Der Wiener Ölkonzern OMV wagt einen Milliarden-Deal in Abu Dhabi.

Adnoc - Abu Dhabi National Oil Company

01.02.19
Deals

M&A-Deals: OMV, NordLB, Symrise

Der Ölkonzern OMV kauft sich in das Raffineriegeschäft in Abu Dhabi ein, zwei Finanzinvestoren bieten zusammen für die NordLB und die NxStage-Übernahme durch Fresenius Medical Care verzögert sich. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

OMV macht Milliarden-Deal in Abu Dhabi

Der Ölkonzern OMV erwirbt 15 Prozent der Anteile am Raffineriegeschäft in Abu Dhabi. Die Österreicher bezahlen dafür 2,5 Milliarden Dollar (rund 2,2 Milliarden Euro) an den staatlichen Ölkonzern Adnoc. Der Abschluss der Transaktion wird für das dritte Quartal 2019 erwartet. Die Ratingagentur Moody’s bewertet den Deal als „credit positive“, der finanzielle Spielraum von OMV würde aber in den nächsten zwölf bis 18 Monaten sinken.

Bisher betreibt die teilstaatliche OMV drei Raffinerien in Österreich, Deutschland und Rumänien. Schon im Frühjahr 2018 kaufte sie für 1,5 Milliarden Dollar Anteile an zwei Ölfeldern im Nahen Osten. Mit dem Deal in Abu Dhabi erhöhe die OMV ihre Kapazität im Raffineriebereich um 40 Prozent und in der Petrochemie um 10 Prozent.

Cerberus und Centerbridge bieten zusammen für NordLB

Die NordLB hat ein gemeinsames Angebot zweier namentlich nicht genannter Private-Equity-Häuser erhalten. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge handelt es sich um die US-Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge. Wie die „FAZ“ berichtete, wollen die Private-Equity-Investoren mit jeweils einer halben Milliarde Euro rund ein Viertel des Kapitalbedarfs der NordLB abdecken. Dem „Handelsblatt“ zufolge seien es 600 Millionen Euro. Verschiedenen Medienberichten zufolge wird der Kapitalbedarf der Landesbank auf 3,5 Milliarden bis 3,7 Milliarden Euro geschätzt.

Cerberus und Centerbridge fordern im Gegenzug jeweils 24,9 Prozent an der Nord LB. Die restlichen 50,2 Prozent müssten die übrigen Eigner der NordLB – die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie die Sparkassen – aufbringen. Inzwischen haben sich die Sparkassen und die beiden Bundesländer aber entschieden, die NordLB ohne Beteiligung privater Investoren rekapitalisieren zu wollen.

Symrise kauft in den USA zu

Der Aromenhersteller Symrise übernimmt für 900 Millionen Dollar das US-Unternehmen ADF/IDF, einen Anbieter von natürlichen Inhaltsstoffen für Heimtiernahrung auf Basis von Fleisch- und Eiprodukten. Das Target erwirtschaftet einen Umsatz von 220 Millionen US-Dollar und eine operative Gewinnmarge (Ebitda) von 23 Prozent. Daraus errechnet sich für die Übernahme ein Umsatz-Multiple von 4x und ein Ebitda-Multiple von knapp 18x. M&A-seitig wurde Symrise von der BNP Paribas und der Kanzlei Clifford Chance beraten. BNP Paribas und Unicredit stellen eine Brückenfinanzierung bereit. M&A-Berater der Verkäufer war die Investmentbank Houlihan Lokey. Bei der Brückenfinanzierung wurde Symrise von der Kanzlei White & Case (Federführung: Matthias Bochum und Florian Degenhardt) beraten. 

US-Zukauf durch Fresenius Medical Care verzögert sich

Der Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) muss sich bei der Übernahme des amerikanischen Wettbewerbers NxStage Medical weiterhin in Geduld üben: Wegen der Haushaltssperre in den USA verzögere sich die Prüfung durch die US-Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC). Dies hätte FMC dazu veranlasst, die Frist zum Abschluss des NxStage-Zukaufs zu verlängern. Diese Frist endet, wenn die Kartellbehörde 60 aufeinander folgende Tage im Normalbetrieb gearbeitet hat, spätestens aber am 6. August dieses Jahres.

Schon im Sommer 2017 wurde bekannt, dass FMC den Dialysehersteller für rund 2 Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) übernehmen will. Seitdem wartet der Dax-Konzern auf die Zustimmung der amerikanischen Kartellbehörden. Ursprünglich sollte der Deal bis zum 5. Februar abgeschlossen sein.

