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M&A-Markt: Keine Angst vor Inflation oder Corona

Der M&A-Markt läuft auf Hochtouren. 2021 wird ein Rekordjahr. Foto: Blue Planet Studio - stock.adobe.com
Der M&A-Markt läuft auf Hochtouren. 2021 wird ein Rekordjahr. Foto: Blue Planet Studio - stock.adobe.com

Zukäufe, Fusionen, Übernahmen hat die Welt in diesem Jahr viele gesehen. Und auch Deutschland trägt dazu bei, dass der globale M&A-Markt 2021 mit einem Transaktionsvolumen von 5,3 Billionen US-Dollar abschließen wird, zeigt eine Analyse von JP Morgan (für eine bessere Vergleichbarkeit sind alle Werte in US-Dollar angegeben). Eine Bestmarke, die den bisherigen Rekord von 2007 mit 4,6 Billionen Dollar um 16 Prozent schlägt.

In Deutschland hat das Transaktionsvolumen mit einem Plus von 47 Prozent noch stärker zugenommen als im weltweiten Schnitt. Hierzulande steuert der M&A-Markt den Daten zufolge auf eine Rekordsumme von 246 Milliarden Dollar zu, prognostiziert Patrik Czornik, Chef des M&A-Geschäfts Deutschland und Österreich bei JP Morgan. Die mit Abstand größte Transaktion war die gut 30 Milliarden Dollar schwere Hochzeit der Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen.

Deutsche Konzerne: international beliebte Übernahmeziele

Doch ein Merger vom Kaliber der beiden Dax-Konzerne (Deutsche Wohnen ist mittlerweile in den MDax abgestuft worden) ist nicht repräsentativ für das M&A-Geschehen in Deutschland. Es sind eher Inbound-Deals, also jene mit einem internationalen Käufer wie im Fall der Autozulieferer Fauceria und Hella, die ein Comeback erleben. 107 Milliarden Dollar, also nur etwas weniger als die Hälfte des voraussichtlichen Gesamttransaktionsvolumens für 2021, fließt durch internationale Käufer, die sich Technologien und Marktanteile „Made in Germany“ einverleiben, weiß Czornik aus der Praxis zu berichten.

Und auch bei der Größe der Transaktionen hat in diesem Jahr vor allem das mittlere Preissegment stark zugenommen. Elefanten-Deals jenseits der 10 Milliarden Dollar sind nicht die Regel und auch Kleinakquisitionen unter 1 Milliarde Dollar fanden deutlich seltener statt als in den vergangenen Jahren. Nur 284 kleinere Deals waren es in diesem Jahr. Zum Vergleich: 2015 waren es 561 und selbst im Kernkrisenjahr 2020 noch 332. Im mittleren Segment von 1 Milliarde bis 10 Milliarden Dollar Volumen haben mit 46 M&A-Abschlüssen indes so viele Unternehmenszu- und verkäufe stattgefunden wie noch nie, so die Beobachtung des JP Morgan-Experten. Vergangenes Jahr waren es nur 31, 2019 immerhin 42.

Corona wird vom Hemmschuh zum Treiber für M&A

Besonders der Technologie-Sektor war in diesem Jahr beliebt auf dem M&A-Markt. Hier spielt Corona eine wichtige Rolle. Denn nicht zuletzt die Pandemie hat die strategische Bedeutung von M&A unterstrichen. Nachdem der Ausbruch des Virus 2020 die Wirtschaft zumindest im ersten Halbjahr in Schockstarre verfallen ließ, fungiert die Pandemie seither als Katalysator: Unternehmen stellen ihre Portfolios auf den Prüfstand, um sich fokussierter aufzustellen und Bilanzen zu glätten. Vermehrte Carve-outs und Spin-offs, wie sie bei Adidas/Reebok oder Daimler Truck zu sehen waren, sind ebenso die Folge wie Peer2Peer-Aktivitäten unter Branchenkollegen.

Und auch der durch die Krise ausgelöste Digitalisierungsschub hat Zukäufe technologischen Know-hows befeuert. Zwar nehmen die Aktivitäten von Finanzinvestoren zu, doch strategische Fusionen und Übernahmen seien weiterhin die Haupttreiber auf dem deutschen M&A-Markt, erklärt JP-Morgan-Manager Czornik.

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M&A-Prognose bleibt rosig

Und 2022? Obwohl der M&A-Markt in diesem Jahr noch merklich vom Nachholeffekt aus dem Vorjahr profitiert hat, dürfte auch das kommende ein starkes Jahr für Fusionen und Übernahmen werden. Denn Marktexperten sehen keinen Grund, warum der Hype nicht anhalten sollte. Von den Makrofaktoren wie neue Corona-Varianten, die zuletzt steigende Inflation, globale Lieferkettenprobleme oder eine Zunahme regulatorischer Hürden auf EU-Ebene zeigen sich Investoren und Unternehmen bisher unbeeindruckt, erklärt Martin Ulbrich, Partner bei Hengeler Mueller.

Der M&A-Experte ist zuversichtlich, dass auch die Präsenz von Private Equity-Finanzinvestoren, vor allem mit Blick auf das globale M&A-Geschehen, noch einmal zunehmen wird. Das Kapital sei da, das Marktumfeld günstig und PE-Investoren suchten aktiv nach geeigneten Targets, weiß Ulbrich. Sogar Public Deals stünden trotz ihres verschärften Risikoprofils auf der Agenda von Private Equity. Ein erneutes Rekordjahr sehen die Experten für 2022 allerdings nicht.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.