17.07.15
Deals

M&A-Deals: Tele Columbus, DBAG, Tengelmann

Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus kauft seinen Verfolger Primacom, die Deutsche Beteiligungs AG steigt bei den Silbitz-Gießereien ein und die Schweizer Migros hat offenbar Interesse an Tengelmann. Die M&A-Deals, M&A-Personalien und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Schweizer steigen in Tengelmann-Poker ein

Nachdem das Kartellamt Edeka im Zuge der Übernahme von Kaiser’s Tengelmann vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, wittert die Konkurrenz ihre Chance. Neben Rewe hat auch der Schweizer Handelskonzern Migros Interesse. Laut der „Schweiz am Sonntag“ bietet das Unternehmen für 130 bayerische Tengelmann-Filialen. Migros hatte im Jahr 2012 bereits 290 defizitäre Tegut-Filialen übernommen und will nun seine Marktposition im Süden Deutschlands stärken. Rewe hingegen würde sämtliche 451 Tengelmann-Filialen sowie mehrere Tochterunternehmen übernehmen.

Tele Columbus erwirbt Primacom

Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus kauft den Konkurrenten Primacom, dafür zahlt der Käufer 711 Millionen Euro. Den Deal finanziert Tele Columbus zum einen durch den Börsengang im Januar, der 367 Millionen Euro in die Kassen spülte. Den Rest finanziert das Unternehme über einen Bankkredit und eine Brückenfinanzierung. Um diese abzulösen, plant Tele Columbus eine Kapitalerhöhung. Der Deal ist ambitioniert: Der Kaufpreis für Primacom ist nur knapp unter der aktuellen Börsenbewertung von Tele Columbus, die bei 716 Millionen Euro liegt. Die Verkäufer Medfort, Primacom Finance und die Primacom Beteiligungsgesellschaft wurden bei dem Deal durch ein Team der Kanzlei Gleiss Lutz unter Federführung von Jörn Wöbke und Ralf Morshäuser beraten. Tele Columbus hatte die Kanzlei Hengeler Mueller als Berater mandatiert.

PE-Investor DBAG kauft Silbitz-Gießereien

Die Deutsche Beteiligungs AG setzt ihre Einkaufstour fort und beteiligt sich an der Silbitz-Gruppe, die drei Gießereien in Thüringen, Sachsen-Anhalt und der Slowakei betreibt. Auf diesem Wege will der PE-Investor von der Energiewende profitieren, denn Silbitz stellt unter anderem Bauteile für Windräder her. Die DBAG hat 18 Prozent an der Silbitz-Gruppe von der Münchener Industrieholding VTC übernommen und dafür 9 Millionen Euro bezahlt. Die übrigen 82 Prozent wurden von dem aktuellen Buy-out-Fonds der DBAG übernommen. Die VTC-Gruppe wurde bei dem Verkauf durch die Kanzlei Norton Rose Fulbright beraten.

Deutsche Bahn und Opel steigen bei Flinc ein

Die Deutsche Bahn und GM Ventures beteiligen sich an Flinc, einer digitalen Plattform für Mitfahrgelegenheiten. Wie hoch die Investition ist, gaben die Unternehmen nicht bekannt. Es sei allerdings möglich, dass sich in begrenztem Umfang noch weitere Investoren beteiligen. GM und die Deutsche Bahn wollen mit dem Deal stärker als Mobilitätsdienstleister für ihre Kunden auftreten. Die GM-Tochter Opel kooperiert bereits seit März mit Flinc und bietet so Mitfahrgelegenheiten für Mitarbeiter am Standort Rüsselsheim an.

Thyssen Krupp hält zu Krisenwerk in Brasilien

Der Stahlkonzern Thyssen Krupp will einem Reuters-Bericht zufolge an seinem Werk in Brasilien festhalten. Ein Verkauf des in die Kritik geratenen Produktionsstandorts sei derzeit nicht vorgesehen, meldete die Agentur unter Berufung auf eine Äußerung des Brasilien-Chefs Walter de Castro Medeiros. Auch wenn Thyssen Krupp vorerst die Produktion in dem CSA-Stahlwerk verbessern will, sei die Zusammenarbeit mit einem anderen Unternehmen auf lange Sicht eine mögliche Lösung. Bislang habe Thyssen Krupp bei der neuen Fabrik mit unzureichender Nachfrage und Preisdruck zu kämpfen.

M&A-Personalien

Die Wirtschaftskanzlei Jones Day holt Klaus Herkenroth in ihre Transaktionssteuerrechtspraxis. Der 59-Jährige kommt von Ashurst, wo er die Steuerrechtspraxis leitete.

Die amerikanische Kanzlei Greenberg Traurig vergrößert sich in Europa. Die Kanzlei mit mehr als 1.800 Anwälten übernimmt das Berliner Büro von Olswang, in dem über 50 Anwälte tätig sind. Zum 1. Oktober eröffnet Greenberg Traurig damit seine erste deutsche Niederlassung. Das Berliner Team ist unter anderem im Bereich Corporate- und M&A-Beratung aktiv.

