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Siemens Energy will Gamesa komplett

Siemens Energy will die spanische Windkrafttochter Siemens Gamesa komplett übernehmen. Foto: Siemens Energy
Siemens Energy will die spanische Windkrafttochter Siemens Gamesa komplett übernehmen. Foto: Siemens Energy

Die Gerüchteküche brodelte schon länger, nun ist es offiziell: Siemens Energy will seine spanische Windenergietochter Siemens Gamesa Renewable Energy (SGRE) komplett übernehmen. Wie das Unternehmen mitteilte, hat das Management den Aktionären am Samstagabend ein freiwilliges Kaufangebot in Höhe von 18,05 Euro in bar pro Aktie gemacht – insgesamt 4 Milliarden Euro.

Das Kaufangebot, das nicht an Bedingungen geknüpft ist, enthalte eine Prämie von 27,7 Prozent auf den letzten unbeeinflussten Schlusskurs der SGRE-Aktie von 14,13 Euro vom 17. Mai. Der Angebotspreis übersteigt somit knapp den volumengewichteten Durchschnittspreis der Aktie der vergangenen sechs Monate, auf den die spanischen Regulatoren ihr Augenmerk legen.

Die Münchener halten aktuell 67,1 Prozent an der spanischen Windenergietochter. Mit der geplanten Übernahme der verbleibenden 32,9 Prozent plant Siemens Energy das Delisting. Durch die Integration von Siemens Gamesa hofft Siemens Energy Synergien nutzen und so den anhaltenden Abwärtstrend bei der spanischen Tochter zu stoppen. „Das zusammengeführte Unternehmen kann von erheblichen Kosten- und Umsatzsynergien profitieren“, ist man bei Siemens Energy überzeugt.

Analysten drängen Siemens-Energy-Führung schon länger

Das deckt sich auch mit der Überzeugung vieler Analysten, die das Management der Münchener bereits Ende des vergangenen Jahres zu einer Übernahme von Gamesa gedrängt hatten. Ende Januar hatte eine neuerliche Gewinnwarnung bei Gamesa auch die Aktie der Mutter Siemens Energy auf Talfahrt geschickt und den Druck auf das Management der Münchener weiter erhöht. SGRE hatten zuletzt Projektverzögerungen und Probleme mit einer neuen Turbinengeneration schwer zugesetzt.

Von dem M&A-Deal erhofft sich die Siemens-Energy-Führung um CFO Maria Ferraro, dass man innerhalb von drei Jahren Kostensynergien in Höhe von 300 Millionen Euro pro Jahr heben könnte. „Die volle Integration von SGRE ist ein wichtiger Meilenstein für die Ausrichtung der Siemens Energy als Gestalter der Energiewende von fossilen zu nachhaltigen Energien“, betonte Siemens-Energy-Aufsichtsratschef Joe Kaeser.

CFO-Profil

Maria Ferraro

Siemens Energy

Siemens Gamesa steckt seit Jahren in der Krise

Die Chancen für die erhoffte Übernahme dürften in jedem Fall nicht schlecht stehen. Zwar brauchen die Münchener für einen Squeeze-out mindestens 95 Prozent, nach spanischem Börsenrecht könnte Siemens Energy SGRE jedoch bereits ab dem Besitz von 75 Prozent der Anteile von der Börse nehmen. Minderheitsaktionären würde in diesem Fall nach Informationen des „Handelsblatts“ drohen, dann in einer ungelisteten Firma investiert zu sein, die in den nächsten Monaten rund 1,4 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten refinanzieren muss und dafür wohl auf Eigenkapitalmaßnahmen setzen würde.

Gamesa steckt schon lange in der Krise und hat in jedem der zurückliegenden Geschäftsjahre gleich mehrfach die Jahresziele kassiert. Durch die Übernahme könnte es Siemens Energy gelingen, die leidigen Probleme im Geschäft mit den erneuerbaren Energien künftig in den Griff zu bekommen. Dabei will der Konzern nach eigenem Bekunden auch künftig auf den Bereich Windenergie setzen.

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Übernahme wird für Siemens Energy zum Kraftakt

Für die Münchener, die selbst in den roten Zahlen stehen, bedeutet die geplante Übernahme allerdings auch eine große finanzielle Belastung. Zur Finanzierung lägen verbindliche Zusagen der Bank of America und J.P. Morgan vor, heißt es von Siemens Energy. Sofern das Kaufangebot vollumfänglich angenommen werde, sei die Finanzierung des Deals mit bis zu 2,5 Milliarden Euro an Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Instrumenten geplant. Dazu sei, abhängig von den Marktbedingungen, eine bezugsrechtslose Kapitalerhöhung möglich.

Die verbleibende Summe würde CFO Ferraro über Fremdkapital und vorhandene Barmittel finanzieren, so der Plan. Bis zum offiziellen Start des Kaufangebotes dürfte es laut Handelsblatt-Informationen jedoch bis zum Herbst dauern. Demnach brauche die spanische Börsenaufsicht noch Zeit, um das Angebot zu prüfen. Der geplante Börsenabschied von SGRE könnte dann Anfang 2023 erfolgen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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