Verladung von Nordex-Windrädern in Rostock: Mit dem Kauf von Acciona Windpower erhebt Nordex wieder den Anspruch, am Weltmarkt für Windenergieanlagen mitzumischen.

Nordex

05.10.15
Deals

M&A: Nordex wird Global Player, Klatten-Familie steigt aus

Nordex schwingt sich mit der Übernahme von Acciona Windpower zum Global Player in der Windindustrie auf. Das stellt die Machtverhältnisse im Konzern auf den Kopf.

Großübernahme in der Windindustrie: Für insgesamt 785 Millionen Euro greift der deutsche Windturbinenbauer Nordex nach seinem spanischen Wettbewerber Acciona Windpower. Die Kartellbehörden müssen den M&A-Deal noch durchwinken, aber die Großaktionäre haben die Macht im neugeschaffenen Großkonzern bereits verteilt.

Als dominierender Nordex-Aktionär wird die deutsche Unternehmerfamilie Klatten von dem spanischen Baukonzern Acciona abgelöst, der auch groß im Windenergiegeschäft inklusive des Betriebs von Windparks engagiert ist. Neben 366,4 Millionen Euro in bar erhält Acciona aus einer Kapitalerhöhung 16,1 Millionen neue Nordex-Aktien zum Preis von 26 Euro je Aktie, was leicht über dem Schlusskurs vom Freitag (25 Euro) liegt.

Nordex begrenzt Machtanspruch von Acciona

Doch damit würde Acciona nur gut 16 Prozent kontrollieren. Zum größten Aktionär steigen die Spanier deshalb auf, weil der bisherige Großaktionär Skion – das Investmentvehikel der Klatten-Familie – einen Großteil seiner Beteiligung an die Spanier weiterreicht. Skion reduziert seinen Nordex-Anteil von knapp 23 Prozent auf 5,7 Prozent. Accionas Beteiligung steigt dadurch auf 29,9 Prozent.

Offenbar haben die Spanier die größtmögliche Beteiligungshöhe, die noch kein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre auslöst, zur Bedingung für den Verkauf ihres Windturbinengeschäfts an die Hamburger gemacht. Darauf deuten auch die getroffenen Absprachen hin. In der Mitteilung zur Übernahme räumt Nordex der Feststellung viel Raum ein, dass sich Acciona für einen Zeitraum von drei Jahren verpflichtet hat, weder direkt noch indirekt weitere Nordex-Aktien zuzukaufen und dadurch den Anteil auf über 30 Prozent auszubauen. Außerdem sei sichergestellt, dass für die nächsten fünf Jahre mindestens zwei Drittel der Aufsichtsräte von Acciona unabhängig sein werden.

Die Klatten-Familie macht rund 50 Prozent Gewinn

Die Klattens waren rund sieben Jahre lang wichtigster Nordex-Aktionär und sind mit dem Unternehmen durch ein tiefes Tal gegangen. Die Finanzkrise beendete die erste Wachstumsphase von Nordex, die den Aktienkurs noch auf einen Höchststand von 35 Euro getrieben hatte, jäh. Anschließend geriet das Unternehmen in schwere Bedrängnis, musste erhebliche Kostensenkungen vornehmen und sich aus dem Hoffnungsgeschäft Offshore-Wind zurückziehen. Im Herbst 2012 notierte die Aktie nur noch bei 3 Euro.

Doch die Sanierung griff, und Nordex setzte zu einem neuen Höhenflug an. Zwischen 2011 und 2014 wuchs der Umsatz um über 20 Prozent pro Jahr von 0,9 auf 1,7 Milliarden Euro. Dieses Jahr sollen die Erlöse auf 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro wachsen, bei einer Ebit-Marge von 5 bis 6 Prozent.

Der gelungene Turnaround hat das Investment der Klattens gerettet. Als sie im Juli 2008 ihren Startanteil von 2 Prozent auf 20 Prozent ausbauten, befand sich die Nordex-Aktie im Bereich von 20 Euro und schon auf dem Weg nach unten. Zwar bezahlte Nordex während der Ära Klatten keine Dividenden. Aber später beteiligten sich die Klattens noch zu niedrigeren Kursen an Kapitalerhöhungen, so dass sich unterm Strich für die Klattens ein Gewinn von etwa 50 Prozent herleiten lässt.

Nordex-CFO Schäferbarthold bleibt an Bord

Nordex betont den strategischen Fit der beiden Unternehmen. Während sich Nordex eine starke Marktposition in Europa erarbeitet habe, sei Acciona Windpower in Amerika sowie den Schwellenländern gut aufgestellt. Auch die technischen Charakteristika der jeweiligen Produkte ergänzen sich Nordex-Angaben zufolge. Während Nordex hoch entwickelte Anlagen für schwierige Windstandorte entwickelt – zum Beispiel in sehr kalten oder windschwachen Regionen –, seien die Anlagen der Spanier „robust und effizient“ und damit auf „Großprojekte mit einfacheren Umgebungsbedingungen“ getrimmt.   

Die Firmenzentrale bleibt in Hamburg. Auch der Vorstand wird Nordex-geprägt sein. Die Doppelspitze bilden Nordex-Chef Lars Bondo Krogsgaard sowie Nordex-CFO Bernard Schäferbarthold. Die Spanier werden allerdings die beiden anderen Vorstände stellen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehr über seinen Werdegang und seine Karriere sowie ein ausführliches Portrait über den Nordex-CFO stehen für Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Bernard Schäferbarthold bereit.

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