TRW Automotive ist jetzt über vier Jahre her und CFO Konstantin Sauer hat wieder Pulver zu verschießen. Kommt mit der Übernahme des US-Bremsenherstellers Wabco der nächste große Coup?

ZF Friedrichshafen

28.02.19
Deals

Nächster Milliardendeal für ZF-CFO Sauer?

ZF Friedrichshafen prüft offenbar eine Übernahme des Bremsenherstellers Wabco. Vor zwei Jahren verbrannte sich ex-ZF-CEO Stefan Sommer mit dem Deal die Finger und musste gehen. Doch diesmal ist die Ausgangslage anders.

Der Getriebehersteller ZF Friedrichshafen prüft eine milliardenschwere Übernahme des amerikanisch-belgischen Bremsenherstellers Wabco, wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Finanzkreise berichtet. Experten schätzen das mögliche Volumen des Deals auf rund 8 Milliarden Euro. Gegenüber dem Handelsblatt teilte ZF mit, dass man „fortlaufend mögliche sinnvolle Akquisitionen prüfe“, ohne konkrete Pläne zu bestätigen. Wabco selbst habe bestätigt, von ZF Friedrichshafen bezüglich einer Übernahme kontaktiert worden zu sein, heißt es. Es gebe jedoch keine Gewissheit, ob eine Einigung erzielt werde.

Sollte es zu dem Megadeal kommen, würde sich der gemeinsame Umsatz von ZF und Wabco auf rund 39,8 Milliarden Euro belaufen. ZF prognostizierte für das Geschäftsjahr 2018 rund 36,5 Milliarden Euro. Wabco erzielte 2018 Erlöse von umgerechnet 3,4 Milliarden Euro.

Damit würde die ZF weiter zu den zwei Branchengrößen der Autozuliefererindustrie aufschließen. Während aber Branchenprimus Bosch mit einem vorläufigen Umsatz von 77,9 Milliarden Euro für 2018 noch einiges an Abstand zu Platz zwei und drei hat, würde die Hannoveraner Continental mit 44,4 Milliarden Euro bereits in Schlagweite von ZF Friedrichshafen geraten.

Mit Wabco kann ZF die Wertschöpfungskette sichern

ZF arbeitet schon seit einigen Jahren an einer massiven Neuausrichtung des Konzerns. War das Unternehmen zum Amtsantritt von CFO Konstantin Sauer 2010 noch stark auf mechanische Antriebskomponenten ausgelegt, ist das Unternehmen inzwischen zu einem der weltweit führenden Entwickler autonomer Fahrsysteme geworden.

Eine zentrale Rolle spielte dabei die Übernahme des US-Technologiekonzerns TRW Automotive 2015 für 13 Milliarden US-Dollar, die die Verschuldung des Unternehmens massiv in die Höhe trieb, technologisch aber einen Quantensprung darstellte. Für die tiefgreifende Transformation von ZF verlieh FINANCE CFO Sauer den Award „CFO des Jahres 2018“.

Eine Übernahme von Wabco wäre nun der nächste logische Schritt: Bremssensoren leiten wichtige Information an Fahrassistenzsysteme weiter. Mit einem Zukauf Wabcos könnten die Friedrichshafener einen Großteil der Wertschöpfungskette für die Zukunftstechnologie der Elektrofahrzeuge bei sich bündeln.

Die Wabco-Aktie gewinnt wieder an Fahrt

ZF wollte Wabco schon einmal übernehmen

Vor drei Jahren war ZF unter dem damaligen CEO Stefan Sommer schon einmal auf der Jagd nach einem Bremsenhersteller. Zunächst geriet Knorr-Bremse ins Fadenkreuz, allerdings wurden sich ZF und Knorr-Bremse beim Preis nicht einig.

Das Interesse von ZF an einem Bremsenhersteller blieb ungebrochen, und so rückte der schwedische Bremsenspezialist Haldex ins Visier. Aber auch hier ging ZF nach einem langwierigen Bieterkampf ausgerechnet mit Knorr-Bremse leer aus.

CEO Sommer hielt an seiner M&A-Strategie fest und nahm jetzt Wabco in den Blick, der kolpotierte Preis damals: 6 bis 8 Milliarden Euro. Während Aufsichtsratschef Giorgio Behr auf Sommers Seite stand, war dem restlichen Aufsichtsrat, in dem die Stadt Friedrichshafen über die Zeppelin Stiftung als Mehrheitseigentümer vertreten ist, nach der teuren Übernahme von TRW das M&A-Tempo zu schnell. In der Folge nahm zuerst Behr seinen Hut, einige Tage später auch CEO Stefan Sommer. CFO Sauer wurde Interimschef.

FINANCE-Köpfe

Dr. Konstantin Sauer, ZF Friedrichshafen AG

In den Achtzigerjahren beginnt Sauer seine Laufbahn als Berater bei der intra-Unternehmensberatung in Düsseldorf und als Doktorand im Bereich Zentraleinkauf bei Daimler-Benz in Stuttgart. Nach seinem Wechsel zu ZF Friedrichshafen im Jahr 1990 klettert er Stufe um Stufe die Karriereleiter hinauf: Projektleiter Logistikplanung und –organisation im Unternehmensbereich Nutzfahrzeug-und Sonder-Antriebstechnik, Leiter Controlling des Bereichs Produktion, Investitionen, Projekte und Leiter Controlling des Unternehmensbereichs Nutzfahrzeug-und Sonder-Antriebstechnik.

Im Jahr 2000 geht er nach Südamerika. Er wird CFO bei ZF do Brasil und wenig später CEO des gesamten Regionalbereichs Südamerika.

Im Jahr 2005 kehrt er als Leiter Konzern-Controlling in die Hauptverwaltung nach Friedrichshafen zurück. 2007 wird er Geschäftsführer für Finanzen, Controlling, Informatik, Materialwirtschaft, Recht, Versicherung, Unternehmensbereich Pkw-Fahrwerktechnik, Dielingen, seit 2010 ist er Vorstandsmitglied und CFO.

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Damals war vor allem die immer noch hohe Verschuldung aus der TRW-Übernahme eine der größten Hürden. Doch im Laufe der vergangenen Jahre hat ZF seine Nettofinanzverschuldung immer weiter abgebaut: Zum ersten Halbjahr 2018 lag sie bei 4,7 Milliarden Euro, in der Spitze waren es über 12 Milliarden Euro. Damit sind die Voraussetzungen heute etwas andere als beim erstmaligen Vorstoß auf Wabco.

93,8 Prozent von ZF sind im Besitz der Zeppelin-Stiftung, deren Träger die Stadt Friedrichshafen ist. Die übrigen 6,2 Prozent liegen im Besitz der Ulderup Stiftung, einer Stiftung mit Bildungsauftrag. CFO Sauer müsste daher auch jeden weiteren großen Deal komplett fremdfinanzieren, wie auch schon bei TRW, als er unter anderem das größte Schuldscheindarlehen aller Zeiten im Wert von 2,2 Milliarden Euro platzierte.

Die Wabco-Aktionäre sähen eine Übernahme durch ZF positiv: Die Aktie hat seit Bekanntwerden des Interesses der Deutschen um rund 8,5 Prozent auf zwischenzeitlich 130 Dollar zugelegt.