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Stabilus übernimmt Automatisierungsspezialisten Destaco 

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Stabilus bekommt Zuwachs: Destaco soll ab 2024 zu dem Zulieferer aus Koblenz gehören. Foto: Stabilus SE
Stabilus bekommt Zuwachs: Destaco soll ab 2024 zu dem Zulieferer aus Koblenz gehören. Foto: Stabilus SE

Der Automobil- und Industriezulieferer Stabilus baut sein Automatisierungsgeschäft aus und übernimmt Destaco aus den USA von der Dover Corporation. Der Kaufpreis für den Industrial-Automation-Spezialisten beträgt 680 Millionen US-Dollar (rund 640 Millionen Euro). Den Betrag will Stabilus in bar bezahlen. Das Closing erwartet das Koblenzer Unternehmen im ersten Halbjahr 2024. 

Die Übernahme Destacos ist Teil der „Star2030“ genannten Transformations-Strategie von Stabilus, das zum Weltmarktführer im Bereich intelligenter Motion-Control-Technologien für industrielle Anwendungen und die Autoindustrie werden will. Die Strategie sieht vor, dass das Unternehmen bis 2030 zu einem integrierten Industrie- und Automobilzulieferer mit einer angestrebten Umsatzverteilung zwischen den Geschäftseinheiten Automotive und Industrial von jeweils 50 Prozent wird.  

Stabilus hat ehrgeizige Wachstumspläne 

Teil der Strategie ist zudem ein ehrgeiziger Wachstumsplan. Bis 2030 sollen der Umsatz auf 2 Milliarden Euro und die bereinigte Marge gemessen am operativen Gewinn (Ebit) auf 15 Prozent steigen. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2022 bei rund 1,1 Milliarden Euro, die bereinigte Ebit-Marge bei 14 Prozent. Stabilus-CEO Michael Büchsner rechnet damit, dass Produktionsstätten aus Schwellenländern in Industriestaaten rückverlagert werden und dort aufgrund des Fachkräftemangels Prozesse weiter automatisiert werden müssen. „Genau hier liegt die Kernkompetenz von Destaco“, so Büchsner. 

CFO Stefan Bauerreis hatte bereits im August im Gespräch mit FINANCE angekündigt, dass Stabilus nicht nur organisch wachsen will, sondern auch über M&ADeals, vor allem im Industriebereich, der bisher etwa 40 Prozent des Umsatzes ausmacht. „Eine Long- und eine Short-Liste potentieller interessanter Targets unterschiedlicher Größe bestehen, und wir arbeiten kontinuierlich daran“, erklärte Bauerreis damals. „Aber wir tätigen eine Akquisition nur, wenn wir wirklich überzeugt sind.“ Dafür stünden bis zu 700 Millionen Euro zur Verfügung. 

Destaco scheint eines der Unternehmen gewesen zu sein, das auf Bauerreis‘ Liste stand und von dem Stabilus überzeugt ist. Mit dem Erwerb kommen die Koblenzer dem Ziel einer ausgeglichenen Umsatzverteilung der Geschäftseinheiten schon sehr nahe. Rechnet man den Umsatz von Destaco mit ein, kämen rund 46 Prozent des erwarteten Umsatzes für 2023 aus dem Industriegeschäft. 

Stabilus finanziert Kauf aus Barmitteln und Krediten 

Zur Finanzierung der Transaktion wird Stabilus beim Vollzug rund 150 Millionen Euro an eigenen Barmitteln, 250 Millionen Euro aus einer zurzeit ungenutzten revolvierenden Kreditfazilität sowie 250 Millionen Euro aus einer Brückenfinanzierung einsetzen.

