Das ehemalige TecDax-Unternehmen QSC verkauft seine Tochter Plusnet. Mit dem frischen Geld sollen die anderen Töchter wieder für Gewinn sorgen.

QSC

07.05.19
Deals

QSC gelingt M&A-Coup

Wendepunkt für QSC? Der IT-Dienstleister verkauft seine Netztochter Plusnet für einen erstaunlich hohen Preis an EnBW. Das eröffnet Spielraum für Investitionen in zukunftsträchtigere Geschäftsfelder. Die Aktie zieht an.

Eine erwartete Nachricht, aber eine überraschend hohe Transaktionssumme verhelfen der Aktie von QSC heute zu einem Kurssprung von über 10 Prozent: Der IT- und Telekommunikationsdienstleister aus Köln verkauft seine Netztochter Plusnet an die Telekomtochter des Energieriesen EnBW. Der Kaufpreis von 229 Millionen Euro liegt deutlich über den Erwartungen des Marktes: Die meisten Analysten hatten den Wert der Sparte auf unter 200 Millionen Euro taxiert. Nach Berechnungen des Bankhauses Lampe entspricht der Kaufpreis einem 2019er EV/Ebitda-Multiple von 7,8x. Die absehbaren Cash-Zuflüsse aus diesem Deal liegen laut Lampe über der aktuellen Marktkapitalisierung von QSC.

Dem Signing voran ging ein kompetitiver M&A-Prozess, den QSC zu Jahresbeginn angestoßen hatte. Schon im September vergangenen Jahres begann die Prüfung der strategischen Optionen. Auch Telekomkonzernen wie etwa United Internet wurde Interesse an Plusnet nachgesagt. QSC hofft, dass der Verkauf im dritten Quartal abgeschlossen werden kann. Zuvor benötigt der frühere TecDax-Konzern aber noch die Genehmigung durch die Kartellbehörden. QSC-Chef Jürgen Hermann ließ verlauten, „mit der EnBW Telekommunikation den idealen Partner“ gefunden zu haben, „der die Marke und das Unternehmen Plusnet erhalten will“.

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Stefan Baustert, QSC AG

Stefan Baustert beginnt seine Laufbahn im Jahr 1986 im Finanzbereich des Stahlkonzerns Thyssen und steigt dort schnell in eine verantwortliche Position in den Bereichen Geld- und Kapitalmarktmaßnahmen, Investor Relations und strukturierte Finanzierungen auf. Anschließend baut er die Telekommunikationsaktivitäten des Thyssen-Konzerns mit auf und wird im Zuge dessen 1994 Finanzvorstand der Thyssen Telecom. 1997 wechselt er in die Geschäftsführung von E-Plus Mobilfunk.

Nach dem Verkauf von E-Plus an die niederländische KPN wird Stefan Baustert Anfang 2003 Finanzvorstand des börsennotierten Hightech-Maschinenbauers Singulus Technologies, der bereits zu dieser Zeit mit einem rückläufigen Absatzmarkt im Kerngeschäftsfeld Optical Discs zu kämpfen hat. Baustert leitet die ersten Restrukturierungsmaßnahmen ein und steigt im Jahr 2006 zum CEO des Hightech-Unternehmens auf. Den Posten als CFO behält er in Personalunion. In dieser Zeit stößt Baustert die Diversifikation von Singulus in das Solargeschäft an, die durch hauseigene Produktentwicklungen und die Übernahme des bayerischen Solarspezialisten Stangl vorangetrieben wird.

2009 scheidet Baustert bei Singulus aus. Im Jahr 2010 wechselt er zum Maschinenbauer Rena Technologies, der wie Singulus Maschinen für nasschemische Beschichtungsprozesse im Solarmaschinenbau herstellt. Dort führt Baustert als Geschäftsführer Restrukturierungen durch.

Anfang 2015 übernimmt er die Funktion des Finanzvorstands des börsennotierten Telekommunikations- und Cloud-Anbieters QSC aus Köln.

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Frisches Geld soll in IoT und Cloud gepumpt werden

Der höher als erwartete Verkaufserlös hilft QSC gleich zweierlei: Zum einen kann CFO Stefan Baustert den Konzern stark entschulden. Zum Jahresende 2018 wies QSC Nettofinanzschulden in Höhe von 120 Millionen Euro aus. Auch eine Sonderausschüttung an die Aktionäre halten Beobachter für möglich.

Vor allem will das Management nun aber die Investitionen in die beiden Zukunftssparten Cloud und IoT hochfahren. Dort hat QSC noch viel zu tun: 2018 erwirtschaftete der Cloud-Bereich einen Umsatz von lediglich 36,5 Millionen Euro, nur knapp 10 Prozent vom Gesamtumsatz. Aber während QSC als Ganzes im Umsatz um 2 Prozent wuchs, legten die Erlöse im Cloud-Geschäft um über 30 Prozent zu.

Im Cloud-Geschäft konkurriert QSC aber nicht nur mit internationalen Großkonzernen wie Microsoft oder T-Systems, sondern auch mit wesentlich größeren deutschen Anbietern wie Cancom oder Bechtle. Investoren fürchten, dass QSC die Finanzmittel fehlen könnten, um im Cloud-Geschäft eine Marktposition zu erlangen, die das Ausnutzen nennenswerter Skaleneffekte ermöglicht.

„Mit einer klaren Fokussierung und zusätzlichen Mitteln“ will CEO Hermann das operative Geschäft der Wachstumsfelder nun ausbauen. Maßnahmen sind zum Beispiel ein offensiverer Markt- und Vertriebsangang sowie verstärkte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Auch Zukäufe, die das Technologie-Portfolio erweitern, will QSC prüfen.

Gelingt QSC der Turnaround?

Neue Dynamik wäre am Kapitalmarkt hoch willkommen, kämpft QSC doch schon seit vielen Jahren mit einer gravierenden Wachstumsschwäche. Schon im Frühjahr 2016 hatte der neu hinzu gekommene CFO Stefan Baustert bei FINANCE-TV erklärt, wie er QSC wieder in Fahrt bringen will. Doch im Vergleich zu 2015 lagen Umsatz und operativer Gewinn (Ebitda) 2018 mit 366,8 und 35,4 Millionen Euro um 9 beziehungsweise 16 Prozent niedriger. Die schrumpfenden Erlöse sind auch darauf zurückzuführen, dass das Cloud-Geschäft sich langsamer entwickelt als erhofft und zum Teil auch noch das Stammgeschäft mit Outsourcing-Dienstleistungen kannibalisiert.

Zwischenzeitlich drohte die Aktie des Telekomanbieters sogar zum Pennystock zu verkommen. Im März fiel die Aktie nach einem zweieinhalbjährigen Abwärtstrend auf Kurse um 1,20 Euro. Die M&A-Fantasie um Plusnet und der jetzt erfolgte Verkauf haben zumindest zu einer Erholung auf 1,60 Euro geführt. Im frühen Handel heute Morgen war das Papier sogar um fast 20 Prozent auf 1,75 Euro in die Höhe geschossen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Stefan Baustert ist seit Januar 2015 der CFO beim Telekommunikationsunternehmen QSC. Er folgte auf die frühere Finanzchefin Barbara Stolz, die das Amt nach eineinhalb Jahren bereits wieder aufgeben musste. Erfahren Sie mehr über die QSC-CFOs auf ihren Profilen bei FINANCE-Köpfe.