Renk übernimmt David Brown Defence
Renk kauft David Brown Defence vom US-amerikanischen Private-Equity-Investor Stellex Capital Management. Das britische Unternehmen mit Sitz in Huddersfield entwickelt und fertigt Hochpräzisionsgetriebe für Marine- und landbasierte Verteidigungsanwendungen und beschäftigt rund 530 Mitarbeitende. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.
Für Renk öffnet die Übernahme den Zugang zu Beschaffungsprogrammen der Five-Eyes-Staaten, des nachrichtendienstlichen Bündnisses zwischen den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland, das auch bei der Rüstungsbeschaffung eng kooperiert. David Brown Defence ist als zertifizierter Lieferant in das Global-Combat-Ship-Programm eingebunden, das bis zu 34 Schiffe umfasst, darunter Fregatten des Typs 26 sowie Einheiten der Hunter- und River-Klasse. Der gesicherte Auftragsbestand und die Projektpipeline belaufen sich bis 2030 auf mehr als 700 Millionen Britische Pfund.
Zudem kauft sich Renk durch die Übernahme Kompetenz im U-Boot-Bereich für geräusch- und vibrationsarme Antriebe ein. Im Landbereich ergänzt die Übernahme das RENK-Portfolio um Getriebekomponenten für die britischen Panzerprogramme Challenger 2 und Boxer, in die David Brown Defence bereits als Lieferant eingebunden ist. Barclays begleitete Renk als Finanzberater und Linklaters als Rechtsberater bei der Transaktion.
RWE beteiligt sich an Proxima Fusion
RWE setzt weiter auf Kernfusion. Die Essener beteiligen sich mit 25 Millionen Euro an der laufenden Finanzierungsrunde von Proxima Fusion. Das Münchener Start-up entwickelt Magnetfusionstechnologie mit dem Ziel, das erste kommerzielle Magnetfusionskraftwerk am RWE-Standort Gundremmingen zu errichten. Die Grundlage für die Beteiligung legte eine Kooperationsvereinbarung, die RWE, Proxima Fusion, das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik und der Freistaat Bayern im Februar unterzeichnet hatten.
RWE bringt neben Kapital auch Standort-Know-how ein. Der Rückbaustandort Gundremmingen verfügt über kerntechnische Infrastruktur, die für die Fusionsentwicklung genutzt werden soll. RWE will den Rückbau dort weiterführen, um die vorhandene Infrastruktur frühzeitig für eine Nachnutzung bereitzustellen. Der Konzern investiert nach eigenen Angaben parallel in Magnetfusions- und Laserfusionsunternehmen. Die Kanzlei Kirkland & Ellis beriet RWE bei dem Investment.
Deutz kauft FFG Flensburger Fahrzeugbau
Für 1,6 Milliarden Euro übernimmt der Kölner Motorenhersteller Deutz die FFG Flensburger Fahrzeugbau. Der Kaufpreis teilt sich in eine fremdfinanzierte Barkomponente von rund 1 Milliarde Euro und eine Eigenkapitalkomponente von rund 600 Millionen Euro auf, die über neu auszugebende Deutz-Aktien beglichen wird. Die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG werden damit mit 29,9 Prozent zum Ankeraktionär bei Deutz und erhalten zwei Sitze im Aufsichtsrat. FFG entwickelt und fertigt militärische Land- und Spezialfahrzeuge für die Bundeswehr, NATO-Streitkräfte sowie die Ukraine und erzielte 2025 einen Umsatz von rund 760 Millionen Euro.
Die Übernahme ist der bislang größte Schritt in der Neuausrichtung von Deutz im Rüstungssektor. Zuvor hatte der MDax-Konzern bereits den Notstromanlagen-Hersteller Frerk Aggregatebau, den Drohnenantriebsproduzenten Sobek und den Elektrifizierungsspezialisten UMS übernommen sowie sich als Lead-Investor an einer Finanzierungsrunde des Rüstungs-Start-ups Arx Robotics beteiligt. Das Closing wird für Ende 2026 bis erstes Quartal 2027 erwartet. Herter & Co. begleitete Deutz als Exclusive Debt Advisor bei der Akquisitionsfinanzierung, Milbank war als weiterer Finanzierungsberater für die Kölner tätig. CMS beriet die Eigentümerfamilien von FFG.
Weitere M&A-Deals
Der deutsche Online-Lotterie-Anbieter Zeal Network tritt mit der Übernahme von Sevencanyon in den britischen Gewinnspielmarkt ein. Zeal, das bereits an dem britischen Unternehmen beteiligt ist, erwirbt die verbleibenden 96,5 Prozent der Anteile für rund 33,8 Millionen Britische Pfund zuzüglich eines Earn-outs von bis zu 4,8 Millionen Pfund. Die Verbindung zu Sevencanyon reicht dabei länger zurück: Zeal hielt zuvor Anteile an dem assoziierten Unternehmen Cloud Canyon, die 2022 im Zuge einer Umstrukturierung in Sevencanyon eingebracht wurden und den Hamburgern eine Minderheitsbeteiligung von 3,5 Prozent einbrachten.
