Schießt mit seinem Forderungspaket gegen die geplante Übernahme: Rhön-Großaktionär B. Braun Melsungen

B. Braun Melsungen

20.04.20
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Rhön-Aktionär B. Braun torpediert Übernahme durch Asklepios

Um die geplante Übernahme von Rhön-Klinikum durch den Mitbewerber Asklepios ist ein offener Streit entbrannt. Rhön-Großaktionär B. Braun stellt hohe Forderungen, Asklepios positioniert sich deutlich dagegen.

Öffentlicher Schlagabtausch zwischen den Großaktionären von Rhön-Klinikum:  Der zweitgrößte Anteilseigner von Rhön-Klinikum, der Medizintechnikhersteller B. Braun Melsungen, hat sich mit weitreichenden Forderungen zu Wort gemeldet:

Wie Rhön-Klinikum am Samstag mitteilte, fordert der mit gut 25 Prozent beteiligte Großaktionär B. Braun eine außerordentliche Hauptversammlung, auf der er unter anderem auch eine Sonderdividende von 2 Euro pro Aktie einfordern möchte. In Summe entspräche dies dann etwa 134 Millionen Euro – und läge  deutlich über der von Rhön vorgeschlagenen Dividendenzahlung von rund 17 Millionen Euro, was 25 Cent je Aktie entspricht.

Zudem sollen bei zukünftigen Hauptversammlungen nach dem Willen von B. Braun Beschlussfassungen nur noch mit einer 75-Prozent-Mehrheit der Stimmen beziehungsweise des vertretenden Grundkapitals möglich sein. Damit hätte B. Braun in jedem Fall eine Sperrminorität. Weiterer Punkt des Forderungspakets ist die Abberufung zahlreicher Aufsichtsratsmitglieder, darunter auch von Aufsichtsratschef und Rhön-Gründer Eugen Münch.

Asklepios geht in die Gegen-Offensive

Rhön-Mehrheitsaktionär Asklepios lehnt diese Forderungen von B. Braun vehement ab. Der Kaufinteressent, der über ein Joint Venture mit Rhön-Gründer Eugen Münch bereits auf 49 Prozent der Anteile kommt, will ebenfalls eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und dort die B.-Braun-Vertreter im Aufsichtsrat vorzeitig abberufen. Dazu zählt auch B. Braun-CFO Annette Beller. Der Vorwurf: Die Finanzchefin würde als Aufsichtsrätin „nicht gemäß den Interessen und dem Wohl der Gesellschaft handeln“, heißt es in einer Adhoc-Mitteilung vom heutigen Montag.

In einer von der „F.A.Z.“ zitierten Stellungnahme bezeichnete Asklepios die Forderungen von B .Braun als „maßlos“: Diese würden die Stabilität des Unternehmens und die Sicherheit der Arbeitsplätze unmittelbar gefährden, zitiert die Zeitung aus dem Statement.

Rhön musste erst kürzlich seine Gewinnprognose für 2020 senken. So rechnet das Klinikunternehmen für das laufende Geschäftsjahr trotz steigender Umsätze mit einem deutlich niedrigen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in einer Spanne zwischen 72 bis 82 Millionen Euro. 2019 lag dieser noch bei 125,3 Millionen Euro. B. Brauns Vorstoß, in dieser Situation eine höhere Ausschüttung zu fordern, tadelte Asklepios als „unverantwortlich“, zumal die Folgen der Coronavirus-Pandemie weiterhin nicht absehbar seien.

FINANCE-Köpfe

Dr. Annette Beller, B. Braun Melsungen AG

Nach der Promotion in Göttingen beginnt Annette Beller ihre Karriere 1989 bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wollert-Elmendorff, zunächst als Prüferin und anschließend als Prüfungsleiterin.

Im Oktober 1995 wechselt sie zu dem Medizintechnikhersteller B. Braun Melsungen in Nordhessen. Sie übernimmt dort die Position als Direktorin des Bereichs Finanzen, Steuern und Rechnungswesen. Zudem wird sie Mitglied der Zentralbereichsleitung für Finanzen und Controlling.

Im April 2011 rückt Beller in den Vorstand auf, zunächst wie bei dem Familienunternehmen üblich als stellvertretendes Mitglied. Sie ist für den Bereich Finanzen, Steuern und Controlling sowie das Ressort Zentrale-Service, was die IT, Logistik, Facility Service und den Einkauf umfasst, zuständig. Ein Jahr später wird Annette Beller zum ordentlichen Vorstandsmitglied und besetzt seitdem den CFO-Posten.

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Rhön-Übernahme könnte sich verschieben

Asklepios verlangt nun, dass die eigene Forderung nach einer außerordentlichen Hauptversammlung vor dem von B. Braun geforderten außerordentlichen Aktionärstreffen behandelt werden soll. Der Rhön-Vorstand will nun beide Einberufungsverlangen prüfen.

Im Falle einer außerordentlichen Aktionärsversammlung müsste sich Asklepios vermutlich auch von seinen eigentlich Plänen verabschieden, die Übernahme von Rhön-Klinikum noch im zweiten Quartal dieses Jahres abzuschließen. Im Falle einer außerordentlichen Hauptversammlung würde sich die Annahmefrist für das Übernahmeangebot auf zehn Wochen ab Veröffentlichung der Angebotsunterlage verlängern.

Asklepios will den übrigen Aktionären 18 Euro je Rhön-Titel anbieten – ziemlich exakt der Wert, auf den sich auch der Aktienkurs zum Start dieser Woche eingependelt hat.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere der B. Braun Melsungen-CFO lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Annette Beller.

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