Modeunternehmen Rena Lange übernimmt die Mehrheit an St. Emile.

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20.12.13
Deals

M&A-Deals Teil 2: Rena Lange, OMV, Telekom

Im zweiten Teil unseres M&A-Wochenrückblicks schauen wir auf die Übernahme von St. Emile durch Rena Lange. OMV räumt im Portfolio auf, und die Telekom hat angeblich neue Interessenten für das US-Mobilfunkgeschäft gefunden. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie hier im zweiten Teil des FINANCE-Wochenrückblicks.

Rena Lange übernimmt Mehrheit an St. Emile

Das Modeunternehmen Rena Lange, Teil der Unternehmensgruppe Rudigier und Partner, übernimmt rückwirkend zum 1. November 80 Prozent der Anteile am Wettbewerber St. Emile (Josef Reis GmbH). Die übrigen 20 Prozent bleiben im Besitz von Geschäftsführer Uwe Jürdens. Der M&A-Deal ist Teil einer Expansionsstrategie, mit der Rena Lange nach eigenen Angaben den Umsatz im kommenden Geschäftsjahr nahezu verdoppeln will. Ziel der Übernahme sei es, Synergien in den Bereichen Einkauf und Vertrieb zu heben und das Geschäft von St. Emile weiter auszubauen. Das Sortiment soll um Brillen und Düfte erweitert werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Rena Lange hatte erst kürzlich eine Mittelstandsanleihe begeben, die allerdings nur etwa zur Hälfte platziert werden konnte.

OMV bereinigt Portfolio weiter

OMV Deutschland hat in dieser Woche eine Vereinbarung zum Verkauf des 45-prozentigen Anteils am deutschen Raffinerieverbund Bayernoil mit der Varo Energy unterzeichnet. Neben dem Anteil am Raffinerieverbund umfasst die Transaktion auch die zugehörigen Vorräte, die Bitumenanlage in Großmehring sowie das zur Bayernoil gehörende Großkundengeschäft. Die Bayernoil Raffinerie ist nicht petrochemisch integriert und damit nicht an das Kunststoff-Geschäft angebunden. Dies hat laut OMV zur Verkaufsentscheidung geführt. Dem Konzern zufolge stellt der M&A-Deal den größten Schritt im Rahmen des geplanten Verkaufsprogramms dar, das bis Ende 2014 einen Erlös von rund 1 Mrd. Euro bringen soll. Wenn die Kartellbehörden zustimmen und Mitgesellschafter auf die Ausübung von Vorkaufsrechten verzichten, kann der M&A-Deal 2014 abgeschlossen werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Bilfinger kauft in Großbritannien zu

Mit einem Zukauf will Bilfinger die Facility-Services-Aktivitäten in Großbritannien stärken. Nach eigenen Angaben steigert der Konzern durch die Übernahme des Immobiliendienstleisters Europa Support Services seine Jahresleistung im britischen und irischen Facility-Services-Geschäft von 35 auf künftig 215 Mio. Euro. Verkäufer ist H.I.G. Europe, der europäische Arm des PE-Investors H.I.G. Capital. Die Gesellschaft befand sich bisher mehrheitlich in Besitz zweier Private-Equity-Fonds, Minderheitsanteile waren in Besitz der Gründerfamilie und des Managements. Bilfinger übernimmt alle Anteile, über den Kaufpreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart.

Sprint und Dish sollen an T-Mobile USA interessiert sein

Seit dieser Woche sind die Hoffnungen gestiegen, dass die Deutsche Telekom vielleicht doch noch den Ausstieg aus dem US-Mobilfunkmarkt schafft. Dem Wall Street Journal zufolge ist Mobilfunkbetreiber Sprint Corp. an der dortigen Telekom-Tochter interessiert. Der Großtransaktion müssten die Kartellbehörden zustimmen. Die Agentur Reuters berichtete, auch der Satelliten-Fernsehanbieters Dish sei an einer Übernahme interessiert. Die Deutsche Telekom hatte sich vor gut zwei Jahren schon auf den Verkauf ihres US-Geschäfts für 39 Milliarden Dollar an AT&T geeinigt, das Vorhaben stieß aber auf massive Widerstände bei den Aufsichtsbehörden. Letztlich änderte die Telekom ihre Strategie und fusionierte T-Mobile USA mit dem Wettbewerber Metro PCS. Das kombinierte Unternehmen ist seit Mai börsennotiert.

Kuka will Reis übernehmen

Der Roboterhersteller Kuka arbeitet an der Übernahme der Reis Unternehmensgruppe (Umsatz ca. 130 Mio. Euro). Reis entwickelt und produziert Industrieroboter und Robotersteuerungen für verschiedene Branchen. Beide Firmen haben eine Absichtserklärung über den möglichen Einstieg von Kuka bei Reis unterzeichnet. Der Erklärung zufolge soll sich Kuka zum 1. Januar 2014 mit einem Anteil von zunächst 51 Prozent beteiligen. Die Familie Reis, bislang alleiniger Eigentümer, behält die übrigen 49 Prozent der Anteile. Kuka soll die Möglichkeit erhalten, die Beteiligung auf 100 Prozent zu erhöhen. Über Details des M&A-Deals wurde Stillschweigen vereinbart, die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.  

