M&A-Deals: RTL Group, Dürr, Rödl & Partner 

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Medien-Deal in Deutschland: RTL Group schnappt sich Sky Deutschland zum Schnäppchenpreis. Foto: Gorodenkoff– stock.adobe.com
Medien-Deal in Deutschland: RTL Group schnappt sich Sky Deutschland zum Schnäppchenpreis. Foto: Gorodenkoff– stock.adobe.com

RTL übernimmt Sky Deutschland zum Schnäppchenpreis

Die RTL Group hat angekündigt, Sky Deutschland inklusive der Streaming-Plattform Wow für 150 Millionen Euro zu übernehmen. RTL wird die Sky-Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz übernehmen und erhält das Recht, die Sky-Marke in der DACH-Region zu nutzen. Die Hauptsitze der beiden Unternehmen bleiben in Köln und München bestehen. 

Der Deal beinhaltet außerdem einen Earn-out für Comcast, der Muttergesellschaft von Sky, die sich nach der Aktienkurs-Performance richtet. Die potentielle Earn-out-Zahlung ist auf maximal 377 Millionen Euro begrenzt, wenn der Kurs der RTL-Group-Aktie auf 70 Euro steigt.  

RTL zielt mit der Übernahme darauf ab, einen führenden Entertainment-Anbieter in den Bereichen Streaming, Free-TV und Pay-TV mit 11,5 Millionen zahlenden Abonnenten zu schaffen. Sky ist in Deutschland vor allem für seine Sportübertragungen bekannt, während RTL für seine Show- und Reality-TV-Formate steht. RTL erwartet durch den Zusammenschluss jährliche Synergieeffekte von 250 Millionen Euro, die sich innerhalb von drei Jahren materialisieren sollen.  

Bis der Deal genehmigt und abgeschlossen ist, bleiben beide Unternehmen unabhängig. Dass RTL mit der Übernahme eher eine langfristige, strategische Strategie verfolgt anstatt eines schnellen Wachstumsschrittes, zeigt auch der Umsatz-Multiple. Mit 0,26x Umsatz gemessen am maximalen Kaufpreis von 527 Millionen Euro liegt die Bewertung deutlich unter dem Durchschnitt von 1,3x Umsatz für Large-Caps in der Medienbranche. Sky Deutschland ist schon länger defizitär und gilt als finanziell angeschlagen, auf den neuen Eigentümer kommt also durchaus aus Arbeit zu.  

Bei der Transaktion wurde RTL von einem Freshfields-Team unter der Leitung von Gregor von Bonin, Stephan Waldhausen und Justus Anacker beraten. Arendt & Medernach hat Sky-Mutter Comcast beraten.

Dürr verkauft Umwelttechnikgeschäft an Stellex

Der Maschinenbauer Dürr will sein Umwelttechnikgeschäft verkaufen. Eine entsprechende Vereinbarung hat der Konzern mit Stellex Capital Management getroffen. Diese Transaktion markiert den Abschluss der Umstrukturierung und Vereinfachung der Konzernstruktur, die Dürr vor einem Jahr angekündigt hatte, um den strategischen Fokus auf die Automatisierung von Produktionsprozessen zu setzen.  

Der Unternehmenswert des Umwelttechnikgeschäfts beträgt rund 385 Millionen Euro, wobei Dürr eine Rückbeteiligung von 25 Prozent erwirbt. Der erwartete Nettoverkaufserlös von etwa 250 Millionen Euro soll zur Schuldenreduzierung genutzt werden. Durch den Verkauf reduziert sich die Anzahl der Divisionen nach Unternehmensangaben von fünf auf drei. 

Stellex übernimmt die Division Clean Technology Systems Environmental, die 2024 einen Umsatz von 407 Millionen Euro erwirtschaftete. Stellex plant, die Führungsposition der Division im Bereich umwelttechnischer Lösungen weiter auszubauen. Beraten wurde der Maschinenbauer Dürr bei dem Deal von Skadden und Greenhill. Poellath beriet das Management von Dürr Systems während Stellex von Sidley und von Houlihan Lokey beraten wurde.  