Weitere M&A-Deals

Der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer Magna hat den schwäbischen Getriebehersteller Getrag erworben. Die Kanadier zahlen 1,75 Milliarden Euro und übernehmen zusätzlich die Schulden in Höhe von 700 Millionen Euro. Damit ist das Unternehmen mit 2,45 Milliarden Euro bewertet. Beraten wurde Getrag bei der Transaktion von einem Gleiss-Lutz-Team unter der Federführung von Christian Cascante und Adrian Bingel.

Der Leipziger Stadtkonzern LVV will laut dpa weitere Anteile an VNG erwerben. LVV habe dem Oldenburger Energieversorger EWE ein Kaufangebot für 74,2 Prozent der VNG-Aktien unterbreitet. Dieses Aktienpaket umfasst auch 10,52 Prozent, die derzeit noch Gazprom gehören, aber von EWE übernommen werden sollen.


Es gibt anscheinend noch mehr Interessenten für Syngenta. Bislang wehrt sich der Agrarchemiekonzern gegen die Übernahme durch den Konkurrenten Monsanto. Nun soll allerdings auch der Hedgefonds des US-Milliardärs John Paulson Syngenta-Anteile erworben haben, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet. So könnten die Anleger den Schweizer Konzern unter Druck setzen, das Monsanto-Angebot anzunehmen, heißt es weiter.

Das Beratungshaus FMC Consultants hat seine Gründe für den anstehenden Zusammenschluss mit der Unternehmensberatung Roland Berger offengelegt. Einerseits brauche FMC „umsetzungsstarke“ Berater, um sich im Markt für Restrukturierung künftig behaupten zu können. Außerdem wolle FMC von der Competence-Center-Struktur des größeren Beratungshauses profitieren, um die immer komplexeren und internationalen Sanierungsfälle zu bewältigen, heißt es.

Das PE-Haus Callista Private Equity übernimmt sämtliche Anteile des französischen Unternehmens PCH Metals, das Heizkörper und Blechprodukte herstellt. Verkäuferin ist die Schweizer Zehnder Group.

Der PE-Investor Equistone Partners Europe veräußert seine Mehrheitsbeteiligung an In Time Express Logistik, einem Transportdienstleister mit Sitz in Hannover. Käufer ist das südafrikanische Logistikunternehmen Super Group. In Time erzielte im vergangenen Jahr mit rund 550 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 140 Millionen Euro. Equistone wurde bei dem Deal durch Lincoln, KPMG, PWC sowie P+P Pöllath + Partners (Federführung Andrea von Drygalski) beraten.  Auf Käuferseite war die Kanzlei White & Case als Beratungsunternehmen mandatiert. Federführender Partner war Stefan Koch.

Die Bauer-Mediengruppe, die unter anderem die Zeitschrift Bravo verlegt, hat den skandinavischen Radioanbieter SBS Discovery Radio übernommen. Der Deal wurde bereits von den skandinavischen Kartellbehörden genehmigt.

Die französische Orpea-Gruppe hat den Kauf von Anteilen an der Klinikgruppe Celenus abgeschlossen. Verkäufer sind von dem PE-Investor Auctus Capital Partners beratene Fonds. Die Celenus-Gruppe erzielt Umsätze von über 100 Millionen Euro.

Die Schweizer Bank Syz kauft der Royal Bank of Canada die Schweizer Niederlassung Royal Bank of Canada (Suisse) ab. Mit dem Deal gewinnt Syz vor allem vermögende Privatkunden aus Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten. Damit steigern die Schweizer ihr verwaltetes Vermögen nach eigenen Angaben um rund ein Drittel auf fast 40 Milliarden Schweizer Franken.

Die Schweizer Holding DKSH trennt sich aufgrund von Verlusten von den Uhrenmarken aus seinem Luxusgütergeschäft. Dazu zählt die Uhrenmanufaktur Maurice Lacroix. Die Verkäufe sollen bis Ende des Jahres im Wesentlichen abgeschlossen sein.

Der Aluminiumkonzern Almatis wechselt den Besitzer. Die bisherigen Anteilseigner, darunter Mehrheitseigner Dubai International Capital, veräußern ihre Anteile an den privaten türkischen Pensionsfonds Oyak. Der Deal muss noch durch die Aufsichtsbehörden genehmigt werden.

Die Hermes Logistik Gruppe Deutschland hat sich mit 28,5 Prozent an Lieferfactory, einem auf „Same Day Delivery“ spezialisierten Dienstleister, beteiligt. Das Unternehmen bietet mit in Kooperation mit 2.500 Kurieren in Deutschland seinen Service Liefery an.

Der US-Investmentfonds Apollo plant anscheinend, ein slowenisches Tochterunternehmen der Raiffeisen Bank International zu übernehmen. Dies berichtete Reuters unter Berufung auf die slowenische Zeitung „Finance“. Demnach betrage der Kaufpreis rund 60 Millionen Euro.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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