Sevencanyon betreibt mehrere Gewinnspiel-Plattformen in Großbritannien, darunter 7days Performance und Redline Competitions, und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr ein Ebitda von mehr als 10 Millionen Pfund. Zeal will das Geschäft über eigene Kompetenzen in Akquisitionsmarketing und Kundenbindung ausbauen. Für das erste volle Jahr nach Abschluss erwartet das Unternehmen einen positiven Ebitda-Beitrag im hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich.
Das Luft- und Raumfahrtunternehmen Airbus und der Triebwerkhersteller MTU Aero Engines bündeln ihre Kompetenzen: Gemeinsam wollen sie ein Joint Venture gründen, um einen vollelektrischen Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb zu entwickeln. Ein auf Wasserstoff basierendes Antriebskonzept ermögliche eine langfristige Verringerung der Klimaauswirkungen des Luftverkehrs, teilt MTU Aero Engines mit. Das Münchener Unternehmen vergleicht die dadurch zu erwartenden Veränderungen im Luftverkehr mit jenen im Automobilsektor, die durch die Einführung von Elektrofahrzeugen ausgelöst wurden. Das Joint Venture soll 2027 starten. Die entsprechende Absichtserklärung wurde bereits im Juni vergangenen Jahres unterzeichnet.
Ottobock übernimmt das spanische Unternehmen Fesia Technology von einem Konsortium spanischer Investoren. Fesia entwickelt Elektrostimulationssysteme für Patienten mit neurologischen Erkrankungen und beschäftigt rund 20 Mitarbeitende in Spanien. Mit dem Zukauf baut Ottobock sein Portfolio in der Neuro-Orthetik um eine eigene FES-Technologieplattform aus, die elektrische Impulse zur Stimulation beeinträchtigter Muskulatur einsetzt. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.
Die Mediengruppe Funke übernimmt die Mietportale Erento und Campanda vom österreichischen Medienunternehmen Russmedia. Erento vermittelt nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Mietanfragen pro Jahr, Campanda bietet rund 26.000 Wohnmobile in mehr als 40 Ländern zur Miete an. Beide Portale werden in die im April gegründete Listaro Group von Funke Digital eingegliedert, in der das Unternehmen sein Listing-Portfolio bündelt.
M&A-Berater-News
GSK Stockmann hat eine neue Partnerin an Bord geholt: Seit dem 3. Juli verstärkt Nina Leonard die Wirtschaftskanzlei. Der Neuzugang verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der M&A-Beratung. Zuletzt war sie knapp drei Jahre im M&A-Bereich sowie im Gesellschaftsrecht bei der Londoner Kanzlei Addleshaw Goddard tätig.
Deals in Verhandlung
Hapag-Lloyds geplante Übernahme des israelischen Konkurrenten ZIM für 4,2 Milliarden Dollar gerät offenbar in politischen Gegenwind. Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, haben sich Israels Premierminister Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz gegen den Deal unter den aktuellen Bedingungen ausgesprochen. Auslöser der Bedenken soll die Eigentümerstruktur von Hapag-Lloyd sein, an der die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien zusammen mehr als zwanzig Prozent halten. Die „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ berichtet unter Berufung auf das israelische Wirtschaftsmedium „Calcalist“, das Verteidigungsministerium befürchte zudem eine Beschränkung von ZIMs Routen auf das Mittelmeer zu Lasten von Verbindungen in die USA und nach Asien. Hapag-Lloyd hält nach eigenen Angaben an der Transaktion fest. Gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ erklärte das Unternehmen, man verfüge über ein verbindliches Merger-Agreement mit ZIM und arbeite mit den zuständigen Behörden an den erforderlichen Genehmigungen.
Die Frasers Group hat Ende Juni ein Übernahmeangebot für Hugo Boss vorgelegt, der Modekonzern wehrt sich. Der britische Einzelhändler bietet 38 Euro je Aktie, was einer Gesamtbewertung von rund 2,6 Milliarden Euro entspricht. Die Prämie auf den Schlusskurs vor Ankündigung liegt bei rund 4 Prozent. Das Angebot orientiert sich am gesetzlichen Mindestangebotspreis, unterliegt keiner Mindestannahmeschwelle und zielt nach Einschätzung von Hugo Boss vor allem darauf ab, die bestehende Beteiligung von rund 26 Prozent auf über 30 Prozent aufzustocken.
Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss empfehlen den Aktionären einstimmig, das Angebot abzulehnen. Gestützt auf Fairness Opinions von Bank of America und Goldman Sachs halten sie den Preis für zu niedrig. Die Beziehung zwischen beiden Unternehmen war zuletzt nicht frei von Spannungen: Im Dezember 2025 hatte Frasers Aufsichtsratschef Stephan Sturm die Unterstützung öffentlich entzogen, nur um kurz vor dem Angebot wieder einzulenken. Gleiss Lutz beriet die Frasers Group rechtlich bei dem Übernahmeangebot.
Burda plant den Verkauf der Reisebuchungsplattform Holidaycheck, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Unternehmens- und Finanzkreise berichtet. Demnach habe Burda die Investmentbank Raymond James mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Der Prozess soll sich noch in einem frühen Stadium befinden, über ein mögliches Kaufpreisziel ist nichts bekannt. Burda selbst bestätigte auf Anfrage lediglich, das Equity-Portfolio strategisch neu aufzustellen und bestehende Beteiligungen zu prüfen. Zu einzelnen Prozessen äußerte sich das Unternehmen nicht.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
