M&A-Deals: Der Saftproduzent Valensina hat einen neuen Großaktionär.

Thinkstock/Getty Images

13.11.15
Deals

M&A-Deals: Valensina, Vattenfall, BDO

Valensina hat einen neuen Großaktionär aus Asien, Steag könnte das Braunkohlegeschäft von Vattenfall übernehmen und BDO treibt die Konsolidierung in der Wirtschaftsprüferbranche voran. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Thailändischer Konzern Singha steigt bei Valensina ein

Der thailändische Getränkekonzern Singha hat 49 Prozent am Mönchengladbacher Saftproduzenten Valensina gekauft. Die Familie Mocken bleibt weiter als Haupteigentümer bei Valensina investiert. Beraten wurde Singha von Paul Hastings (Federführung: Regina Engelstädter).

Damit steht auch die Mittelstandsanleihe des Saftherstellers weiter auf sicheren Füßen – bei einem mehrheitlichen Verkauf hätten die Gläubiger ein Sonderkündigungsrecht gehabt. Allerdings läuft die Anleihe nur noch bis April 2016. Valensina wird sich also bald am Kapitalmarkt um eine Refinanzierung kümmern müssen.

Steag interessiert sich für Kohlegeschäft von Vattenfall

Der Energiekonzern Steag zieht in Betracht, Vattenfall sein ostdeutsches Braunkohlegeschäft abzukaufen, so ein Bericht des Handelsblatts. Demnach habe Steag den Finanzinvestor Macquarie angeheuert, um eine Übernahme zu prüfen. Auch der tschechische Versorger CEZ hat Interesse an Vattenfalls Braunkohlegeschäft und will bis zum 21. Dezember entscheiden, ob er ein verbindliches Angebot abgibt.

Burda Digital übernimmt Jameda

Tomorrow Focus hat das eHealth-Unternehmen Jameda an Burda Digital, ein Tochterunternehmen der Hubert Burda Media Gruppe, veräußert. Der voraussichtliche Kaufpreis beläuft sich auf rund 46,8 Millionen Euro, was einem Ebitda-Multiple von 22 entspricht. Jameda betreibt ein Onlineportal für Arztempfehlungen und erwartet nach Unternehmensangaben einen Jahresumsatz von etwa 6 Millionen Euro.

Aus dem M&A-Deal erwartet Tomorrow Focus einen geschätzten IFRS-Buchgewinn von 38,1 Millionen Euro. Die Transaktion soll noch Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. M&A-Berater der Verkäuferseite war Altium, die rechtliche Beratung leistete die Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing unter Federführung von Peter Hellich.

BDO übernimmt Arbicon Zink

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO setzt die Marktkonsolidierung fort und übernimmt Arbicon Zink, einen Experten für Maritimwirtschaft. BDO integriert die Oldenburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zum 1. Januar 2016 in sein Netzwerk. Bislang gehörte Arbicon Zink zu PKF. BDO will mit der neuen BDO Arbicon nicht nur seine Expertise für die maritime Wirtschaftsbranche ausbauen, sondern auch im Nordwesten Deutschlands stärker präsent sein.

B. Braun expandiert im Dialyse-Provider-Geschäft

Via Medis Nierenzentren, eine Tochtergesellschaft von B. Braun Avitum, hat die DTZ Dialyse Trainingszentren erworben. Mit dem Deal verstärkt sich die B. Braun Melsunge Gruppe, ein Versorger des Gesundheitsmarktes, im Bereich der Versorgung chronisch erkrankter Nierenpatienten. Via Medis betreibt bundesweit Medizinische Zentren an derzeit 20 Standorten. DTZ betreibt 14 Nierenzentren in Deutschland, drei in Österreich und eines in Italien. Über das Transaktionsvolumen wurde Stillschweigen vereinbart.

FPS hat die Transaktion auf Käuferseite rechtlich von der Due Diligence bis zum Vollzug des Kaufvertrages begleitet (Federführung: Georg-Peter Kränzlin und Sebastian Weller). Betriebswirtschaftlich und steuerlich hat Deloitte beraten. Auf der Verkäuferseite war die Nürnberger Kanzlei Beisse & Rath mit der rechtlichen Begleitung betraut. In sozial- und medizinrechtlichen Aspekten beriet die Fürther Kanzlei Preißler Ohlmann & Partner und im Steuerrecht das Nürnberger Büro von Roever Broenner Susat Mazars.

M&A-Personalien

Bernd Rödl, Gründer der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Trotz seines Krebsleidens war er bis zuletzt in die Entwicklung der Gesellschaft involviert. Rödl hatte sich 1977 selbstständig gemacht, und seine Kanzlei in der Folge international ausgerichtet: Die von ihm gegründete Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat heute nach eigenen Angaben Niederlassungen in 46 Ländern. Für sein unternehmerisches Engagement wurde Bernd Rödl mehrfach ausgezeichnet.

Die Kanzlei Baker & McKenzie baut ihre Corporate-Praxis am Standort Düsseldorf mit dem Einstieg von Heiko Gotsche als neuem Partner aus. Er kommt mit Wirkung zum 16. November von Hengeler Mueller, wo er seit 2009 tätig war, zuletzt als Senior Associate.