Hannover Finanz trennt sich von Ziemann-Gruppe

Der Finanzinvestor Hannover Finanz verkauft das Geldtransportunternehmen Ziemann an den Sicherheitskonzern Loomis. Das schwedische Börsenunternehmen bewertet die Transaktion mit 160 Millionen Euro. Eigenen Angaben zufolge gibt auch der eng mit Hannover Finanz verbundene Co-Investor GBK Beteiligungen seine Anteile in Höhe von 7,5 Prozent ab und erhält dafür einen Kaufpreis von 9,6 Millionen Euro.

Beide Beteiligungsgesellschaften waren vor elf Jahren bei dem Freiburger Unternehmen eingestiegen, wobei sich unter ihnen der Umsatz von Ziemann von 45 auf rund 175 Millionen Euro fast vervierfacht hat. Neben den Finanzinvestoren veräußert auch Ziemann-Geschäftsführer Hans-Jörg Hisam seine 20-Prozent-Beteiligung an den schwedischen Sicherheitskonzern. Bei dem Deal wurden die Gesellschafter von Ziemann von der Kanzlei Latham & Watkins beraten.

Personalien

Die M&A-Beratung Proventis Partners hat nach dem Abgang von Alexander Muires einen neuen Chef für das Kölner Büro gefunden. Andreas Piechotta hat heute die Leitung für den Standort übernommen und kommt von dem M&A-Berater Clairfield, wo sein Schwerpunkt zuletzt auf M&A-Deals in Osteuropa lag.

Weitere Meldungen

Der US-Wohnmobilbauer Thor bezahlt für die Übernahme des schwäbischen Wettbewerbers Hymer 170 Millionen Euro weniger als ursprünglich vereinbart. Ferner sollen Hymer-Verbindlichkeiten im Wert von 180 Millionen Euro bei dem Deal außen vor bleiben, wie Thor bekannt gab. Grund für die Nachverhandlungen waren Unregelmäßigkeiten bei der Nordamerika-Tochter von Hymer.

Bosch will sein Verpackungstechnikgeschäft noch in diesem Jahr verkaufen. Das Interesse an der Sparte sei Bosch-CFO Stefan Asenkerschbaumer zufolge groß. Bosch geht davon aus, den Verkauf im dritten Quartal dieses Jahres abzuschließen. Der Technologiekonzern hatte sein Verpackungsgeschäft im Juni 2018 zum Verkauf gestellt. Die Sparte setzte 2017 mit etwa 6100 Mitarbeitern rund 1,3 Milliarden Euro um. Insider-Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte der Deal Bosch 500 Millionen bis 700 Millionen Euro einbringen.

Der Hersteller von Kupferprodukten und Kupferlegierungen KME verkauft für 119 Millionen Euro sein Messingstangengeschäft in Deutschland und Italien sowie sein Rohrgeschäft in Deutschland und Spanien. Käufer ist die chinesische Hailiang Group, die auf Kupferrohre und Messingstangen spezialisiert ist. Der Abschluss der Transaktion ist für das erste Quartal 2019 geplant. Die Wirtschaftskanzlei Linklaters (Federführung: Florian Harder) und die M&A-Beratung Acxit haben KME bei dem Deal begleitet.

Der US-Finanzinvestor Carlyle erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung am Bonner Softwarekonzern SER Group. Die bisherigen Anteilseigner sollen weiterhin mit einer signifikanten Minderheit am Softwareunternehmen beteiligt bleiben. Über den Kaufpreis und weitere Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Henning C. Schneider) hat die Gesellschafter von SER beraten.

Der französische Sanitärhersteller SFA erwirbt das sächsische Unternehmen Zehnder Pumpen, einen Produzenten und Entwickler von Pumpentechnik. Dabei soll Zehnder Pumpen mit seinen rund 250 Mitarbeitern eine eigene Rechtseinheit mit eigener Marke bleiben. Weitere Transaktionsdetails sind nicht bekannt. SFA wurde bei dem Kauf von der Wirtschaftskanzlei Dentons (Federführung: Thomas Strassner) unterstützt.

Die französische Medienagentur My Media übernimmt 51 Prozent an der deutschen Marketing-Agentur Peak Ace. Das gaben beide Unternehmen bekannt. My Media wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Beiten Burkhardt (Federführung: Christian von Wistinghausen) beraten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.