Merck hat den Spieß im Wettbieten um Versum umgedreht. Eine Aufstockung um 500 Millionen Dollar bringt den Dax-Konzern im Übernahmekampf nach vorne.

Merck

08.04.19
Deals

Merck stockt Versum-Angebot auf

Merck stockt sein Übernahmeangebot um eine halbe Milliarde Euro auf und bietet für Versum jetzt rund 14x Ebitda – genug, um die Führung der umworbenen US-Chemiefirma zu einem Umdenken zu bewegen.

Merck hat sich dem Widerstand des Versum-Managements gebeugt und sein Übernahmeangebot für den US-Chemiekonzern aufgestockt. Der Dax-Konzern bietet jetzt 53 US-Dollar pro Aktie, 5 Dollar mehr als beim ersten Vorstoß Ende Februar. Der Wert des Übernahmeangebots (inklusive Schulden) steigt dadurch von 5,3 auf 5,8 Milliarden Euro.

Versum schwenkt ins Merck-Lager um

Dieses Manöver hat die Versum-Führung zu einem Lagerwechsel veranlasst: Das Management favorisiert jetzt das Merck-Angebot und rät seinen Aktionären, das konkurrierende Fusionsangebot des Wettbewerbers Entegris abzulehnen, das einen Aktientausch vorsieht.

Trotzdem ist das Zittern für Merck noch nicht zu Ende: Entegris bekommt von Versum noch bis zum kommenden Donnerstag, den 11. April, Zeit, um das eigene Angebot ebenfalls noch zu verbessern. Da die Fusionsgespräche mit Entegris schon weit fortgeschritten sind, müsste Versum Entegris eine Strafgebühr von 140 Millionen Dollar bezahlen, falls es tatsächlich zu einer Übernahme durch Merck kommen sollte.

Merck-Leverage droht, 3x Ebitda zu überschreiten

Versum ist ein Hersteller von Elektronikmaterialien, die vor allem in der Elektro- und Halbleiterindustrie eingesetzt werden. Merck ist in diesem Geschäftsfeld zwar ebenfalls aktiv, gehört dort aber nicht zu den führenden Anbietern. Von der Versum-Übernahme verspricht sich Merck mehr Innovationen, einen globaleren Auftritt und besser funktionierende Lieferketten.

Aufgrund der Aufstockung des Übernahmeangebots droht Merck nun aber, beim Leverage die Marke von 3x Ebitda wieder nach oben zu durchbrechen. CFO Marcus Kuhnert hatte den Investoren bei der Vorlage des ersten Versum-Angebots noch versichert, dass der Leverage trotz der teuren Übernahme unter dieser Marke bleiben soll. Der nun aufgestockte Übernahmepreis bewertet Versum mit dem knapp 14-fachen Ebitda des laufenden Jahres.

michael.hedtstück[at]finance-magazin.de