Wiedersehen im Callcenter-Markt: Der PE-Investor Ardian übernimmt sein früheres Investment CCC erneut von Silverfleet Capital.

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21.11.17
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Ardian steigt erneut bei Callcenter-Betreiber CCC ein

Ungewöhnliche Transaktion im Private-Equity-Markt: Zum zweiten Mal investiert der PE-Investor Ardian in die Competence Call Center Gruppe (CCC). Ardian kauft CCC von Silverfleet Capital zurück, die den Callcenter-Betreiber 2013 übernommen hatten.

Dass Private-Equity-Häuser sich gegenseitig ihre Portfoliounternehmen abkaufen, ist in der Branche Teil des Geschäfts. Seltenheitswert hat aber die Transaktionsgeschichte des Callcenter-Betreibers Competence Call Center Gruppe (CCC): 2013 verkaufte Ardian das Unternehmen an Silverfleet Capital. Rund vier Jahre später geht das Asset den umgekehrten Weg.

Über seinen vierten Wachstumsfonds („Expansion Fund IV“) will Ardian das Unternehmen CCC von Silverfleet zurückkaufen, sofern die Kartellbehörden zustimmen. Zu finanziellen Details der Transaktion äußern sich die Beteiligten nicht. Die Agentur Reuters berichtet unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen aus dem Umfeld der Transaktion, dass der Unternehmenswert bei mehr als 200 Millionen Euro inklusive Schulden liege.

Silverfleet ist nach eigenen Angaben über die Entwicklung des Unternehmens „sehr erfreut“, nennt aber keine Zahlen. 2013 soll CCC für einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag den Besitzer gewechselt haben. Silverfleet hatte das Investment 2013 konservativ finanziert. Mehr als 50 Prozent der Finanzierungsstruktur bestanden aus Eigenkapital, sagte Silverfleet damals gegenüber FINANCE.

PE-Investor Ardian will CCC weiter internationalisieren

Ardian (vormals Axa Private Equity) hatte CCC von 2009 bis 2013 im Portfolio und legte den Grundstein für die internationale Expansion des Unternehmens. Unter anderem erfolgte der Markteintritt in Frankreich und der Türkei. Damaligen Angaben zufolge steigerte Ardian den CCC-Umsatz um rund 20 Prozent jährlich, 2014 sollte die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro überschritten werden.

Inzwischen hat CCC die 100-Millionen-Euro-Umsatzgrenze "deutlich überschritten", sagt Silverfleet-Partner Joachim Braun im Gespräch mit FINANCE. Das erneute Interesse des Vorbesitzers Ardian an dem Unternehmen hat sich im Laufe des Bieterprozesses herauskristallisiert: "Ardian hat sich in einem Verfahren gegen mehrere Mitbewerber durchgesetzt, darunter Strategen und weitere Private-Equity-Investoren", sagt Braun.

Beim zweiten Engagement will Ardian bei CCC nun das Servicespektrum des Unternehmens erweitern und weitere Länder erschließen, um zusätzliches Wachstum zu erzielen. Das Managementteam um CEO Christian Legat, CFO Thomas Nemec und COO Ulf Herbrechter soll auch unter Ardian an Bord bleiben und hat ebenfalls in CCC investiert.

Silverfleet ließ CCC in Europa wachsen

Die 1998 gegründete CCC beschäftigt derzeit 5.500 Mitarbeiter in acht Ländern, Hauptsitz des Unternehmens im deutschsprachigen Raum ist Berlin. Silverfleet hat dem Unternehmen in den vergangenen vier Jahren nach eigenen Angaben eine „ambitionierte Wachstumsstrategie“ auferlegt und die internationale Aufstellung mit der Eröffnung von acht neuen Standorte in Deutschland, Polen, Rumänien, der Schweiz und der Türkei verbreitert. Zudem hat sich CCC stärker auf Lösungen für Business Process Outsourcing (BPO) verlegt.

Verkäufer Silverfleet hat in Deutschland zuletzt in die Pumpenfabrik Wangen mit Sitz in Wangen im Allgäu investiert. Der Private-Equity-Investor soll derzeit an einem Fonds für Smallcap-Investments arbeiten, heißt es in Marktkreisen. Den Verkauf von CCC begleiteten William Blair, Roland Berger, Deloitte, Kirkland & Ellis sowie KPMG für Silverfleet. Latham & Watkins hat Ardian beim Kauf beraten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de