SAP kauft US-Software-Anbieter
SAP setzt auf Künstliche Intelligenz (KI). Die Walldorfer übernehmen den US-Software-Anbieter Reltio, der sich auf cloudbasiertes Master Data Management spezialisiert hat. Reltio hilft Unternehmen, strukturierte und unstrukturierte Daten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen, zu bereinigen und in Echtzeit nutzbar zu machen – als einheitliche Datenbasis für KI-Anwendungen. Zum Kaufpreis machten die Parteien keine Angaben, jedoch war Reltio bei einer Finanzierungsrunde im November 2021 mit 1,7 Milliarden Dollar bewertet worden.
Mit dem Zukauf will SAP ein Kernproblem vieler KI-Projekte adressieren: fehlender Datenkontext über Systemgrenzen hinweg. Reltio soll die SAP Business Data Cloud stärken und SAPs Ziel stützen, eine interoperable Datenplattform für „agentische KI“ aufzubauen. „Die Übernahme wird unsere Position als führender Business-AI-Anbieter weiter verbessern, indem sie uns ermöglicht, SAP- und Nicht-SAP-Daten miteinander zu kombinieren, um so den Datenkontext zu liefern, den hochqualitative Business-AI benötigt“, sagt Muhammad Alam, SAP-Vorstandsmitglied für Product & Engineering.
Allianz tätigt erstes Investment in deutsches Stromnetz
Allianz setzt auf deutschen Strom: Der Versicherungskonzern hat sich über seinen Vermögensverwalter indirekt an dem Dortmunder Stromnetzbetreiber Amprion beteiligt. Dazu hat Allianz Global Investors eine Partnerschaft mit der Versicherungsgruppe Talanx geschlossen, die als Teil der M31 Beteiligungsgesellschaft mit 74,9 Prozent eine Mehrheitsbeteiligung an dem Stromhersteller hält.
Ziel des Zusammenschlusses ist der Allianz zufolge der Ausbau der Energieversorgung sowie die Förderung der Energiewende. „Das Investment in Amprion ergänzt sehr gut unser bestehendes Portfolio in Deutschland, das bereits den ersten deutsch-britischen Strom-Interkonnektor, ein vor kurzem angekündigtes Batteriespeicherprojekt sowie Wind- und Solarfarmen umfasst“, kommentiert Édouard Jozan, Head of Private Markets bei Allianz Global Investors, die Transaktion. Hengeler Mueller hat Allianz Global Investors bei der Beteiligung beraten. Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2026 vollzogen werden.
Rheinmetall setzt auf Drohnen
Rheinmetall will am Drohnen-Boom mitverdienen und geht mit Boeing Australia eine strategische Partnerschaft ein. Ziel ist es, bis 2029 eine ausgereifte Lösung für die Bundeswehr bereitzustellen. Rheinmetall sieht in der Partnerschaft ein Umsatzpotential im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Rheinmetall übernimmt in Deutschland die Rolle als Systemmanager und Systemintegrator. Das Unternehmen soll die Anbindung an bestehende und künftige Führungs- und Waffensysteme der Bundeswehr steuern, nationale Anforderungen umsetzen und Betrieb, Wartung sowie Logistik organisieren. Boeing Australia bringt die in Australien entwickelte Plattform ein; die offene, modulare Architektur soll Upgrades und die Integration von Fähigkeiten wie Aufklärung, elektronischer Kampfführung und Waffensystemen erleichtern.
Strategisch zielt das Duo auf Tempo und Souveränität: Ein industrieller Hub in Deutschland und Europa soll Wertschöpfung und Versorgungssicherheit erhöhen. Zugleich verschärft die Allianz den Wettbewerb um den milliardenschweren Bundeswehrauftrag, bei dem auch Airbus mit Kratos sowie Helsing antreten.
Weitere M&A-Deals
Novartis ist weiter auf Expansionskurs. Das Schweizer Pharmaunternehmen kauft die US-Biotechfirma Excellergy. Der Kaufpreis kann inklusive Meilensteinzahlungen bis zu 2 Milliarden Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) erreichen. Excellergy entwickelt Therapien gegen allergische Erkrankungen wie Lebensmittelallergien, chronische Nesselsucht oder Asthma. Strategisch erweitert Novartis damit sein Allergie-Portfolio.
Audentra ist auf Expansionskurs und holt das Ingenieurbüro RW Bauphysik in die Gruppe. Das Target bringt Expertise für baukritische Gutachten und Bauphysik mit, unter anderem Schallimmissionsschutz, thermische Bauphysik und Gebäudezertifizierung. Strategisch stärkt der Anbieter für spezialisierte Compliance-Dienstleistungen damit das Angebot für Infrastruktur- und Immobilienkunden und verankert bauphysikalische Beratung als Gruppenkernleistung. Baker Tilly beriet Audentra mit Financial Due Diligence und Tax Due Diligence sowie in den Vertragsverhandlungen.
Infitech greift nach dem nächsten Baustein im Makler-Ökosystem und übernimmt Verticus von HVP Hanse Vertriebspartner. Der Verkäufer hielt zuletzt rund 80 Prozent an dem auf den Vertrieb von Krankenversicherungen spezialisierten Unternehmen. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Verticus nutzt mit FKS-Vertriebsmanager bereits ein IT-System von Infitech und soll nun schrittweise weitere Lösungen aus der Gruppe integrieren. Im Fokus stehen KI-basierte Agentensysteme zur Automatisierung von Prozessen und zur Vertriebsunterstützung.
