Tui

28.04.16
Deals

Tui verkauft Hotelbeds für 1,2 Milliarden an Cinven

Die Tui-Tochter Hotelbeds geht für 1,2 Milliarden Euro an Cinven. Damit zahlt der Finanzinvestor wesentlich mehr als erwartet. Verlierer des Deals ist der Cinven-Rivale EQT.

Mehrere Monate hat das Bietergefecht um die Tui-Tochter Hotelbeds angedauert, jetzt steht der Sieger fest: Der PE-Investor Cinven hat das Rennen gemacht und kauft Hotelbeds für fast 1,2 Milliarden Euro.

Hotelbeds ist ein Online-Buchungsportal und vermittelt Übernachtungen und Ausflüge an Großabnehmer wie Reiseveranstalter, Reisebüros und Online-Portale. Die Gruppe hat im Geschäftsjahr 2015 mit über 6.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (Ebita) von 69 Millionen Euro erzielt. Cinven hat damit Hotelbeds mit einem Multiple von 17x Ebita bewertet. Der jetzt vereinbarte Kaufpreis ist auch deutlich höher als im Vorfeld erwartet. Bislang reichten die Schätzungen von 750 Millionen bis zu 1 Milliarde Euro.  

Damit hat Tui-CFO Horst Baier einen guten Deal eingefädelt. Die Erlöse sollen „für Investitionen in zukünftiges Wachstum und zur Stärkung der Bilanz“ verwendet werden, heißt es in der Pressemitteilung des Reisekonzerns. Der Konzern befindet sich derzeit im Umbau.  Hotelbeds passte nicht mehr ins strategische Konzept, da Kunden und Vertriebswege sich erheblich vom Stammgeschäft des Konzerns mit Pauschalreisen unterscheiden. 

PE-Investor EQT kam bei Hotelbeds nicht zum Zug

Verlierer des Deals ist der schwedische PE-Investor EQT, dem ebenfalls  ein Interesse an Hotelbeds nachgesagt wurde. Das strategische Interesse von EQT an Hotelbeds dürfte hoch gewesen sein, nachdem die Schweden im Februar den Schweizer Reisekonzern Kuoni gekauft hatten.

Den Großteil des Umsatzes erwirtschaftet Kuoni mit der Tochterfirma GTD, die im gleichen Geschäft wie Hotelbeds tätig ist. Und der Markt der Bettenvermittler ist strak zersplittert. Weltmarktführer Hotelbeds kontrolliert gerade einmal einen Marktanteil von 6 Prozent. Eine mögliche Zusammenführung von GTD und Hotelbeds bot EQT die große Chance, einen klaren Marktführer zu formen und diesen als Ausgangspunkt für weitere konsolidierende Zukäufe zu verwenden. Auch der neue Hotelbeds-Eigentümer Cinven hatte zu den Interessenten von Kuoni gehört, den Zuschlag aber nicht bekommen.

Cinven will IT von Hotelbeds modernisieren

Cinven hat ebenfalls schon Investmenterfahrungen in der Reisebranche gesammelt. Der Investor hatte bis 2011 den Anbieter von Technologielösungen für die Reisebranche Amadeus in seinem Portfolio und erzielte beim Verkauf ein siebenfaches Return on Investment. Das Thema IT soll auch bei Hotelbeds eine große Rolle bei der Wertsteigerung spielen: „Wir sehen großes Wachstumspotential durch weitere Investitionen in die IT“, sagte Jorge Quemada, Partner bei Cinven.

Noch steht die Genehmigung durch die Kartellbehörden aus, das Closing soll bis Ende September erfolgen. Beraten wurde Cinven von Bain & Company (Commercial), Freshfileds Bruckhaus Deringer (Recht), Lazard, Morgan Stanley, HSBC und PwC (M&A), Deloitte (Steuern) und PwC (Finanzen, Personal und IT).

julia.schmitt[at]finance-magazin.de