Friedrich Vorwerk

16.03.21
Deals

Coup für MBB: IPO-Bewertung von Vorwerk nochmal erhöht

Beim nun gestarteten Börsengang könnte der Wert von Vorwerk noch höher taxiert werden als bislang erwartet. Die Rendite des Finanzinvestors MBB bei diesem Investment wird immer monströser.

Jetzt wird es ernst für MBB an der IPO-Front: Noch im März will der Finanzinvestor sein Portfoliounternehmen Friedrich Vorwerk, einen Industriedienstleister im Bereich Energieinfrastruktur, an die Börse bringen. Im Fall einer Vollplatzierung würde sich der Streubesitz von Friedrich Vorwerk danach auf 46 Prozent belaufen. Gelingt der IPO, könnte der Vorwerk-Deal Geschichte schreiben im deutschen Mittelstands-Private-Equity – als einer mit einer enorm hohen Rendite

Die Preisspanne bei dem geplanten Börsengang für 9,2 Millionen Aktien liegt zwischen 41 und 56 Euro. 7,2 Millionen des Aktienpakets stellen die Altaktionäre bereit, der größte Teil davon dürfte auf den Haupteigentümer MBB (Anteil: 60 Prozent) entfallen. Die Bewertung lässt aufhorchen, liegt sie doch noch einmal über den bisher kursierenden Schätzungen von 800 Millionen Euro.

Selbst am untersten Ende der Preisspanne läge der Börsenwert von Vorwerk bei 820 Millionen Euro. Sollte der Maximalwert erreicht werden, läge der Wert sogar bei 1,12 Milliarden Euro. Auf diesem Preisniveau käme Friedrich Vorwerk – den geplanten Cash-Zufluss von rund 100 Millionen Euro mit einberechnet – bei der Unternehmensbewertung auf ein Multiple von etwa 17x Ebitda. Am unteren Ende läge das Multiple immer noch bei rund 13x Ebitda.

MBB könnte bei Vorwerk Einsatz verdreißigfachen

Was bedeutet diese Bewertungsspanne für die Rendite von MBB, einer Industrieholding, die zu einem früheren Zeitpunkt unter anderem auch schon den Autozulieferer Aumann erfolgreich an der Börse platzieren konnte? MBB erwarb im Juli 2019 einen Anteil von 60 Prozent der Anteile an Friedrich Vorwerk für gerade einmal 17,67 Millionen Euro. Hinzu kam ein Add-on-Deal: Der Finanzinvestor zahlte 5,26 Millionen Euro für die Übernahme von Bohlen & Doyen, ein Stromtrassen- und Gasspeicher-Unternehmen. Kurios: Beide Unternehmen, die jetzt zusammen mit 12x bis 17x Ebitda bewertet werden sollen, erwarb MBB unter Buchwert – vor nicht einmal zwei Jahren. 

Insgesamt investierte MBB also 22,9 Millionen Euro in das Buy-and-Build-Projekt Vorwerk. Selbst wenn sich beim Börsengang nur der Minimalwert ergäbe, hätte MBB seinen Einsatz also schon mehr als verzwanzigfacht. Käme der IPO zum Höchstpreis, würde MBB seinen Einsatz sogar fast verdreißigfachen – und das nicht nur auf dem Papier, sondern nach dem Börsengang wahrscheinlich rund zur Hälfte auch schon realisiert.

MBB, ein begnadeter Equity-Story-Teller

Im Wesentlichen ist Vorwerk ein Spezialist für das Verlegen von Pipelines und Erdkabeln. Derzeit profitiert das Unternehmen von dem Ausbau der Hochleistungsstromleitungen in Deutschland, notwendig gemacht durch das Wachstum der Offshore-Windenergie in Norddeutschland und das Abschalten der Kohle- und Atomkraftwerke in der Mitte und im Süden. Daneben ist Vorwerk noch im Anlagenbau und der Anlagenwartung tätig.

Das vergangene Geschäftsjahr von Vorwerk lief hervorragend. Das Unternehmen erwirtschaftete einen Umsatz von 291 Millionen Euro und übertraf damit die eigenen Prognosen, die bei 280 Millionen Euro lagen. Das operative Ergebnis (Ebitda) lag bei 59 Millionen Euro, eine Marge von rund 20 Prozent. 

Trotzdem wirkt ein Ebitda-Multiple von bis zu 17x für einen Industriedienstleister ambitioniert. Doch obwohl dieses Szenario wohl frühestens gegen Ende des Jahrzehnts in Deutschland wirklich relevant werden dürfte, positioniert MBB sein Portfoliounternehmen schon jetzt als potentiell großen Profiteur des Aufbaus einer Wasserstoffwirtschaft. Wasserstoff benötigt Produktionsanlagen sowie Leitungsnetze, in denen der Rohstoff der Zukunft verteilt werden kann.

In dieses Geschäftsfeld will Vorwerk kräftig investieren. Doch aktuell hat Vorwerk erst wasserstoffbezogene Aufträge mit einem Volumen von 21 Millionen Euro in den Büchern, das entspricht 8 Prozent des Auftragsbestands. Zum Umsatzanteil machen MBB und Vorwerk keine Angaben, aber dieser dürfte noch deutlich niedriger als 8 Prozent liegen.

Der Coup von MBB beim IPO von Aumann

Dass ein visionäres Storytelling am Kapitalmarkt verfangen kann, hat MBB schon selbst einmal bewiesen – beim Börsengang von Aumann. Obwohl das Unternehmen damals noch einen Großteil seines Geschäfts mit klassischen Antriebstechniken machte, gelang es MBB, Aumann als E-Mobilitäts-Aktie zu positionieren. 

Im März 2017 startete die Aktie – ausgegeben zu 42 Euro – mit einem Kurs von knapp 50 Euro und kletterte im halben Jahr danach bis auf über 80 Euro. Doch die Vision ging nicht auf: Während das kleinere E-Mobilitätsgeschäft von Aumann letztlich nur moderat zulegen konnte, geriet der klassische Geschäftsteil schwer unter die Räder der Branchenschwäche im Automobilbau. Inzwischen ist die Aumann-Aktie nur noch 15 Euro wert. 

eva.brendel[at]finance-magazin.de