Qiagen könnte bald einen neuen Besitzer haben: Thermo Fisher hat nach Einigung mit dem Vorstand ein öffentliches Übernahmeangebot bereitet.

QIAGEN N.V

03.03.20
Deals

Thermo Fisher greift für 10 Milliarden nach Qiagen

Vor wenigen Monaten wollte Qiagen es noch alleine versuchen, jetzt könnte das Biotech doch übernommen werden. Der US-Konzern Thermo Fischer will über 10 Milliarden Euro und ein Ebit-Multiple von 27,4x zahlen.

Der US-Laborausrüster Thermo Fisher Scientific startet einen neuen Versuch, das Biotech-Unternehmen Qiagen zu übernehmen. In einem öffentlichen Übernahmeangebot bietet Thermo Fisher über seine Tochter Quebec den Qiagen-Anteilseignern 39 Euro je Aktie an. Das ist eine Prämie von rund 23 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom gestrigen Montag.

Das MDax-Unternehmen Qiagen ist auf Technologien und Produkte für präanalytische Probenvorbereitung und molekularbiologische Tests spezialisiert. Es passt daher gut zu Thermo Fisher, die Laborausrüstungen für wissenschaftliche Anwendungen liefern. 2019 erwirtschafte das Technologieunternehmen Thermo Fisher mit 75.000 Mitarbeitern rund 25,54 Milliarden US-Dollar.

Mit dem Angebot von 39 Euro je Aktie bewertet der US-Konzern Qiagen einschließlich einer Nettoverschuldung von rund 1,26 Milliarden Euro mit 10,4 Milliarden Euro. Auf Basis des um Abschreibungen und Restrukturierungskosten bereinigten operativen Gewinns (Ebit) aus dem Geschäftsjahr 2019 von rund 422 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 380 Millionen Euro) liegt das Multiple bei 27,4x. Laut Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff sei das das Angebot des US-Konzerns vernünftig. Der Deal sei aber trotz der Kurshöhen vor Weihnachten kein Schnäppchen, denn immerhin stehe Qiagen zahlreichen Problemen gegenüber.

Qiagen-Vorstand unterstützt Offerte

Insbesondere hohe Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen in der Sparte Next Generation Sequencing belasteten das Ergebnis, hier hatte das Unternehmen eine Technologie entwickelt, die sich nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen konnte. Ohne Bereinigungen lag das operative Ergebnis bei minus 26 Millionen US-Dollar nach einem Vorjahresgewinn von 266 Millionen Dollar.

Auf Basis des Umsatzes für 2019 von rund 1,53 Milliarden Dollar (1,38 Milliarden Euro) – ein Plus von 2 Prozent zum Vorjahr – liegt das Multiple bei 7,5x. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern eine Umsatzsteigerung von währungsbereinigt 3 bis 4 Prozent. Das Corona-Virus und die damit einhergehenden Auslieferungen von Testkits dürften den Umsatz außerdem zusätzlich nach oben treiben.

Roland Sackers, Qiagen N.V.

Nach seinem Studium tritt Roland Sackers 1995 der Prüfgesellschaft Arthur Andersen bei und bleibt dort bis 1999. Danach wechselt er zu Qiagen, zunächst als Vice President für Finanzen. 2004 wird er zum Finanzvorstand ernannt, wo er seitdem die Entwicklung und Umsetzung der langfristigen Finanzplanung verantwortet, die der Wachstumsstrategie des Unternehmens zugrunde liegt. Im Jahr 2006 wird Roland Sackers darüber hinaus zum Managing Director ernannt.

zum Profil

Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 75 Prozent. Vorstände und Kontrollgremien unterstützen das Kaufangebot, welches „im besten Unternehmensinteresse von Qiagen“ sei und empfehlen den Aktionären die Annahme, heißt es in der Mitteilung des Biotechs.

Qiagen wollte es eigentlich alleine versuchen

Die Offerte treibt den Aktienkurs nach oben – der Kurs schnellte heute um 17 Prozent auf 38 Euro hoch. Damit kommt er wieder näher an das Zwischenhoch Anfang Dezember, als Verkaufsspekulationen der Aktie einen veritablen Höhenflug bescherten. Im November vergangenen Jahres gab Qiagen bekannt, dass gleich mehrere Interessenten um die deutsch-niederländische Gesellschaft werben würden, darunter schon damals Thermo Fisher. Medienberichten zufolge stand eine Offerte von 32 Euro je Aktie im Raum.

Qiagen war damals ins Visier der Wettbewerber geraten, weil der Aktienkurs nach zwei Gewinnwarnungen unter Druck geraten war. Zusätzlich verließ Anfang Oktober der langjährige CEO Peer Schatz das Unternehmen.

Doch im Dezember enttäuschte Qiagen den Markt: An Heiligabend erklärte das deutsch-niederländische Biotech die Prozesse für beendet. Die Aktie brach um 20 Prozent ein. Der Vorstand bewertete die damaligen Kaufangebote, als „nicht überzeugend“. Die eigenständige Durchführung der aktuellen Planungen stelle „die beste Möglichkeit zur Steigerung des künftigen Wertpotentials“ dar, erklärte das Unternehmen.

Offensichtlich hat der Vorstand um CFO Roland Sackers nun, nach einer Nachbesserung des Angebots seitens Thermo Fisher, die Meinung geändert. In einer ersten Einschätzung sagte Jefferies-Analyst Peter Welford, dass es seiner Meinung nach wohl keine Gegenangebote und auch keine rechtlichen Bedenken gegen den Deal geben dürfte.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr Informationen zur Vita des Qiagen-CFOs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Roland Sackers.