Weitere M&A-Deals

Der Agrarhandels- und Dienstleistungskonzern BayWa will sich mit 49 Prozent an der niederländischen Agrimec beteiligen. Agrimec ist ein neugegründetes Joint Venture zwischen Agrifirm und BayWa, in das Agrifirm sein gesamtes Agrartechnikgeschäft in den Niederlanden einbringt. Agrifirm ist eine der größten Agrargenossenschaften in den Niederlanden. Der Kaufpreis für 49 Prozent der Anteile beträgt 3,8 Millionen Euro. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Das Unternehmen Robert Bosch hat ein Joint Venture mit den japanischen Firmen Mitsubishi und GS Yuasa gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen soll Lithium-Ionen-Batterien entwickeln. Der Start des Joint Ventures mit Hauptsitz in Stuttgart ist für Anfang 2014 vorgesehen. An dem Unternehmen werden sich Bosch mit 50 Prozent sowie GS Yuasa und Mitsubishi mit jeweils 25 Prozent beteiligen. Hogan Lovells hat die beiden japanischen Unternehmen mit einem Team unter Federführung von Michael Leistikow bei der Gründung des Joint Ventures beraten.

Der Wetterdatenanbieter MeteoGroup geht von der britischen Press Association an den Wachstumsinvestor General Atlantic. Die Press Association hatte sich 2005 erstmalig an er MeteoGroup beteiligt. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion zustimmen. MeteoGroup und Press Association wurden von Portico Capital und Taylor Wessing beraten. General Atlantic wurde von Weil, Gotshal & Manges, Ernst & Young und L.E.K. Consulting begleitet.

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius verkauft die Tochter DFA Transport und Logistik zu einem nicht genannten Preis an das Managementteam um Geschäftsführer Michael Hulm. Nach eigenen Angaben hatte Aurelius das Unternehmen 2006 „zu einem Preis deutlich unter dem Substanzwert erworben“. Mit der DFA verkauft Aurelius die derzeit kleinste Tochter. Weitere M&A-Deals sollen einer Mitteilung zufolge voraussichtlich in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden.

Der Konzern AkzoNobel hat den Verkauf von 69 seiner 72 Farbfachgeschäfte abgeschlossen. Käufer sind fünf voneinander unabhängige Großhändler und ihre Tochtergesellschaften. Die neuen Eigentümer Schlau Hammer, MEG Rhein Ruhr, MEG Paderborn, MEG West und Weigel übernehmen die Stores und Mitarbeiter teils zum Jahreswechsel, teils zum Ende des ersten Quartals 2014. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Ein Team von CMS Hasche Sigle hat AkzoNobel bei der Transaktion rechtlich beraten.

RWE hat Agenturberichten zufolge einen Käufer für seinen 49,83-prozentigen Anteil am ungarischen Gasversorger Fögaz gefunden. Für 137 Mio. Euro soll die Beteiligung an den Energiekonzern MVM gehen. Der M&A-Deal soll in der ersten Jahreshälfte 2014 abgsechlossen werden, die Behörden und die Stadt Budapest als weiterer Anteilseigner an Fögaz müssen zustimmen. Die RWE will durch Beteiligungsverkäufe ihren Schuldenberg abbauen und arbeitet seit Monaten unter anderem am Verkauf der Tochter Dea. Gerüchten zufolge soll BASF interessiert sein.

Die UBS verkauft CEFS International an den PE-Investor Montagu Private Equity. Über die Einzelheiten wurde Stillschweigen vereinbart. CEFS International verwaltet in Europa und Asien Mitarbeiteraktienbeteiligungspläne im Auftrag von rund 100 Firmenkunden. CEFS International wird rechtlich aus UBS herausgelöst und in eine eigene Rechtseinheit überführt. Die Transaktion soll nach Zustimmung der Aufsichtsbehörden 2014 abgeschlossen werden.

Die 100-prozentige BayernLB-Tochter Banque LBLux überträgt einen Teil ihres Privatkundengeschäfts an die luxemburgische Privatbank Banque de Luxembourg. Die Transaktion hängt mit dem abgeschlossenen Beihilfeverfahren der BayernLB zusammen, in dem sich die Landesbank gegenüber der Europäischen Kommission zur Abgabe von Beteiligungen und Nicht-Kernaktivitäten verpflichtet hatte.

Der norwegische Technologiekonzern Kongsberg Maritime hat 100 Prozent an der Hamburger Embient erworben. Parallel hat sich Kongsberg im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit einer Minderheit an Contros Systems and Solutions in Kiel beteiligt und eine exklusive weltweite Kooperationsvereinbarung mit Contros unterzeichnet. Beide Investitionen erweitern das Leistungsspektrum auf dem Gebiet der Unterwassersensorik. Network Corporate Finance hat die Gesellschafter von Embient und von Contros im Rahmen der beiden Transaktionen beraten.

Der Autobauer Daimler steigt beim Online-Limousinenservice Blacklane ein. Die Investition liege in zweistelliger Millionenhöhe, sagte eine Sprecherin gegenüber der Agentur dpa. Der Mehrheitsanteil verbleibt bei Blacklane. Das Start-up ist in 130 Städten und 45 Ländern vertreten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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