Der chinesische Schrottrecycler Chiho-Tiande wird neuer Eigentümer von Scholz. Die Unternehmerfamilie zieht sich zurück.

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01.09.16
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Scholz-Familie verliert Familienunternehmen

Die Gründerfamilie muss ihren gesamten Anteil an dem Schrottrecycler Scholz an den chinesischen Konzern Chiho-Tiande abgeben – zum Preis von 1 Euro. Die Unternehmenskrise hat auch den Gläubigern schwere Einbußen beschert.

Das schwer in Schieflage geratene Familienunternehmen Scholz fällt vollständig in chinesische Hände. Käufer ist der chinesische Schrottrecycler Chiho-Tiande. Die Scholz-Familie gibt ihre Anteile zum symbolischen Preis von 1 Euro ab. Oliver Scholz bleibt aber Chef des operativen Geschäfts.

Damit steht die Finanzrestrukturierung des süddeutschen Recyclingunternehmens vor dem Abschluss. Chiho-Tiande hatte schon die Bankdarlehen aufgekauft – mit einem Abschlag von über 50 Prozent auf den Nennwert. Die ausstehende Mittelstandsanleihe über 182,5 Millionen Euro erfuhr sogar noch einen deutlich stärkeren Haircut. Die Bondholder erhalten maximal 11 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen zurück. Sicher haben sie aber nur 7,7 Prozent.

Scholz hat Turnaround nicht geschafft

Mit dem jetzt verkündeten Kauf der Familienanteile hält Chiho-Tiande sowohl auf Debt- als auch auf Equity-Seite die Zügel fest in der Hand. Es ist davon auszugehen, dass die Chinesen auch einen Teil der Darlehen in Eigenkapital umwandeln, um die Kapitalstruktur wetterfest zu machen. Insgesamt wollen die Chinesen die Finanzschulden von Scholz im Zuge der Finanzrestrukturierung um 500 Millionen Euro senken. Den verbleibenden Verschuldungsgrad halten die Chinesen für "vertretbar".

Scholz war mit viel zu hohen Schulden von rund 1 Milliarde Euro in die schwere Branchenkrise geraten, die den Recyclingmarkt unverändert in ihrem Griff hält. Das Familienunternehmen hatte viele Jahre lang auf Expansion gesetzt und diesen riskanten Kurs überwiegend fremdfinanziert.

Trotz tiefer Einschnitte in die Kostenstruktur und des Verkaufs zahlreicher Randgeschäfte gelang es der Scholz-Führung nicht, die Krise zu meistern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr brach der Umsatz von 3,1 auf 2,3 Milliarden Euro ein. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank von 91,3 auf 70,5 Millionen Euro. Unterm Strich bilanzierte Scholz einen Jahresverlust von 232 Millionen Euro. 2014 war bereits ein Verlust von 123 Millionen Euro angefallen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie es zur schweren Unternehmenskrise bei dem Familienunternehmen kam und welche Investoren sich noch für einen Einstieg interessiert haben: Die Antworten gibt es auf der FINANCE-Themenseite zu Scholz.