Auf den Zusammenschluss von MeinFernbus und Flixbus soll die Expansion in Europa folgen.

MeinFernbus/Johannes Jakob

07.01.15
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MeinFernbus und Flixbus schließen sich zusammen

Der Markt für Fernbusse ist im Umbruch: Die beiden größten Anbieter MeinFernbus und Flixbus wollen sich zusammenschließen und in Europa expandieren. In dem neu fusionierten Unternehmen mischt auch ein bekannter PE-Investor mit.

Die Konsolidierung im Fernbusmarkt gewinnt an Fahrt: Die beiden deutschen Fernbus-Marktführer MeinFernbus und FlixBus haben heute angekündigt, dass sie sich zusammenschließen wollen. „Wir bündeln unsere Stärken zu einem gemeinsamen Ziel und nehmen jetzt Kurs auf Europa“, sagte Jochen Engert, Gründer von FlixBus. Über die finanziellen Details wurde Stillschweigen vereinbart, nähere Informationen zum Zusammenschluss wollen die Unternehmen am Freitag bekanntgeben. Eigenen Angaben zufolge wird der PE-Investor zweitgrößter Anteilseigner nach den fünf Gründern der beiden Unternehmen.

An dem Zusammenschluss und der geplanten Europa-Expansion wird sich auch der US-Wachstumsinvestor General Atlantic beteiligen, der derzeit unter anderem auch an Axel Springer Digital Classifieds und dem europäischen Wetterdienst Meteo beteiligt ist. „In Deutschland hat sich der Fernbus-Verkehr seit der Marktliberalisierung Anfang 2013 sprunghaft entwickelt und verspricht weitere Wachstumsraten“, begründet Jörn Nikolay, Deutschlandchef von General Atlantic, das Investment. Daneben investieren die bisherigen FlixBus-Anteilseigner Holtzbrinck Ventures und UnternehmerTUM in das fusionierte Unternehmen.

MeinFernbus wurde 2011 in Berlin gegründet und fährt mit 88 Linien 241 Ziele an. Nach eigenen Angaben wurden so mittlerweile über 10 Millionen Fahrgäste befördert. FlixBus startete die erste Buslinie im Jahr 2013 und fährt inzwischen mit 90 Linien 148 Ziele in Deutschland sowie acht EU-Ländern an. Rund vier Millionen Fahrgäste wurden bisher befördert.

ADAC hat sich aus Fernbusmarkt zurückgezogen

Mitte November hatte sich der erste große Player aus dem Fernbusmarkt verabschiedet: Der ADAC beendete seine Beteiligung am ADAC Postbus. Grund war die Entwicklung des Fernbusmarkts, die zwar dynamisch sei, aber sich „auch in zunehmenden Maß wettbewerbs- und preisintensiv entwickelt“ habe, sagte der ADAC damals. Die Deutsche Post hingegen hielt an dem Konzept fest und übernahm die Anteile des ADAC mit dem Vorhaben, das Netz weiterhin auszubauen.

Wenig später musste der mittelgroße Anbieter DeinBus.de aufgeben und Insolvenz anmelden. Seitdem hoffen die Marktführer auf ein Abflauen des Verteilungskampfes um Marktanteile, der vor allem über den Preis ausgetragen wird.

Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft RBS RoeverBroennerSusat aus dem vergangenen Herbst hatte bereits den Fernbusmarkt in Bezug auf die M&A-Tätigkeiten untersucht. Sie kam zum Schluss, dass die Konsolidierung des Fernbus-Marktes sowohl durch Verdrängung als auch durch Unternehmensübernahmen erfolgen wird und prognostizierte den Beginn für das Jahr 2015. „Der Zugang zu neuen Kunden ist eindeutig als wichtigstes Akquisitionsmotiv zu erkennen“, so die Autoren der Studie.

julia.becker[at]finance-magazin.de