals sind nicht bekannt. Randstad hatte bereits vor knapp zwei Jahren über seinen Innovation Fund in Twago investiert.

Der insolvente Holzverarbeiter German Pellets hat mit German Pellets Sachsen sein letztes Werk verkauft, wie die „Freie Presse“ berichtete. Den Betrieb übernimmt das Unternehmen PLT Pellet Lohnfertigung Torgau. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Allerdings soll der Großteil der Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Der PE-Investor VR Equitypartner hat seine Beteiligung an der Ismet Holding, einem Hersteller von Transformatoren, an Phoenix Mecano Power Quality veräußert. Auch Gesellschafter Jürgen Bayer hat im gleichen Zuge seine Anteile verkauft. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Das Technologieunternehmen EQS Group hat seine Beteiligung an Ariva.de, einem Daten- und Softwaredienstleister für Finanzinstitute, auf 50 Prozent plus eine Aktie erhöht. Für das aktuelle Geschäftsjahr erwartet Ariva.de einen Umsatz von rund 5,6 Millionen Euro.

Das Bundesverteidigungsministerium hat die LHD Group Deutschland, einen Dienstleister für Berufs- und Schutzkleidung, an einen Investor mit Sitz in Singapur verkauft. Das Unternehmen gehörte bislang zur LH-Bekleidungsgesellschaft, die das Bundesministerium seit etwa einem Jahr kontrolliert. Als Berater war die Kanzlei Hogan Lovells für das Ministerium tätig.

Ergomed, ein britischer Dienstleister für die Pharmaindustrie, hat zwei deutsche Dienstleistungsunternehmen erworben. Der Deal umfasst das Auftragsforschungsinstitut Dr. Oestreich + Partner sowie die Gesellschaft für angewandte Statistik + Datenanalyse. Beide Unternehmen zusammen erzielten im vergangenen Geschäftsjahr Umsätze von rund 1,3 Millionen Euro.

Der südafrikanische Möbelhändler Steinhoff erwägt einem Bericht der Nachrichtenagentur Dow Jones zufolge, für die britische Billigladenkette Poundland zu bieten. Steinhoff habe noch keine feste Absicht, eine Offerte abzugeben. Die Marktkapitalisierung von Poundland liegt bei rund 616 Millionen Euro.  Zuletzt war die angestrebte Übernahme des Elektronikhändlers Darty gescheitert.

Siemens‘ Übernahme des spanischen Windanlagenbauers Gamesa verzögert sich weiter, wie Reuters berichtete. Es gebe noch keine Übereinkunft zwischen den Parteien. Grund für die Verzögerungen seien Bedenken der spanischen Regulierungsbehörden sowie langwierige Verhandlungen mit dem französischen Konzern Areva, der mit Gamesa ein Joint Venture betreibt. Die regulatorischen Hindernisse sollen aber inzwischen überwunden sein, wie Reuters unter Berufung auf Insider schreibt.

Highlight Event and Entertainment (HLEE) hat 3,36 Prozent der Anteile an dem Medienunternehmen Constantin Medien erworben. HLEE und Hauptaktionär Bernhard Burgener besitzen damit insgesamt 10,47 Prozent der Constantin-Anteile. Den Zukauf finanziert HLEE über eigene Mittel sowie Darlehen.

Schindler Deutschland, ein Anbieter von Aufzügen und Fahrtreppen, kauft die sächsische FB Gruppe, die ebenfalls Aufzüge herstellt. Details des Deals sind nicht bekannt. Die Freigabe durch die Kartellbehörden steht noch aus.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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