KKR will den Marktforscher GFK in die digitale Zukunft steuern. Welche Rolle spielt dabei Computermilliardär Michael Dell?

Davizro/iStock/ThinkStock/Getty Images

13.02.17
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Das hat Michael Dell bei Marktforscher GFK vor

KKR ist beim Kampf um den Marktforscher GFK am Ziel. Für den Mitbieter Michael Dell ist das nur auf den ersten Blick eine Niederlage.

KKR hat den Einstieg beim Marktforscher GFK auf die letzte Minute geschafft: Kurz vor Ende der Umtauschfrist am vergangenen Freitag um 24 Uhr hatten schließlich genug Aktionäre das Angebot des Finanzinvestors angenommen.

KKR hatte gemeinsam mit dem GFK-Verein festgelegt, dass mindestens 18,54 Prozent der Anteile in die Hände des US-amerikanischen Private-Equity-Investors gehen müssen, damit das Angebot in Kraft tritt. Denn der Verein hält 56,46 Prozent der Anteile. Zusammen kommen die beiden Verbündeten jetzt auf mehr als 75 Prozent, so dass keine Sperrminorität sie aufhält, wenn sie das kriselnde SDax-Unternehmen umkrempeln.

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KKR musste um GFK zittern

Zwei weitere Investoren hatten den Deal kurz vor Schluss gefährdet: Der Computermilliardär Michael Dell hat sich über seine Investmentgesellschaft MSD Capital mit mindestens 10 Prozent eingekauft, der Londoner Finanzinvestor Primestone Capital mit mindestens 5 Prozent.

Man könnte annehmen, dass Computermogul Dell bei seinen Beteiligungen in erster Linie strategische Ziele verfolgt. Das ist aber nicht so. MSD Capital ist ein Finanzinvestor mit dem Zweck, das Vermögen von Michael Dell – laut Schätzungen knapp 20 Milliarden US-Dollar – zu verwalten. Bezeichnend ist, aus welchem von Dells Fonds – „Investment Groups“ nennt MSD sie – das Kapital für den Einstieg bei GFK kommt: „Special Opportunities“ heißt der, und konzentriert sich unter anderem auf Equity-Investments in Sondersituationen, wie etwa Insolvenzen.

Naheliegend ist, dass Michael Dell und sein Europa-Statthalter Jonathan Esfandi auf zweifache Art finanzielles Potential in GFK gesehen haben. Erstens dürften sie zumindest die Möglichkeit einkalkuliert haben, dass KKR ein zweites, höheres Umtauschangebot an die GFK-Aktionäre macht. Mit dem Erreichen der erzielten Umtauschquote ist das jetzt eher unwahrscheinlich. 

Michael Dell ist der blinde Passagier bei GFK

Das bedeutet aber nicht, dass Dell jetzt seine GFK-Aktien im Wert von 160 Millionen Euro verkauft. Denn für ihn und Esfandi – vor seiner Zeit bei MSD war er Turnaround-Investmentmanager bei Lone Star – ist GFK jetzt zweitens eine Möglichkeit, sozusagen kostenlos von der Wertschöpfung durch KKR zu profitieren, wenn der neue Großaktionär das Unternehmen auf Vordermann bringt.

Der Finanzinvestor ist bekannt dafür, bei seinen Portfoliofirmen das operative Geschäft stark umzustellen, um Umsatz und Gewinn hochzuschrauben. So hat KKR dem Vernehmen nach bei dem Geschirr- und Besteckhersteller WMF die Anzahl der Lagerhäuser von über 30 auf vier zusammengekürzt, um die Koordination bei Online-Bestellvorgängen zu erleichtern.

Auch bei GFK geht es darum, ein ehemals starkes Unternehmen in die digitale Gegenwart zu bringen, wie aus Äußerungen von KKR und der GFK-Führung abzulesen ist. KKR hat eingeschliffene Prozesse, um das zu tun, und dürfte somit kaum auf den Ratschlag von Minderheitsaktionär Dell warten. Doch der Computermogul ist bestens positioniert, um als blinder Passagier von der Fahrt zu profitieren.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de