Es fährt ein Schiff nach Nirgendwo: Die Absage der großen Weltreise ist ein schwerer Rückschlag für die Investorensuche bei der MS Deutschland.

MS Deutschland / Reederei Deilmann

28.11.14
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MS Deutschland: Verkaufsprozess stockt – Weltreise abgesagt

Der Verkaufsprozess für die MS Deutschland ist vorerst gescheitert. Es soll zwar diverse Angebote geben, aber keines davon scheint solide finanziert zu sein. Für die Investorensuche und die Fortführungschancen der Reederei ist das eine schwere Hypothek.

Schwerer Rückschlag für die Zukunft der MS Deutschland: Der Verkaufsprozess ist so sehr ins Stocken geraten, dass Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber die geplante Weltreise – das größte Highlight der vergangenen Jahre – absagen muss. Die Reise sollte ursprünglich am 18. Dezember in Lissabon beginnen und bis zum 1. Mai andauern. Der Trip rund um die Welt hätte vermutlich eine zweistellige Millionensumme in die leeren Kassen des insolventen Kreuzfahrtunternehmens gespült. Das Schiff liegt derzeit vor der Küste von Gibraltar vor Anker.

„Leider haben wir keinen Investor gefunden, der uns in der Kürze der Zeit ausreichende Finanzierungsnachweise liefern konnte“, erklärte Schmid-Sperber zur Begründung. Vor der Reise wäre noch ein Werftaufenthalt zur Wartung des Traumschiffs nötig gewesen, für den offensichtlich das Geld fehlt. Die nicht mit hinreichenden Finanzierungsnachweisen hinterlegten Angebote bezeichnete der vorläufige Insolvenzverwalter dennoch als „teilweise attraktiv“. Unter den Bietern befindet sich auch der vorherige Hauptgesellschafter des Unternehmens, der PE-Investor Callista.

Interessenten aus Übersee für die MS Deutschland

Schmid-Sperber will nun „ohne Zeitdruck“ mit den Interessenten weiterverhandeln. Als Ziel gibt er aus, den Fährbetrieb im Frühjahr 2015 wieder aufzunehmen. Dass die MS Deutschland, das einzige wesentliche Asset der Reederei Deilmann, bis dahin keine Erlöse einfahren kann, dürfte aber eine schwere Hypothek für die Suche nach einem Investor und die Fortführungsaussichten des Unternehmens sein.

Dem jetzigen Entschluss ist eine mehrtägige Hängepartie vorausgegangen. Ursprünglich wollte Schmid-Sperber schon bis zum vergangenen Mittwoch (26. November) die Investorengespräche abgeschlossen haben. Kurzfristig verschob er das Signing vorgestern dann aber um 24 Stunden auf gestern Abend. Zur Begründung verwies er auf Zusagen von „Investoren aus Übersee“, die über Nacht noch verbindliche Angebote abgeben wollten. Diese hatten aber offenbar nicht die nötige Substanz, um zu einer schnellen Einigung zu führen.

Die Reederei Deilmann und die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft befinden sich seit dem 29. Oktober in der vorläufigen Insolvenz. Zuvor konnte die geplante Restrukturierung der ausstehenden Mittelstandsanleihe, die den wesentlichen Teil der Finanzierung ausmachte, nicht schnell genug unter Dach und Fach gebracht werden. Die Nachricht zum geplanten Haircut hatte Kunden verunsichert und zu Stornierungen sowie ausbleibenden Buchungen geführt.

Die Kunden, die bereits Tickets für die nun abgesagte Weltreise erworben haben, sollen ihr Geld zurückbekommen, verspricht Schmid-Sperber.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Alle Hintergründe zur Pleite und Investorensuche des Traumschiffs gibt es auf der FINANCE-Themenseite zur MS Deutschland.