Der französische Elektrotechnikkonzern Schneider Electric will den schwäbischen Bausoftwareentwickler RIB Software übernehmen - und bewertet die Stuttgarter mit 1,4 Milliarden Euro.

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13.02.20
Deals

Schneider Electric bewertet RIB Software mit 1,4 Milliarden Euro

Schneider Electric will das schwäbische Softwarehaus RIB Software und bewertet es mit rund 1,4 Milliarden Euro und einem Multiple von 23,5x. Die Franzosen wollen so von der Digitalisierung in der Baubranche profitieren.

Mega-M&A-Deal in der Baubranche: Der Elektrotechnikkonzern Schneider Electric kündigte heute Morgen ein Übernahmeangebot für den schwäbischen Bausoftwareentwickler RIB Software an. Das Unternehmen aus dem Département Hauts-de-Seine im Westen von Paris bietet den RIB-Aktionären 29 Euro pro Aktie in bar. Damit schlagen die Franzosen eine Prämie von rund 41 Prozent auf den letzten Schlusskurs und 37 Prozent auf den volumengewichteten Dreimonats-Durchschnittskurs vor Ankündigung.

Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus eine Aktie. Ein Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsvertrag sei nicht beabsichtigt. Aktuell hat sich Schneider Electric bereits 16 Prozent der Anteile an RIB gesichert, da sich CFO Michael Sauer, CEO Tom Wolf und andere Familienaktionäre unwiderruflich verpflichtet hätten, die Hälfte ihrer Aktien anzudienen. Auch die RIB selbst habe sich verpflichtet, ihre eigenen gehaltenen Aktien zu verkaufen. Mit der Ankündigung machte das Papier den erwarteten Sprung nach oben und notiert aktuell bei über 29 Euro.

Nicht nur der Aufschlag ist sportlich, auch der Zeitplan bis zum Abschluss des Deals ist zielstrebig: Von März bis April sollen die Aktionäre ihre Papiere Schneider anbieten können, das Closing des Deals soll bereits zum Ende des zweiten Quartals 2020 erreicht werden. Danach soll RIB vollständig in Schneider Electric konsolidiert werden. Einen Abschluss im zweiten Quartal hält etwa ein von der Dpa zitierte Analyst für „etwas optimistisch“, alleine die Prüfungen der Übernahme in den USA dürften einige Monate dauern. RIB ist mit mehreren Töchtern in Nordamerika vertreten.

RIB Software wächst und wächst – und kostet

Schneider Electric bewertet die de facto nettofinanzschuldenfreie RIB mit dem Übernahmeangebot insgesamt auf rund 1,4 Milliarden Euro (Equity Value, entspricht damit faktisch dem Enterprise Value). Bei RIBs erwarteten Umsatz für 2020 von 270 bis 310 Millionen Euro ergibt sich ein Umsatz-Multiple im Mittel von rund 4,9x. Für das Ebitda (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) prognostiziert Schneider zwischen 57 bis 65 Millionen Euro, woraus sich im Mittel ein Ebitda-Multiple von rund 23,5x ergebe.

Schneider Electric digitalisiert die Bauindustrie

Die Franzosen legen für den schwäbischen SDax-Konzern viel Geld auf den Tisch, allerdings versprechen sie sich auch einiges. Mit dem Deal planen die Franzosen, ihren Zugriff auf die Wertschöpfungskette in der Baubranche zu erweitern: RIB entwickelt Software für die Planung, Kalkulation und Echtzeit-Bauüberwachung. Dabei sticht besonders RIBs Position im Bereich des sogenannten Building Information Modelling heraus, dass Prozesse in der Bauindustrie nach Unternehmensangaben effizienter und kostengünstiger mache.

Dahinter verbirgt sich eine Big Data-Methode der vernetzten Planung, der Konstruktion und der Bewirtschaftung von Gebäuden. Damit würden die Franzosen den Bau, die Bewirtschaftung und Instandhaltung von Gebäuden besetzen. Lediglich beim Design von Gebäuden steht noch eine Lücke, für die die Kooperation mit anderen Wettbewerbern nötig  sei. Die Baubranche hinkt beim Einsatz digitaler Technologie weit hinterher, meint Schneider Electric. Dort sei also noch viel Luft nach oben.

RIB-CEO und -CFO bleiben vorerst an Bord

Schneider Electric macht den Deal aber auch für die RIB-Aktionäre schmackhaft: RIB erhalte einen „strategischen Ankeraktionär, um seine Expansion zu beschleunigen“ sowie „Zugang zu eine breiten internationalen Vertriebsnetzwerk“ und „fundiertes Wissen im Bereich Gebäudeeffizienz und Nachhaltigkeit“.

Für die beiden RIB-Chefs, CFO Michael Sauer und CEO Tom Wolf, ändert sich vorerst wenig: Beide sollen „auf Wunsch von Schneider Electric“ insgesamt 9 Prozent ihrer Anteile behalten, „um ihr weitergehendes Engagement zu unterstreichen und Kontinuität zu gewährleisten“, wie es in der Unternehmensmitteilung heißt. Sie sollen ihre Aufgaben bis zum Ende der bis 2022 laufenden Verträge weiterhin wahrnehmen.

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