Zeppelin Rental übernimmt die Constellation Baulogistik Gruppe, bestehend aus CPC und Greenlean Baulogistik. Mit dem Zukauf will Zeppelin Rental zusätzliches Wachstum im Geschäftsfeld Baulogistik erschließen, wohingegen Greenlean vor allem die Planung von Baulogistikprozessen stärken soll. Die M&A-Beratung IMAP beriet die Anteilseigner der Constellation Baulogistik Gruppe beim Verkauf.
Reforged Studios, ein in Malta ansässiger Spielehersteller, hat alle Anteile an dem Videospiel-Publisher Headup erworben. Von der Akquisition des deutschen Unternehmens erhofft sich der Käufer, den Aufbau seiner Publishing-Plattform voranzutreiben und seine internationale Präsenz zu stärken. Headup wird nach der Übernahme weiterhin eigenständig agieren. Beraten wurde Reforged Studios von der Kanzlei Görg.
Blick in den M&A-Markt
Der europäische Vertragsmarkt kippt weiter zugunsten der Käufer. Das zeigt die CMS European M&A Study 2026, die 601 von CMS in Europa 2025 beratene Transaktionen auswertet. Earn-outs gewinnen erneut an Boden, Verjährungsfristen werden länger und niedrige Haftungs-Caps verlieren an Bedeutung.
Bei der Kaufpreismechanik bleibt vieles stabil: Kaufpreisanpassungsklauseln stehen unverändert in 48 Prozent der Deals, Locked-Box-Strukturen kommen – wo ohne Anpassung gearbeitet wird – in 54 Prozent der Fälle zum Zug. W&I-Versicherungen halten ihr Niveau und kommen bei 23 Prozent der Transaktionen zum Einsatz. Währenddessen geht der Anteil an Sicherheitsleistungen für Gewährleistungsansprüche weiter zurück: Nur noch 20 Prozent der Deals arbeiten mit Escrow oder Retention. Mac-Klauseln bleiben ein europäisches Nischenthema (14 Prozent), Schiedsverfahren setzen sich dagegen als Streitbeilegung weiter durch (44 Prozent).
Auffällig bleibt der transatlantische Unterschied in der Risikoverteilung: In den USA dominieren Kaufpreisanpassungen (92 Prozent) und Mac-Klauseln (96 Prozent) – in Europa bleibt der Markt deutlich „Closing-sicherer“ strukturiert. ESG spielt bei den untersuchten Deals weiterhin nur eine Nebenrolle: Eine spezifische ESG-Due-Diligence gab es nur bei 7 Prozent der Transaktionen, ESG-spezifische SPA-Regelungen lediglich bei 5 Prozent aller Deals.
M&A-Berater-News
Der Vermögensverwalter HRK Lunis holt zum April 2026 einen eigenen M&A-Verantwortlichen in den Vorstand. David Vogeler übernimmt die Bereiche Mergers & Acquisitions sowie Corporate Development und soll die „Buy and Build“-Agenda von HRK Lunis steuern. Der Fokus liegt auf Zukäufen von Vermögensverwaltern und strategischen Partnerschaften in der DACH-Region. Vogeler kommt vom Big-Four-Haus KPMG. Dort arbeitete er zuletzt als Partner im Financial-Services-Deal-Advisory, baute das M&A-Geschäft für Finanzdienstleister mit auf und leitete es.
Deals in Verhandlung
Die Übernahme von Klöckner & Co durch Worthington Steel geht in die nächste Runde. Die deutsche Tochter von Worthington Steel kündigte gegenüber dem Klöckner-Vorstand an, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Klöckner abschließen zu wollen. Wirksam wird der Vertrag erst mit der Zustimmung der Hauptversammlung.
Worthington Steel hatte am 5. Februar 2026 ein freiwilliges Übernahmeangebot zu 11 Euro je Aktie vorgelegt. Bis zum 26. März wurden Aktien im Umfang von 49,44 Prozent des Grundkapitals angedient. Zusammen mit bereits gehaltenen Aktien und Instrumenten hält Worthington Steel nach eigenen Angaben rund 58,8 Prozent und erreicht damit die Mindestannahmeschwelle von 57,5 Prozent.
JD.com kämpft weiter um den Abschluss der Ceconomy-Übernahme. Die Saturn- und Media-Markt-Mutter bestätigt, dass die investitionskontrollrechtliche Freigabe in Österreich weiter auf sich warten lässt. Für Deutschland und Spanien erwartet Ceconomy eine zeitnahe Erteilung. Hinsichtlich der investitionskontrollrechtlichen Freigabe in Österreich ist derzeit jedoch ungewiss, wann und ob diese kommt.
M&A-Gerüchteküche
Volkswagen soll mehr als 1.500 Tochtergesellschaften und Firmenbeteiligungen auf ihren Nutzen überprüfen – Verkäufe als Folge seien dabei nicht ausgeschlossen, wie die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf „hochrangige Insider“ berichtet. Ziel des Automobilherstellers sei es demnach, die Beteiligungsstruktur zu verschlanken und Komplexität im Konzern zu reduzieren. Dem Bericht zufolge steht auch die Veräußerung der Anteile an der Ingenieursgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) im Raum. IAV ist ein Dienstleister in der Automobilindustrie und beschäftigt insgesamt 6.600 Mitarbeiter, davon rund 5.500 in Deutschland.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
