Rekordergebnis 2016, Zuversicht für 2017: Die Hannover-Finanz-Vorstände Goetz Hertz Eichenrode (links) und Jürgen von Wendorff

Hannover Finanz / Annette Hausmanns

29.05.17
Deals

Hannover Finanz liefert Rekordergebnis

Die Hannover Finanz profitiert vom Exit-Boom und schüttet fast 100 Millionen Euro an ihre Investoren aus. Mit neuen, größeren Deals will das PE-Haus jetzt die Basis für den nächsten Sprung legen.

Pünktlich zum Chefwechsel präsentiert der Mittelstandsinvestor Hannover Finanz Rekordzahlen. „2016 war das bisher beste Jahr der Firmengeschichte“, lässt sich der neue Hannover-Finanz-Chef Goetz Hertz-Eichenrode in einer Unternehmensmitteilung zitieren. Hertz-Eichenrode wird im Herbst den langjährigen Hannover-Finanz-Chef Andreas Schober als Vorstandssprecher ablösen. Schober wechselt dann in den Beirat.

Auch die Hannover Finanz profitiert von dem herausragenden Exit-Umfeld, das aktuell am deutschen Private-Equity-Markt herrscht. Aus fünf Exits im Jahr 2016 realisierte der PE-Investor Veräußerungsgewinne von 117 Millionen Euro. Im Jahr davor hatten die Niedersachsen sogar sechs Unternehmen verkauft, daraus aber lediglich einen Gewinn von 77 Millionen Euro erwirtschaftet.

Auch die laufenden Portfolioerträge, die sich vor allem aus Dividenden und Zinszahlungen auf Mezzanine-Finanzierungen speisen, legten von 17 auf 20 Millionen Euro zu. An ihre Investoren schüttete die Hannover Finanz die Rekordsumme von 97 Millionen Euro aus. 2015 betrugen die Ausschüttungen 67 Millionen Euro, im Jahr 2014 waren es 20 Millionen Euro. 

Hannover Finanz verkleinert Portfolio erneut

Hertz-Eichenrode ist optimistisch, dass die Erfolgsserie anhält. „Für 2017 erwarten wir erneut ein ertragsstarkes Jahr.“ Die Basis dafür ist bereits gelegt: Im März verkaufte die Beteiligungsgesellschaft ihren Anteil an dem Sensorikspezialisten Astyx an ZF Friedrichshafen. Wie heute bekannt wurde, hat sich Hannover Finanz zudem von dem Gebäudetechniker Lück getrennt. „Weitere Verkäufe sind in Vorbereitung“, kündigt Hertz-Eichenrode an.

Damit setzt die Hannover Finanz ihre Strategie fort, das Investmentportfolio weniger breit aufzufächern als in der Vergangenheit. Im Lauf des Jahres 2016 sank die Zahl der Portfoliounternehmen von 38 auf 37, die darin gebündelten Investitionen stiegen jedoch von 327 auf 348 Millionen Euro. Vor fünf Jahren hatte das Hannover-Finanz-Portfolio noch 49 Unternehmen umfasst. „Unser Ziel ist es, größere Transaktionen durchzuführen“, machte der designierte Vorstandschef Goetz Hertz-Eichenrode deutlich. 

Hannover Finanz kann 180 Millionen Euro für neue Deals mobilisieren

Für Neuinvestitionen stehen nach Unternehmensangaben über 180 Millionen Euro bereit. „Die Anfragen von Familienunternehmen haben weiter zugenommen“, berichtet Hertz-Eichenrode. Dieser Trend findet auch in den Neu-Investments Niederschlag: 2016 ging das PE-Haus drei neue Beteiligungen ein, allesamt im Rahmen einer Nachfolgeregelung. Gekauft wurden die Hotelkette Achat (Umsatz: 54 Millionen Euro), der Werkstoffspezialist Moeschter (24 Millionen Euro Umsatz) und der hessische Fleischverarbeiter Schiller (25 Millionen Euro Umsatz). Insgesamt flossen in diese drei Deals gut 67 Millionen Euro Eigenkapital, 8 Millionen Euro weniger, als die Hannover Finanz im Jahr davor investiert hatte.

Exemplarisch für  die Hinwendung zu größeren Deals steht die erste Beteiligung des laufenden Jahres: Im Januar übernahmen die Hannoveraner den Krefelder Autozulieferer PWK, der sich parallel zum Einstieg der Hannover Finanz zwei Tochterunternehmen der Ibex-Gruppe einverleibte. PWK allein erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 120 Millionen Euro. In dieses Investment dürfte die Hannover Finanz einen zweistelligen Millionenbetrag an Eigenkapital gesteckt haben. 

Mittelstand muss in Digitalisierung investieren

Für die Zukunft erhofft sich das Private-Equity-Haus zusätzlichen Dealflow von Familienunternehmen, die die Digitalisierung bewältigen müssen. Eine Unternehmerumfrage, an der die Hannover Finanz beteiligt war, hat ergeben, dass eine zunehmende Zahl von Familienunternehmen Partnerschaften mit Start-ups oder eine Investition in junge Unternehmen erwägt, um mit dem Wandel ihrer Märkte Schritt zu halten.

„Der Mittelstand sucht vermehrt Sparringspartner bei Zukäufen von Start-ups“, glaubt Jürgen von Wendorff, neben Hertz-Eichenrode Co-Vorstand der Hannover Finanz. Dem Finanzinvestor könnte diese Investitionsoffensive vielversprechende neue Transaktionen bescheren.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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