Trotz gelungener Sanierung überzeugt die Story von Pfleiderer den Kapitalmarkt derzeit noch nicht. Der PE-Investor Atlantik muss seinen geplanten Exit verschieben.

Uwe Mühlhäusser / Pfleiderer

23.10.15
Deals

Exit von Atlantik bei Pfleiderer vorerst misslungen

Erst Börsengang in Polen, dann Reverse Takeover: Der Luxemburger Investor Atlantik hat einen ungewöhnlichen Plan, um beim Holzverarbeiter Pfleiderer auszusteigen. Doch beim echten Kapitalmarkttest ist der Deal jetzt durchgefallen.

Die Luxemburger Investorengruppe Atlantik ist mit ihren penibel eingefädelten Ausstiegsplänen beim bayerischen Holzverarbeiter Pfleiderer zunächst gescheitert.

Eigentlich sollte die polnische Tochter Pfleiderer Grajewo Aktien im Wert von umgerechnet 210 Millionen Euro an die Warschauer Börse bringen. Im nächsten Schritt hätte Pfleiderer Grajewo den Mutterkonzern geschluckt – und für Atlantik den Weg freigemacht, nach und nach seine Anteile zu verkaufen. Doch Pfleiderer Grajewo hat die geplante Kapitalerhöhung nach dem Ende der Zeichnungsfrist am gestrigen Abend, „aufgrund widriger Marktverhältnisse“ abgesagt. 

Für Atlantik ist Pfleiderer ein Erfolgs-Investment

Atlantik ist ein in Luxemburg registriertes Investmentvehikel, hinter dem unter anderem der bekannte Sanierungsexperte Michael Keppel (früher Alvarez & Marsal) und der ehemalige Mannesmann-Manager Kurt Kinzius stehen. Abgesehen von Pfleiderer haben die beiden über Atlantik keine nennenswerten Investments getätigt.

Der Holzverarbeiter aber ist eine erfolgreiche Beteiligung für sie:  Beim Einstieg im Jahr 2012 war Pfleiderer ein Sanierungsfall, jetzt ist ein gesundes, ertragsstarkes Unternehmen. Allerdings gibt es immer noch Altlasten aus der Krisenzeit, allen voran eine 320 Millionen Euro große Highyield-Anleihe, die mit stolzen 7,875 Prozent verzinst wird.

Pfleiderer hätte die Möglichkeit, den noch bis 2019 laufenden Bond vorzeitig abzulösen. Als sich die Exitpläne von Atlantik und die geplante Kapitalerhöhung im Frühjahr konkretisierten, kletterte das Papier wieder über die Marke von 100 Prozent, wo es sich seitdem hält. Heute jedoch geht der Kurs von 104 auf 102 Prozent des Nennwerts zurück.

Die Kapitalerhöhung ist allerdings nicht abgesagt, sondern nur aufgeschoben, teilt Pfleiderer Grajewo mit. Die Deutsche Bank war bei dem geplanten Deal federführend mandatiert, auch die BNP Paribas, Commerzbank und die polnische PKO BP waren als Bookrunner beteiligt. Beraten hat Lazard.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de