SAP/Stephan Daub

30.01.18
Deals

SAP attackiert Salesforce am M&A-Markt

SAP ist zurück im M&A-Geschäft: Für den US-Anbieter Callidus bietet SAP 2,4 Milliarden Dollar. Der erste Milliardendeal seit 2014 ist eine Kampfansage an den US-Rivalen Salesforce.

Die SAP-Führung hat sich offenbar dazu entschlossen, die große Lücke, die im Geschäft mit Kundenmanagement-Software (Customer Relationship Management: CRM) zum US-Branchenprimus Salesforce klafft, zu schließen – mit Hilfe des M&A-Markts.

Der Dax-Konzern kündigte heute Morgen ein Übernahmeangebot zu 36 Dollar pro Aktie für den börsennotierten US-CRM-Spezialisten Callidus an. Der Kaufpreis beliefe sich auf 2,4 Milliarden Dollar, doch sowohl die Kartellbehörden als auch die Callidus-Aktionäre müssen dem Deal noch zustimmen. Der Aufschlag auf den jüngsten Aktienkurs von Callidus ist mit 21 Prozent vergleichsweise gering. Vor einem Jahr notierte Callidus allerdings noch bei lediglich 20 Dollar.

SAP schlägt zum zweiten Mal bei einem CRM-Target zu

Callidus ist ein Anbieter von Cloud-Software, die Vertriebsmitarbeiter nutzen können, um die Preise komplexer Produkte besser kalkulieren zu können. Außerdem soll sie dabei helfen, Vertriebserfolge besser messbar zu machen. Interessant für SAP dürfte sein, dass Callidus ein Kooperationspartner von Salesforce ist, nach einer Übernahme aber ins SAP-Lager wechseln würde.

Dies dürfte den Rückstand von SAP auf Salesforce im CRM-Geschäft verringern. Dort kam Salesforce im Jahr 2016 – neuere Daten liegen noch nicht vor – auf einen Marktanteil von 19 Prozent, dahinter folgten Oracle (9,4 Prozent) und SAP mit kaum mehr als 7 Prozent. Im September hatte SAP schon einmal im CRM-Bereich zugekauft, wenn auch in kleinerem Maßstab: Die Walldorfer zahlten 350 Millionen Dollar für den US-Softwareentwickler Gigya, dessen Software E-Commerce-Anbietern dabei hilft, Kundenprofile zu verwalten.  

Callidus operiert noch in der Verlustzone

Die Bewertungsmaßstäbe wirken wie üblich bei M&A-Deals im noch jungen Cloud-Segment auch bei der Callidus-Transaktion ambitioniert. Das Unternehmen wächst im Umsatz mit rund 20 Prozent pro Jahr und dürfte in wenigen Tagen 2017er-Erlöse von knapp 250 Millionen Dollar berichten. Im laufenden Jahr sollen die Erlöse auf 300 Millionen Dollar ansteigen.

Auf unbereinigter Basis erwirtschaftet Callidus operative Verluste. 2017 dürfte sich der Verlust gegenüber dem Vorjahr sogar noch von 17,4 auf etwa 20 Millionen Dollar ausgeweitet haben. Der Cashflow aus dem operativen Geschäft ist jedoch schon deutlich positiv. 

SAP hat über 25 Milliarden in M&A-Deals gesteckt

Der Griff nach Callidus signalisiert, dass SAP seine Schlagzahl am M&A-Markt wieder erhöhen will. Seit dem größten Zukauf der Firmengeschichte, der über 8 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Cloud-Spezialisten Concur im Jahr 2014, hatte SAP nur kleinere Deals abgeschlossen. Davor hatte der Dax-Konzern in einem wahren M&A-Feuerwerk aber gleich eine ganze Reihe von Milliardenübernahmen getätigt, um sein Cloud-Geschäft aufzubauen: Für die Übernahmen von Business Objects (2008), Sybase (2010), Success Factors (2012), Ariba (2013) und Hybris (2014) investierte SAP rund 20 Milliarden Euro, inklusive Concur sogar weit mehr als 25 Milliarden Euro.

Inzwischen ist das Cloud-Geschäft auch zu einer tragenden Säule des Konzerns geworden, wie die heute vorgelegten Jahreszahlen zeigen. Mit Mietsoftware aus der Cloud erwirtschaftet SAP mittlerweile 16 Prozent des Konzernumsatzes, mit steigender Tendenz: Während das Altgeschäft nur noch wenig wächst, sollen die Cloud-Umsätze auch im nächsten Jahr um rund 30 Prozent zulegen und damit schon in naher Zukunft einen Umsatzanteil von einem Drittel erreichen. 

Auch die Zeit, in der der Aufbau des Cloud-Geschäfts die Gewinnmarge drückte, neigt sich dem Ende entgegen. Für 2018 verspricht SAP-CFO Luka Mucic den Investoren, dass die Marge zum ersten Mal seit dem Jahr 2013 wieder zulegen soll.

Luka Mucic, SAP AG

Luka Mucic startet seine berufliche Laufbahn 1996 bei SAP in der Rechtsabteilung, wo er sich auf den Bereich des Wirtschaftsrechts konzentriert. Es folgen Stationen in Führungspositionen innerhalb des Vorstandsbereichs Global Finance and Administration. Er übernimmt die Verantwortung für M&A sowie die Leitung des Bereichs Global Risk Management und der Rechtsabteilung von SAP Markets Europe.

Von 2008 bis 2012 ist Mucic CFO der DACH-Region und von SAP Deutschland. Im Juli 2013 rückt er als Head of Global Finance in das SAP Global Managing Board auf. Im Juli 2014 wird er als Nachfolger von Werner Brandt  CFO des SAP-Konzerns. Zusätzlich übernimmt Mucic die Rolle des Chief Operating Officers. 

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