M&A-Deals: MTU Aero Engines, Tubulis, RBI

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MTU Aero Engines will vom Verteidigungsboom profitieren und investiert in Drohnentechnologie. Foto: Timon - stock.adobe.com
MTU Aero Engines will vom Verteidigungsboom profitieren und investiert in Drohnentechnologie. Foto: Timon - stock.adobe.com

MTU Aero Engines übernimmt Drohnen Start-up

MTU Aero Engines setzt beim Ausbau seines Militärgeschäfts auf Zukauf. Der Münchener Triebwerksbauer übernimmt das Kölner Start-up Aerodesignworks, das Turbojet-Antriebe für kleinere unbemannte Luftfahrzeuge und Lenkflugkörper entwickelt und produziert. Zum Kaufpreis macht MTU keine Angaben. Aerodesignworks beschäftigt knapp 40 Mitarbeiter und setzt rund 10 Millionen Euro um. Kunden sind unter anderem MBDA, Airbus und Boeing.

MTU will mit dem Zukauf eine Lücke im Portfolio schließen – vom Antrieb für unbemannte Systeme bis zur Einbindung in künftige Plattformlösungen. Konzernchef Johannes Bussmann sieht die Transaktion als Hebel, um das Militärgeschäft schneller wachsen zu lassen. Bislang erzielt MTU weniger als 10 Prozent des Umsatzes mit militärischen Triebwerken und Instandhaltung.

Tubulis wird von Gilead übernommen

Nächster Milliarden-Deal mit deutscher Beteiligung: Tubulis ist künftig in US-amerikanischer Hand: Das Biopharma-Unternehmen Gilead zahlt für das Münchener Biotech zunächst 3,15 Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) in bar und stellt zusätzlich bis zu 1,85 Milliarden Dollar (rund 1,6 Milliarden Euro) an erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen in Aussicht. Finanziert wird der Deal aus Barmitteln und vorrangig unbesicherten Anleihen.

Mit Tubulis holt sich Gilead Plattformtechnologien und klinische Programme ins Haus, um Antikörper-Wirkstoff-Konjugate gezielter an Tumoren auszuspielen. Dabei soll Tubulis nach Vollzug als dedizierte Forschungseinheit für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate innerhalb von Gilead weiterarbeiten.

Gilead ließ sich finanziell von Centerview Partners und Allen & Company beraten. Die rechtliche Beratung übernahmen Covington & Burling, Arnold & Porter und Venable. Tubulis mandatierte JP Morgan als exklusiven Finanzberater sowie Goodwin Procter und CMS als Legal Counsel.

RBI will Addiko übernehmen

Die Raiffeisen Bank International (RBI) nimmt Addiko ins Visier und bereitet ein Übernahmeangebot vor. RBI bietet für sämtliche Aktien, die nicht von Addiko selbst gehalten werden, 23,05 Euro je Papier. Das Angebot steht unter aufschiebenden Bedingungen, darunter kartell- und aufsichtsrechtliche Freigaben sowie eine Mindestannahmeschwelle von über 75 Prozent. Die Angebotsunterlage will RBI in den nächsten Wochen einreichen. Nach der Veröffentlichung soll die Annahmefrist zehn Wochen betragen. Ein Delisting-Angebot ist nicht vorgesehen.

Zusätzlich hat RBI mit der serbischen Alta Group eine Vereinbarung getroffen, die nach dem erfolgreichen Angebot einen Carve-out vorsieht: Addiko soll die Tochterbanken in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro veräußern. Der Preis soll dabei mindestens dem Verkehrswert entsprechen. Die Einheiten in Kroatien, Slowenien und Österreich will RBI behalten.

Weitere M&A-Deals

Der britische Mobilitäts- und Bahntechnikanbieter Tracsis übernimmt das Leipziger Technologieunternehmen Vesputi, das hinter der Plattform Mobilitybox, die ÖPNV-Tickets über APIs in Dritt-Apps und Websites integriert, steckt. Tracsis zahlt zunächst 5,8 Millionen Euro (inklusive 800.000 Euro Netto-Cash), finanziert aus vorhandenen Mitteln. Zusätzlich sind bis zu 2,4 Millionen Euro an Earn-out-Zahlungen bis Ende 2027 vereinbart, davon bis zu einer halben Million Euro in Aktien. Vesputi mit sechs Beschäftigten bleibt operativ bestehen und wird in die Division „Rail Technology & Services“ integriert. Die M&A-Beratung Saxenhammer beriet die Leipziger bei diesem Deal.

Arsipa baut den Bereich Arbeitsmedizin in der Rhein-Neckar-Region aus. Der Dienstleister für Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit, Arbeitspsychologie und Umweltschutz übernimmt MDS Wörner. Damit sichert Arsipa die Nachfolge in Eppelheim und übernimmt einen gewachsenen Kundenstamm aus Industrie, Gewerbe und Dienstleistung. Außerdem wechselt das gesamte Team zu Ascatu. Arsipa, hinter dem der Finanzinvestor Warburg Pincus steht, setzt damit seine „Buy and Build“-Strategie im Gesundheitssektor fort. GSK Stockmann beriet Arsipa juristisch.

Der Automobilzulieferer Meili übernimmt die ACPS Gruppe. Das Übernahmeziel ist ebenfalls ein Zulieferer und stellt Anhängerkupplungen her. Strategisch zielt Meili auf Wachstum und zusätzliche Marktanteile im nationalen wie internationalen Anhängerkupplungsmarkt. Die Kanzlei Baker McKenzie beriet Meili bei dem Deal.

Blick in den M&A-Markt

Der M&A-Markt startet 2026 mit spürbar mehr Tempo. Im ersten Quartal wurden weltweit zwölf Mega-Deals in Höhe von jeweils mehr als 10 Milliarden Dollar (rund 8,6 Milliarden Euro) abgeschlossen – so viele wie in keinem Quartal seit 2008. Im Vorquartal waren es lediglich zwei. Das zeigt der Quarterly Deal Performance Monitor von WTW und dem M&A Research Centre der Bayes Business School.

Das Deal-Volumen der abgeschlossenen Transaktionen stieg dadurch auf 438 Milliarden Dollar (rund 374,9 Milliarden Euro), was einem Fünfjahreshoch sowie einem Plus von 155 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Außerdem waren die Deals deutlich größer: 56 Deals erreichten ein Volumen von über 1 Milliarde Dollar (rund 8,6 Millionen Euro), weitere 215 Transaktionen kamen über 100 Millionen Dollar (rund 85,6 Millionen Euro).

Deals in Verhandlung

Deal geplatzt: Die ING verkauft ihr Russlandgeschäft doch nicht an den Moskauer Käufer Global Development. Die Niederländer begründen den Schritt damit, dass es „keine realistische Erwartung“ gebe, dass der Käufer die nötigen Genehmigungen für den Deal erhält, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. ING betont zugleich, man sehe „keine Zukunft in Russland“ und arbeite weiter an einem Ausstieg.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

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