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Was Holcim für das Indien-Divestment in Kauf nimmt

Holcim hat mit der Adani Group einen Käufer für sein Indien-Geschäft gefunden. Foto: nmann77 - stock.adobe.com
Holcim hat mit der Adani Group einen Käufer für sein Indien-Geschäft gefunden. Foto: nmann77 - stock.adobe.com

Milliarden-Deal für Holcim: Der Schweizer Baustoffkonzern verkauft sein Geschäft in Indien an die Adani-Gruppe. Der Verkauf spült Holcim einen Barerlös von 6,4 Milliarden Schweizer Franken in die Kasse, wie das Unternehmen am gestrigen Sonntag mitteilte. Verkauft werden bei der Transaktion zwei Beteiligungen: In Indien hält Holcim bislang eine Beteiligung von 63,11 Prozent am Zementhersteller Ambuja Cement, der seinerseits gut 50 Prozent am Wettbewerber ACC besitzt. Darüber hinaus sind die Schweizer auch direkt mit 4,48 Prozent direkt an ACC beteiligt.

Beide Unternehmen sind börsennotiert und verfügen in Indien über 31 Zement- und 78 Transportbetonwerke mit insgesamt 10.700 Mitarbeitern. „Mit der Adani Group haben wir den perfekten neuen Eigentümer gefunden, um die nächste Wachstumsphase unseres indischen Geschäfts für unsere Mitarbeitenden und Stakeholders in einer schnellen und effizienten Transaktion einzuleiten“, sagt Holcim-CEO Jan Jenisch. Mit dem Abschluss des M&A-Deals rechnet das Unternehmen vorbehaltlich der Genehmigung durch die lokalen Behörden im zweiten Halbjahr 2022.

Indien-Deal: Schmale Übernahmeprämie für Holcim

Bei der Übernahmeprämie scheinen die Inder hart verhandelt zu haben: Im Fall von Ambuja Cement zahlt Adani mit 385 indischen Rupien eine Prämie von 7,5 Prozent je Aktie, bei ACC mit 2300 Rupien je Anteil beläuft sich der Aufschlag auf 9,4 Prozent. Laut Analyse der Schweizer UBS handelt es sich dabei um eine vergleichsweise geringe Prämie – und das, obwohl indischen Medienberichten zufolge auch weitere Strategen wie die JSW Group Interesse an dem Target gezeigt haben sollen. Die Bewertung entspricht nach Berechnungen der UBS einem Multiple von 14,5x Ebitda beziehungsweise einem Unternehmenswert von über 11 Milliarden Schweizer Franken inklusive 1,2 Milliarden Franken an Cash.

Das entspricht knapp einem Drittel des Umsatzes von Holcim: Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte der Baustoffkonzern einen Umsatz von rund 27 Milliarden Schweizer Franken und verbuchte ein Ebitda von 6,6 Milliarden Franken. Rund 23 Prozent davon stammen laut UBS-Analyse aus dem Geschäft des Baustoffkonzerns in der Asien-Pazifik-Region. Durch den Verkauf des Indien-Geschäfts gehen die Analysten von einem Rückgang des Ebitda von rund 10 Prozent aus. Auch auf den Free Cashflow hat der Verkauf Auswirkungen: Dieser könnte laut der UBS um bis zu 8 Prozent sinken. Insgesamt geht die Investmentbank davon aus, dass sich Holcims Börsenbewertung nach dem Deal von 6,6x auf 5,6x Ebitda reduziert.

Das spricht für das Indien-Divestment von Holcim

Doch der Deal dürfte auch bilanzielle Vorteile haben: So wird sich der Leverage auf 0,6x Ebitda für das laufende Geschäftsjahr 2022 halbieren, prognostiziert die UBS. Bereits im vergangenen Herbst konnte Holcim mit dem Verkauf des Geschäfts in Brasilien die Schulden reduzieren.

Darüber hinaus ist der Deal für den Baustoffkonzern, der zu den größten Betonproduzenten der Welt zählt, ein wichtiger Schritt bei der Transformation im Rahmen seiner „Strategie 2025“. Die Schweizer wollen sich stärker auf den Ausbau ihres Bereichs „Solutions & Products“ konzentrieren und haben in diesen in den vergangenen zwölf Monaten rund 5 Milliarden Franken investiert. Zudem hat Holcim die Segmente Zuschlagstoffe und Transportbeton mit Bolt-on-Übernahmen weiter ausgebaut.

Was ebenfalls für die Transaktion spricht: Das Indien-Geschäft ist der größte Einzeltitel aus einem Schwellenland im Portfolio von Holcim. Die UBS bewertet die Trennung dieser Einheit daher als „strategisch signifikant“. Fraglich bleibt aus Sicht der UBS-Analysten allerdings, wie Holcim die M&A-Erlöse konkret einsetzen will, um den Bereich „Solutions & Products“ zu stärken.

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Holcim: Mehr als 30 Interessenten für Russland-Geschäft

Fortschritte mache Holcim derweil auch beim geplanten Verkauf seines Russland-Geschäfts, wie CEO Jenisch am heutigen Montag gegenüber dem Nachrichtendienst Reuters mitteilte. Aus diesem will sich der Konzern im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg zurückziehen. Man habe bereits das Interesse von mehr als 30 potentiellen Käufern signalisiert bekommen, so Jenisch. Er rechnet daher nicht damit, das Portfolio komplett abschreiben zu müssen. Holcim verfügt in Russland über drei Werke mit insgesamt 1.500 Beschäftigten.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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