Rödl & Partner will ihr Dienstleistungsangebot in Stuttgart ausbauen und ein Bewertungs- und Transaktionsteam an dem Standort aufbauen. Dieses soll von Stefan Herrmann geleitet werden, der bislang den Münchener Bereich Valuation Services führt.

Weitere M&A-Deals

Der Berliner Online-Möbelhändler Home 24 übernimmt Fashion For Home, der seinen Sitz ebenfalls in Berlin hat. Mit dem M&A-Deal baut Home 24 nach eigenen Angaben seine Stellung als größter europäischer Online-Möbelhändler aus. Das Unternehmen ist demnach in sieben europäischen Ländern aktiv und beschäftigt über 1.200 Mitarbeiter. Beide Marken sollen bestehen bleiben.

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck kann die Übernahme von Sigma-Aldrich für 13,1 Milliarden Euro abschließen. Mittlerweile hat der Darmstädter Konzern die Auflagen der EU-Kommission erfüllt. Der Abschluss des M&A-Deals ist für den 18. November geplant.

Der Baukonzern Cimic Group will laut der Nachrichtenagentur Dow Jones die restlichen Anteile an dem Wohnungsbauunternehmen Devine übernehmen. Bislang hält Cimic 50,63 Prozent an Devine und bietet den Minderheitsaktionären 0,75 Australische Dollar je Aktie. Insgesamt hat der Deal ein Volumen von knapp 78 Millionen Euro (119 Millionen Australische Dollar). Devine hatte im Oktober eine Gewinnwarnung für 2015 veröffentlicht.

Korian, ein französischer Betreiber von Pflegeheimen, übernimmt die Casa Reha-Gruppe. Eine entsprechende Vereinbarung wurde unterzeichnet, der M&A-Deal muss allerdings noch vom Bundeskartellamt freigegeben werden. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Korian betreibt mit 40.000 Mitarbeitern über 600 Einrichtungen in Europa, Casa Reha bietet in Deutschland mit 4.000 Mitarbeitern Betreuung in rund 70 Pflegeheimen an. Korian wurde bei dem Deal durch die Kanzlei Hengeler Mueller beraten.

Der niederländische Telefonkonzern KPN will einen Teil seiner Anteile an Telefonica Deutschland an institutionelle Investoren veräußern. Insgesamt will KPN 150 Millionen Aktien – etwa 5 Prozent – platzieren und behält damit noch 15,5 Prozent an Telefonica Deutschland. Derzeit würde das Aktienpaket etwa 815 Millionen Euro einbringen.

Der von Afinum beratene Private-Equity-Fonds AF Eigenkapitalfonds für deutschen Mittelstand hat eine Minderheit an dem Softwareunternehmen Empolis Information Management erworben. Beraten wurde Afinum durch die Kanzlei Taylor Wessing unter Federführung von Ernst-Albrecht von Beauvais. Die Verkäuferseite wurde durch Advises sowie KDHT Kallus + Hilger begleitet.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes könnte schon bald wieder auf den Markt kommen, wie die Internetseite Meedia.de berichtete. Die Mediengruppe Forbes wurde erst im vergangenen Jahr von dem asiatischen Konsortium Integrated Whale Media übernommen, wobei der Unternehmenswert auf 475 Millionen US-Dollar geschätzt wurde. Allerdings klage die Forbes-Familie nun unter anderem wegen versäumter Zinszahlungen gegen das Konsortium. Wird der M&A-Deal rückabgewickelt, dann könnte auch das Medienhaus Axel Springer Interesse an Forbes haben.

Der Halbleiterproduzent Dialog Semiconductor kann den US-Konzern Atmel nicht ohne Hindernisse übernehmen, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete. Der Hedgefonds Elliott Management, der die Übernahmepläne ablehnt, hat seinen Anteil an Atmel von 2,9 auf 3,6 Prozent erhöht und ruft die Aktionäre von Dialog Semiconductor dazu auf, gegen den 4,6 Milliarden US-Dollar schweren M&A-Deal zu stimmen.

Bertelsmann investiert weiter in sein Bildungsgeschäft: Der Medienkonzern hat im Rahmen einer Finanzierungsrunde mit einem Volumen von insgesamt 105 Millionen US-Dollar seine Beteiligung am Fortbildungsanbieter Udacity erhöht. Damit wird Bertelsmann nach eigenen Angaben zu einem der größten Anteilseigner von Udacity.

Osram will sein Lampengeschäft nicht einfach an den Höchstbietenden veräußern, wie Reuters berichtete. Stattdessen soll der bestmögliche neue Eigentümer gefunden werden. Allerdings rechnet Osram mit einem mindestens dreistelligen Verkaufserlös. Dem Konzern zufolge besteht reges Interesse aus Asien.

Die auf Kunststoffverarbeitung spezialisierte Friedola Gruppe hat ihre Markenrechte an BEMA und Wehncke veräußert. Käufer ist das Unternehmen Happy People. Der Vertrag wurde bereits vollzogen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.