Rödl & Partner kauft WMS Steuerkanzlei

Rödl & Partner erweitert seine Präsenz in Ostbayern durch die Übernahme der WMS Steuerkanzlei in Regensburg. Mit dieser Integration stärkt das Unternehmen seine Beratungskompetenz in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. WMS Steuerkanzlei bringt ein erfahrenes Team mit, das sich auf steuerliche Beratung für gemeinnützige Träger und medizinische Einrichtungen spezialisiert hat.  

Kunden sollen von einem erweiterten Leistungsspektrum und interdisziplinärer Zusammenarbeit profitieren: „Gemeinsam können wir unsere Mandanten noch umfassender und interdisziplinär begleiten – bei allen steuerlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen“, erklärt Mario Winklmeier, Gründer von WMS Steuerkanzlei.   

Ypsilon fusioniert mit Hamburger Kanzlei

Die Ypsilon Group, spezialisiert auf Financial Services und Real Estate, hat sich mit der Hamburger Kanzlei GHP Wirtschaftsprüfer und Steuerberater zusammengeschlossen. Durch diesen Zusammenschluss erweitert Ypsilon seine Beratungskapazitäten in den Bereichen Transaktionsberatung und Wirtschaftsprüfung. Mit der Fusion wächst das Team um 30 Fachkräfte auf über 210 Mitarbeiter an den Standorten Köln, Berlin, München, Düsseldorf und Hamburg. 

Dieser Schritt ist eine Reaktion auf die steigende Nachfrage institutioneller Kunden und Asset Manager nach spezialisierten Beratungsleistungen in den Assetklassen Real Estate und Private Equity, wie Ypsilon betont. Die Fusion mit GHP unterstreiche zudem die strategische Bedeutung Hamburgs für Ypsilon, denn es werde ermöglicht, den norddeutschen Markt direkt aus Hamburg zu bedienen. Dies erfolgte bisher nur von anderen Standorten aus. 

Weitere M&A-Deals

Die BNP Paribas schlägt erneut bei der HSBC zu und übernimmt das Custody– und Verwahrstellengeschäft der HSBC in Deutschland. Bereits im vergangenen Jahr hatte die französische Bank das Private Banking der britischen Großbank erworben. Mit dieser Transaktion wird BNP Paribas zur größten Verwahrstelle in Deutschland und erreicht ein Volumen von über 1 Billion Euro, was einem Marktanteil von etwa 35 Prozent entspricht. Diese Übernahme ist Teil der globalen Vereinfachungsstrategie von HSBC, die im Oktober 2024 angekündigt wurde. Die Wirtschaftskanzlei Norton Rose Fulbright (Federführung Emma de Ronde, Anne Fischer) hat HSBC bei dem Verkauf beraten.  

Der Gesundheitsdienstleister Galenica plant die Übernahme des Schweizer Diagnostikdienstleisters Labor Team Gruppe, um sein Gesundheitsnetzwerk zu erweitern. Die Akquisition ermöglicht Galenica, die Angebote im Ärztesegment auszubauen und innovative Labordienstleistungen anzubieten. Der kombinierte Nettoumsatz der Labor Team Gruppe betrug 2024 rund 114 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet rund 154 Millionen Euro). Die Transaktion erfordert die Genehmigung der Eidgenössischen Wettbewerbskommission und wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2025 abgeschlossen. Hinter der Labor Team Gruppe steht der Private-Equity-Investor Genui. 

EAMD European Aero Marine Drones plant den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an Horton Aircraft, einem Unternehmen der Lindig Gruppe. Die Transaktion soll bis zum 31. März 2026 abgeschlossen sein und wird durch eine Sachkapitalerhöhung finanziert. Horten Aircraft ist bekannt für die Entwicklung von sogenannten Nurflügelflugzeugen und bereitet derzeit die Serienproduktion eines solchen Modells für die allgemeine Luftfahrt. Nurflügelflugzeuge verfügen über eine spezielle Konstruktion ohne für Flugzeuge typische Höhen und Seitenleitwerke. Die Lindig Gruppe erzielte 2024 einen Umsatz von 100 Millionen Euro.  

