Bain und Carlyle – und AMS – wollen Osram übernehmen. Der größte Aktionär des Münchener Lichtkonzerns, Allianz Global Investors, ist dagegen.

Osram

08.08.19
Deals

Osram-Übernahme durch Bain und Carlyle wackelt

Allianz Global Investors sorgt für Unruhe in der geplanten Osram-Übernahme: Dem größten Aktionär des Lichtkonzerns ist die Offerte der Finanzinvestoren Bain und Carlyle zu niedrig. Der Deal droht zu platzen.

In den Bieterwettstreit um Osram mischt sich nun der größte Aktionär ein – und verpasst dem Vorhaben einen gewaltigen Dämpfer: Allianz Global Investors (Allianz GI), mit mehr als 9 Prozent an den Münchener Lichtkonzern beteiligt, lehnt das Übernahmeangebot der beiden Finanzinvestoren Bain und Carlyle als zu niedrig ab.

Der institutionelle Investor komme nach dem Abschluss einer „Fairness Opinion“ zu dem Ergebnis, dass die Osram-Aktie mehr wert sei als die Offerte der Finanzinvestoren, teilte er mit. Daher lehnt die Allianz GI das Übernahmeangebot entgegen der Empfehlung von Vorstand und Aufsichtsrat „derzeit“ ab. Der Osram-Kurs brach daraufhin um 6,5 Prozent auf 31,47 Euro je Aktie ein.

Offerte von Bain und Carlyle für Allianz nicht lukrativ

Der Grund für die Absage der Allianz GI in Richtung Bain und Carlyle liegt auf der Hand: Dem Vermögensverwalter brächte die Annahme einen massiven Verlust, da er in den zurückliegenden Jahren Osram-Aktien zu deutlich höheren Preisen gekauft hat. Allianz GI überschritt 2017 die 5-Prozent-Schwelle bei Osram, als die Aktie bei Werten um 67 Euro notierte. Ende vergangenen Jahres stockte der Investor erneut auf – zu 40 Euro je Aktie.

Die beiden PE-Häuser bieten den Investoren zurzeit 35 Euro je Osram-Anteilsschein. Würden die Finanzinvestoren alle ausstehenden Aktien kaufen, müssten sie dafür 3,4 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Ihre Offerte bewertet das MDax-Unternehmen inklusive Nettofinanzschulden und Pensionsverpflichtungen damit mit rund 4 Milliarden Euro. Der Umsatz der Münchener stagnierte im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 4,1 Milliarden Euro, Osrams operativer Gewinn (Ebitda) schrumpfte sogar um fast 13 Prozent auf 605 Millionen Euro.

Allianz GI fährt Bain und Carlyle in die Parade

Die Absage des Vermögensverwalters an die Übernahme-Offerte trifft die Finanzinvestoren an einem wunden Punkt: Sie haben für die Transaktion eine sehr hohe Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent aller Aktien festgelegt. Wenn die Allianz GI ihren Anteil nicht andient, fehlen Bain und Carlyle wichtige Anteile, um diese Schwelle zu erreichen.

Wichtig für die PE-Investoren wird daher nun sein, wie sich die weiteren Großaktionäre positionieren. Unter diesen rangieren die DWS mit knapp 6 Prozent sowie der US-Investor Blackrock mit etwas mehr als 5 Prozent ganz vorn.

Der Großinvestor Allianz GI verband seine Absage an die Übernahme-Offerte mit einer Kritik an Osrams Vorstand und Aufsichtsrat: Besonders „nachdem sich Allianz GI im vergangenen Jahr um einen konstruktiven Dialog mit Osram bemüht hat, ist es umso bedauerlicher, dass die beiden Gremien kein ausreichendes Vertrauen in das von ihnen geführte Unternehmen zu haben scheinen, sondern stattdessen vorziehen, es zu einem Preis zu verkaufen, der nach einem Abschlag aussieht“, erklärte der Asset Manager.

Auch die F.A.Z. zitierte in einem Bericht Stimmen aus dem Investorenumfeld mit der Klage, dass Vorstand und Aufsichtsrat Anfragen von Aktionären und Investoren unbeantwortet ließen. Osram bezog zu der Kritik am späten Nachmittag Stellung und nennt den Vorwurf „vollkommen abwegig“. Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat seien an einem Austausch mit den Anteilseignern interessiert und für einen solchen Dialog jederzeit offen und verfügbar. „Anfragen in jedweder Form“ habe man „umgehend und im Detail beantwortet“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Auch AMS stört Osram-Übernahme

Ruhe dürfte bei der Osram-Offerte so schnell nicht einkehren. Erst vor wenigen Wochen hatte auch der österreichische Sensorhersteller AMS sein zwischenzeitlich zurückgezogenes Angebot von 38,50 Euro je Osram-Aktie wieder ins Spiel gebracht. Die AMS-Offerte würde Osram dabei – ohne Nettoverschuldung und Pensionsverpflichtungen – mit 3,7 Milliarden Euro bewerten und liegt damit 300 Millionen Euro über dem Angebot der Finanzinvestoren.

Die Achterbahnfahrt wird den Kapitalmarkt noch einige Zeit beschäftigen. Osram-Aktionäre haben noch bis zum 5. September Zeit, ihre Papiere anzudienen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de