Die Brückenfinanzierung habe eine Laufzeit von 12 Monaten, mit zwei Verlängerungsoptionen von jeweils 6 Monaten. Die Brückenfinanzierung sei mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent auf den Euribor verzinst, der Aufschlag werde bis zum 12. Monat schrittweise auf 1 Prozent steigen, teilte ein Sprecher auf FINANCE-Nachfrage mit. „Wir gehen davon aus, dass wir die Brückenfinanzierung innerhalb der nächsten 12 Monate refinanzieren werden.“ Als beteiligte Banken wurden im Investorencall die LBBW und Commerzbank genannt.

Destaco erzielte im vergangenen Jahr rund 213 Millionen US Dollar Umsatz (rund 200 Millionen Euro). Das 1915 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Auburn Hills, Michigan, und entwickelt und produziert an 13 Standorten weltweit Komponenten und Lösungen in den Bereichen Automatisierung, Spanntechnik und Remote-Handling.  

Destaco war seit 1962 Teil der Dover Corporation und soll auch unter dem Dach von Stabilus als eigenständige Marke fortgeführt werden. Die Belegschaft sowie die einzelnen Standorte sollen vollständig übernommen werden. Stabilus erwartet für Destaco ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von rund 9 Prozent auf etwa 360 Millionen US-Dollar bis 2028. 

Stabilus rechnet mit Umsatz- und Kostensynergien 

„Die Integration von Destaco in die Stabilus Gruppe wird nicht nur unseren Konzernumsatz deutlich anheben, sondern auch einen positiven Effekt auf unsere bereinigte Ebit-Marge haben“, erläutert Bauerreis, auch wenn der Zukauf auf die Zahlen des aktuellen Geschäftsjahres noch keinen Einfluss haben wird.  

Bis 2026 jedoch sollen jedoch unmittelbare Umsatzsynergien von mehr als 50 Millionen Euro pro Jahr entstehen, die aus einem gemeinsamen Marktauftritt, einem breiteren Kundenkreis und einem komplementären Produktangebot resultieren. Stabilus erwartet zudem Kostensynergien von mehr als 10 Millionen Euro pro Jahr. Darüber hinaus geht das Koblenzer Unternehmen davon aus, dass die Transaktionsstruktur zu steuerlichen Vorteilen in Höhe eines Barwerts von etwa 50 Millionen US-Dollar führt. 

„Unser Nettoverschuldungsgrad wird nach Vollzug der Transaktion unter zweieinhalbmal Ebitda liegen, sodass die Gruppe nach wie vor ausreichende finanzielle Flexibilität haben wird, das Geschäft zielgerichtet weiterzuentwickeln und unser Wachstum zu unterstützen“, betont Bauerreis, der seit Juni 2022 CFO bei Stabilus ist und vom Mitbewerber Schaeffler kam. 

Weitere Zukäufe seien erst einmal nicht geplant, man wolle sich zunächst auf die Integration von Destaco konzentrieren und die sich bietenden Synergien realisieren, teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit. Wenn sich aber Opportunitäten bieten würden, sei man noch handlungsfähig.

Stabilus kauft seit Jahren zu 

Stabilus hat in den vergangenen Jahren schon einige Zukäufe getätigt. Im Jahr erwarb der Konzern die Industriezulieferer Ace, Hahn Gasfedern, Fabreeka und Tech Products von der SKF-Gruppe. 2019 folgte der Erwerb von General Aerospace, einem Zulieferer von Lösungen zur Bewegungsteuerung für die Flugzeugindustrie sowie Clevers und Piston, Herstellern von Gasfedern und Dämpfern mit Sitz in Südamerika und der Türkei.  

Im Jahr 2021 beteiligte sich Stabilus mit einer Minderheit an der italienischen Cultraro Group, die auf kleinformatige Motion-Control-Lösungen spezialisiert ist, und erhöhte diese Beteiligung im Juli 2023 auf 60 Prozent der Anteile. Außerdem ist Stabilus 2021 im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit einem Minderheitsanteil bei Synapticon eingestiegen, die auf kompakte und integrierte Motion-Control-Elektronik spezialisiert ist. 

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.

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