Gewerkschafter Luz mit ikonografischem Heuschreckenbild: „Auch 15 Jahre nach der Heuschreckendebatte ist das Verhältnis zu Private Equity noch nicht normalisiert.“

Andreas Varnhorn / Frankfurt Business Media

17.05.19
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Arbeiter und Tech: Die größten Hürden für Private Equity

Gegenwind für Private-Equity-Manager: Ein Arbeiterführer und ein Venture Capitalist lesen der Branche bei der 16. Deutschen Investorenkonferenz die Leviten. Aber es gibt auch Lichtblicke.

Betretenes Schweigen im Saal, als der IG-Metall-Funktionär Rudolf Luz zum Auftakt der 16. Deutschen Investorenkonferenz, die am gestrigen Donnerstag in Frankfurt stattfand, das Ergebnis einer Umfrage unter Betriebsräten deutscher Mittelständler bekanntgab: „Neun von zehn Betriebsräten stehen Private Equity immer noch negativ gegenüber.“

IG Metall reicht die Hand zum Dialog

Luz attestierte den über 100 anwesenden Private-Equity-Managern wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Belegschaft ihrer Portfoliounternehmen: „Sie nehmen die Arbeitnehmer nicht mit“, kritisierte Luz, der sich auch an den überschaubaren Investmenthorizonten von Private Equity rieb: „Gewinn folgt auf Unternehmenserfolg und nicht umgekehrt. Die aktuellen disruptiven Umbrüche in vielen Industriezweigen können nicht in vier, fünf Jahren bewältigt werden.“

Der Gewerkschaftsvertreter, der sich für die IG Metall mit Private Equity auseinandersetzt, fasste seine kritische Bestandsaufnahme prägnant zusammen: „Auch 15 Jahre nach der Heuschreckendebatte ist das Verhältnis von Arbeitnehmervertretern und Private Equity noch nicht normalisiert.“

Nichtsdestotrotz erkannte Luz auch die positiven Aspekte von Private Equity für den deutschen Mittelstand an, allen voran das Bereitstellen von Wachstumskapital und die Hilfestellung bei Internationalisierungsstrategien. „Deshalb sind wir trotz aller Differenzen an einem sachlichen, differenzierten Dialog mit Private-Equity-Häusern interessiert.“ Eine ausgestreckte Hand, die die Finanzinvestoren ergreifen sollten. Ein Indiz dafür, dass einige PE-Manager nicht besonders nah an der Arbeitnehmerschaft dran sind: Nicht wenige Private-Equity-Manager hat Luz‘ kritische Bestandsaufnahme überrascht.

„Wir trotz aller Differenzen an einem sachlichen, differenzierten Dialog mit Private-Equity-Häusern interessiert.“

Rudolf Luz, IG Metall

FINANCE-Leser-Voting: Müssen Private-Equity-Investoren stärker mit den Arbeitnehmervertretern in ihren Portfoliounternehmen kommunizieren?

Eine „Riesenchance“ für Private Equity?

Nicht nur im Stakeholder-Management in bodenständigen Betrieben, auch beim Vordringen in neue Investitionsfelder stößt Private Equity auf Herausforderungen – etwa beim neuen Hoffnungsträger Tech. Investments in Firmen dieses dynamischen Bereichs sehen Viele als Weg, um ihre Portfolios konjunkturresistent zu machen. „Aber für Tech-Investments brauchen PE-Häuser ein spezielles Team“, warnte der Tech-Investmentbanker Jens Munk von der US-Investmentbank Oppenheimer. „Serielle Tech-Investoren zeigen eine viel bessere Performance als Gelegenheitsinvestoren.“

Für Christian Nagel, Gründungspartner des bekanntesten deutschen VC-Investors Earlybird, ist das gang und gäbe. Er sieht bei Private-Equity-Häusern, die sich für reife Portfoliounternehmen seiner Branche interessieren, noch eine weitere Schwäche – das Festhalten an traditionellen Bewertungskriterien. „Bei Wachstumsinvestments muss man sich vom Ebit verabschieden“, sagte Nagel mit Blick auf die Wichtigkeit von Cashflows und Ertrag für klassische Beteiligungsmodelle. „Die meisten PE’s tun sich schwer damit.“

Der tech-erfahrene PE-Investor Marco Brockhaus entgegnete, dass solche Unternehmen dann aber meist auch noch nicht reif für ein Private-Equity-Investment seien, aber die Mehrheit der DIK-Teilnehmer erklärte in einem TED-Voting, dass die PE-Branche ihre Bewertungsmethoden für Tech-Investments weiterentwickeln muss. 

Worin sich alle Teilnehmer der Tech-Diskussionsrunde einig waren: Die Kapitallücke im Growth-Capital-Bereich ist riesig – und damit sind es auch die Investitionschancen. Als interessante Branchen für Private Equity nannten Nagel und Munk etwa Logistik- und Industrietechnologie. Der Private-Equity-Anwalt Pär Johansson von der Kanzlei Heuking setzte zudem noch Fintechs auf diese Liste: „Das sind Geschäftsmodelle, die für Private Equity relativ leicht zu verstehen sind.“

„Bei Wachstumsinvestments muss man sich vom Ebit verabschieden.“

Christian Nagel, Gründungspartner, Earlybird

KKR will Tech-Investments ausbauen

Bei Tech-Investments mischt auch KKR mit. In Deutschland ist der Mega-Investor zum Beispiel an Arago, einem Pionier für Künstliche Intelligenz, und dem Tourenportal Get Your Guide beteiligt. KKR-Deutschlandchef Christian Ollig brach im On-Stage-Interview eine Lanze für den Private-Equity-Standort Deutschland: „Der deutsche PE-Markt ist wesentlich vielfältiger als der britische. Damit ergeben sich auch für Private Equity große Chancen über alle Anlageklassen hinweg.“ Er kündigte an, dass KKR auch in Europa seine „Growth-Equity“-Plattform weiter ausbauen wird.

Die Aufgabe, frisch akquirierte Milliarden zu investieren, käme auch Olligs Team in dem vor einem Jahr neu formierten Frankfurter Büro zu. Seine erste Zwischenbilanz über den Start in Frankfurt fiel positiv aus: „Unser deutsches Büro hilft uns, komplexe Deals wie etwa unser Medienprojekt in der Anbahnung enger zu begleiten. Und für dieses Investment haben die Vorgespräche einige Jahre gedauert.“   
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de