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Strategisches Neuland: Douglas kauft Online-Apotheke Disapo

Douglas-CEO Tina Müller will mit dem Kauf der Online-Apotheke Disapo den E-Commerce weiter ausbauen.
Douglas-CEO Tina Müller will mit dem Kauf der Online-Apotheke Disapo den E-Commerce weiter ausbauen. Foto: Douglas

Douglas wagt sich aus der Parfümerienische heraus und greift im Markt der Online-Apotheken an: Für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag übernimmt  die Parfümeriekette die niederländische, aber hauptsächlich in Deutschland und China agierende Online-Apotheke Disapo. Damit bestätigen sich nachträglich M&A-Gerüchte aus dem vergangenen Oktober.

Disapo ist eine in Offenbach gegründete Online-Apotheke, die rezeptfreie und rezeptpflichtige Medikamente vertreibt. Mit einem Umsatz von knapp 90 Millionen Euro zählt Disapo zu den kleineren Anbietern. Zum Vergleich: Der Wettbewerber Shop Apotheke hat im vergangenen Jahr über 1 Milliarde Euro erlöst. Aber beide Unternehmen wachsen stark, der Anteil der Online-Versender am deutschen und europäischen Apothekenmarkt ist immer noch sehr gering. Laut dem Marktforschungsinstitut IQVIA liegen die jährlichen deutschen Apothekenumsätzen bei 64 Milliarden Euro, davon fallen nach einer Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel lediglich 1,2 Milliarden Euro auf den Online-Vertrieb. Diese Säule wächst jedoch um 50 Prozent pro Jahr.

Douglas übernimmt die Versandapotheke von deren Gründer und Geschäftsführer Sebastian Kraus, er soll auch künftig das Unternehmen leiten. Das Kartellamt muss die Übernahme noch genehmigen, aber Douglas rechnet schon im Frühjahr mit einem Abschluss des Deals. Unmittelbar dann sollen auch die Angebote von Douglas und Disapo miteinander verknüpft werden, was dem Neuerwerb Zugang zu Millionen von Douglas-Kunden verschaffen würde.

Douglas will mit Disapo europaweit expandieren

Douglas-CEO Tina Müller will mit dem Deal laut eigener Aussage „Wachstumschancen im Online-Gesundheitsmarkt systematisch nutzen“. Dazu gehört auch, das Angebot von Disapo in weitere europäische Länder auszurollen, in denen Douglas starke E-Commerce-Kanäle besitzt, beispielsweise Frankreich, Italien, Spanien und Österreich.

 Gegenüber dem „Handelsblatt“ sagte Müller, Douglas habe „die E-Commerce-Kompetenz und mit rund 50 Millionen Kundenkarten in Europa einen riesigen Kundenstamm“. Zunächst will Douglas nur rezeptfreie Medikamente über die eigene Plattform anbieten, später dann aber auch rezeptpflichtige Arzneimittel im Rahmen von „E-Rezepten“.

Douglas feilt an der Equity Story

Der Zeitpunkt dieses strategischen Vorstoßes ist nicht überraschend, hat Douglas die Folgen der coronabedingten Filialschließungen inzwischen doch besser weggesteckt als anfangs befürchtet.  Im Geschäftsjahr 2019/20 hatte die Corona-Pandemie das Geschäft noch stark getroffen, das Ebidta der Parfümeriekette war um 17 Prozent abgesackt. Im jüngst abgeschlossenen Geschäftsjahr 2020/21 stieg das bereinigte Ebitda des Unternehmens jedoch schon wieder von 222 auf 275 Millionen Euro. Doch der Jahresumsatz der Douglas-Gruppe liegt mir 3,1 Milliarden Euro immer noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau, was auch an umfangreichen Filialschließungen liegt. Diese haben auch dazu geführt, dass Douglas schon ein Drittel seines Geschäfts im Onlinehandel macht.

Vor diesem Hintergrund kann die Expansion in das Apothekengeschäft auch als Revitalisierung der Equity Story betrachtet werden. Für eine vergleichsweise kleine Investitionssumme etabliert das Management eine neue Unternehmenssäule, die im Erfolgsfall viele Jahre positive Neuigkeiten und starke Wachstumsraten produzieren kann. Zudem ließen sich an diese Plattform theoretisch auch weitere Online-Apotheken anschließen.

Gegenüber dem „Handelsblatt“ wollte sich Müller jedoch nicht konkret zum Thema Börsengang äußern. In Branchenkreisen hält man es für möglich, dass der Mehrheitseigner und Private-Equity-Investor CVC Douglas mittelfristig gerne veräußern würde, bei Bedarf auch mittels eines IPOs.

paul.siethoff[at]faz-bm.de

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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