real GmbH

14.09.18
Deals

Metro will Real verkaufen

Metro will sich von der Einzelhandelskette Real trennen. Damit zeichnet sich bei dem Handelskonzern die zweite große Veränderung innerhalb kurzer Zeit ab.

Der Handelskonzern Metro will sich von der Einzelhandelskette Real und den damit zusammenhängenden Geschäftstätigkeiten trennen. Der Vorstand des Unternehmens hat den Verkaufsprozess angestoßen, heißt es in einer Mitteilung vom gestrigen Donnerstag Abend. Metro wolle sich durch den Schritt ausschließlich auf das Großhandelsgeschäft fokussieren.

Möglicherweise ist der Verkauf auch Teil einer größeren Portfolio-Bereinigung. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge prüft Metro aktuell auch verschiedene Optionen für das China-Geschäft, darunter der Verkauf von Anteilen, die Suche nach einem strategischen Partner oder die Gründung eines Joint Ventures. Ein Komplettverkauf sei aber nicht vorgehen.

Metro hatte sich vor gut einem Jahr aufgespalten. In der neuen Metro wurde damals das Lebensmittelgeschäft Cash & Carry sowie Real gebündelt. Die Unterhaltungselektronik mit den Marken Saturn und Media Markt wurde in der neuen Ceconomy zusammengeführt.

Hohe Kosten bei Real belasteten Metro

Über einen Verkauf wurde immer wieder spekuliert, denn Real ist schon lange Metros Sorgenkind. Bei der Supermarktkette, die in Deutschland 282 Märkte betreibt und 34.000 Mitarbeiter beschäftigt, schwelte lange ein Tarifstreit. Der hohe Personalkostenblock sei nicht wettbewerbsfähig, hieß es immer wieder.

Das hat Metro, die schon länger unter Druck steht, zusätzlich belastet. Im April musste der Konzern seine Gewinnprognose senken, was den Aktienkurs abstürzen ließ. Der Kurs hat seit der Abspaltung – ebenso wie der von Ceconomy – massiv verloren. Bei Metro lag der Wertverlust der Aktie seit vergangenem Sommer zwischenzeitlich bei etwa 40 Prozent.

Die Pläne zum Real-Verkauf nahm der Aktienmarkt nun sehr positiv auf: Der Metro-Kurs stieg auf über 14 Euro – das ist der höchste Wert seit fünf Monaten. „Das ist die richtige strategische Entscheidung“, zitiert die Nachrichtenagentur Dpa einen Händler. Aus Sicht vieler Marktakteure zähle Real nicht zum Kerngeschäft, folglich sei der Verkauf strategisch sinnvoll, so ein anderer Händler.

Metro-Aktienkurs seit September 2017

Metro will Real möglichst als Ganzes verkaufen, wie Metro-Chef Olaf Koch in einer Telefonkonferenz am heutigen Freitag betonte. Ob das klappt, ist noch offen: Die Trennung von der Problemsparte wäre zwar positiv, schrieb Analystin Fabienne Caron von Kepler Cheuvreux. Sie ist jedoch skeptisch, ob ein Käufer für Real als Ganzes gefunden wird. Es könnte also auch auf den Verkauf einiger Standorte und Schließungen anderer hinauslaufen.

Offizielle Details zum geplanten Verkauf, wie Interessenten oder Bewertung, sind noch nicht bekannt. In der Telefonkonferenz sagte Metro-Chef Olaf Koch, dass es bereits Interesse an Real gebe. Metro sei auch bereits in der Vergangenheit kontaktiert worden, sei aber noch nicht für einen Verkauf bereit gewesen, zitiert das „Handelsblatt“. Real habe bereits viele Märkte modernisiert und verfüge über ein wertvolles Immobilienportfolio, warb der CEO.

Neuer Investor bei Metro

Die Entscheidung, sich von Real zu trennen, habe aber nichts mit Einstieg des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský bei Metro zu tun, betonte Olaf Koch. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass sich das Familienunternehmen Haniel nach 50 Jahren aus dem Handelskonzern zurückziehen will. Haniel verkaufte 7,3 Prozent seines Anteils an das Investmentvehikel EPGC, hinter dem der tschechische Investor Daniel Křetínský und der slowakische Geschäftsmann Patrik Tkáč stehen. Für 15,2 Prozent besitzen die Investoren eine Call-Option.

Auch der Elektronikhändler Ceconomy will seinen Anteil an seiner früheren Schwestergesellschaft verkaufen. Und gerade hier könnten neue Turbulenzen auf die Metro zukommen, denn es könnte sich ein Bieterwettkampf anbahnen.

Spekulationen über Interesse von Fosun an Metro

Ceconomy gab Ende August bekannt, dass es sich mit EP Investment, die durch Daniel Křetínský vertretenen werden, in Gesprächen über den Verkauf ihrer Metro-Beteiligung befindet. Es geht um etwa 9 Prozent an dem Handelskonzern. Bekäme Křetínský den Zuschlag für den Ceconomy-Anteil, würde der Investor zusammen mit dem gesamten Haniel-Paket auf über 30 Prozent der Anteile kommen und müsste dann den übrigen Anteilseignern ein Übernahmeangebot unterbreiten.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg soll allerdings auch der chinesische Mischkonzern Fosun Interesse an dem Aktienpaket von Ceconomy haben. Eine offizielle Bestätigung dieses Interesses gibt es allerdings nicht.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de