Die Schwarz Produktion, Teil der Schwarz Gruppe, will den Konfitüren- und Honighersteller Göbber übernehmen. Göbber, ein Traditionsunternehmen mit 350 Mitarbeitern und einem jährlichen Absatz von 70.000 Tonnen, soll das Produktionsportfolio der Schwarz Produktion erweitern. Die Transaktion, die noch der Zustimmung der Kartellbehörden bedarf, soll im dritten Quartal 2025 abgeschlossen werden. Der Standort im niedersächsischen Eystrup bleibt erhalten. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Blick in den M&A-Markt

Nach einem holprigen Start geht es mit dem M&A-Markt 2025 bergauf. Wie ein Marktblick der Kanzlei Noerr zeigt, wurde der globale Markt für Fusionen und Übernahmen maßgeblich beeinflusst durch Aktivitäten in den USA. Die Größe und Innovationskraft des US-Marktes sowie dessen geringe Regulierungsdichte sind entscheidende Faktoren. Auch Investitionen aus den USA und anderen Regionen in Deutschland und Europa nehmen zu. Strategische Investoren und Finanzinvestoren aus den USA spielen hierbei eine zentrale Rolle. Noerr, vertreten durch Natalie Daghles, beobachtet diese Entwicklungen genau. 

Geopolitische Risiken bleiben laut Einschätzung der Noerr-Anwälte Natalie Daghles und Martin Neuhaus ein prägender Faktor für den Markt, doch die Marktteilnehmer passen sich zunehmend an. Transaktionen benötigen mehr Zeit, jedoch sinkt die Zahl der gescheiterten Deals. Eine Lösung im Zollstreit zwischen der EU und den USA könnte größere Deals ermöglichen, die derzeit noch aufgeschoben werden.  

M&A-Berater-News

Nach 24 Jahren endet für Klaus Hessberger das Kapitel JP Morgan. Der Dealmaker tritt eine neue Rolle bei Lazard an. Er wird globaler Co-Leiter des Sponsorengeschäfts und Europachef der Financial Sponsors Group in London. Sein offizieller Start ist für den Frühsommer geplant. Hessberger war bei JP Morgan zuletzt Vice Chairman der globalen strategischen Investoren- und Finanzsponsorengruppe. Er war an bedeutenden Deals wie der Übernahme der Software AG durch Silver Lake beteiligt. 

Deals in Verhandlung

Mit der Übernahme des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics für rund 3 Milliarden Euro hat der Darmstädter Technologiekonzern Merck seine größte Übernahme im Pharmabereich der vergangenen 20 Jahre gestemmt. Doch das reicht dem Vorstandsduo um CEO Belén Garijo und CFO Helene von Roeder nicht. Wie die CEO nun betonte, soll weiter anorganisch wachsen. Und zwar an mehreren Stellen. Wir sind entschlossen, in unseren drei Unternehmensbereichen allen voran Life Science Gelegenheiten für passende Zukäufe auszuloten“, erklärte Garijo. 

M&A-Gerüchteküche

Playmobil vor möglichem Verkauf: Die Eigentümer des Spielwarenherstellers bereiten offenbar Notfallmaßnahmen vor, bei denen auch ein potentieller Verkauf eruiert werden soll, wie das Manager Magazin berichtet. Grund ist die tiefe Krise, in der der Spielwarenhersteller steckt. Der Umsatz des Mutterkonzerns Horst Brandstätter Holding fiel im vergangenen Geschäftsjahr um 15,6 Prozent auf 449 Millionen Euro, während der Jahresfehlbetrag auf 120 Millionen Euro anstieg. Die Stiftungskonstruktion soll umstrukturiert werden, um möglicherweise den Verkauf von Unternehmensteilen zu erleichtern, schreibt das Magazin. Zudem sollen Insider von Plänen zur Verlagerung der Produktion und Schließung des Standorts in Dietenhofen berichten.  

Info

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.